07:08 17 Dezember 2017
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    Nato drängt Russland zu mehr Hilfe für Afghanistan-Einsatz - "Nesawissimaja Gaseta"

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    Der wichtigste Punkt des ersten Russland-Besuchs von Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen wird wohl Afghanistan sein. Darüber schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Dienstag

    MOSKAU, 15. Dezember (RIA Novosti). Der wichtigste Punkt des ersten Russland-Besuchs von Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen wird wohl Afghanistan sein. Darüber schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Dienstag.

    In der Nato wird von Moskau mehr Hilfe beim Kampf gegen die Taliban erwartet. Aber Experten zufolge entspricht eine "Militarisierung" von Russlands Rolle in Afghanistan nicht dessen Sicherheitsinteressen.

    Die Verhandlungen des neuen Generalsekretärs, der erst im August sein Amt angetreten hat, mit der russischen Führung sollten eigentlich vor einem günstigerem Hintergrund verlaufen. Erst vor kurzem fand in Brüssel die nach dem Krieg in Südossetien erste offizielle Sitzung des Russland-Nato-Rats auf Ministerebene statt, bei dem eine Arbeitsgruppe für Afghanistan gebildet wurde.

    Wie sich jedoch gestern erwies, ist die Gefahr in Afghanistan bereits zu einem Auslöser für Reibungen in den Russland-Nato-Beziehungen geworden, die sich gerade erst anbahnen. In der Nato nimmt die Enttäuschung darüber zu, dass Moskau die Allianz in Afghanistan nicht genügend unterstütze. So erklärte ein hochrangiger Nato-Diplomat, der ungenannt bleiben wollte: "Die Russen könnten weit mehr tun. Sie könnten AK-47-Maschinenpistolen liefern. Sie haben Erdöl und Gas, die Rohstoffe könnten sie der Allianz überlassen, statt sie zu verkaufen."

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    Der Abzug der Nato-Truppen aus Afghanistan und der Machtantritt der Taliban würden Russlands nationale Sicherheit bedrohen, findet Alexej Arbatow, korrespondierendes Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften, deshalb müsse der Allianz geholfen werden. "Der Allianz Öl und Gas zu überlassen, ist nicht realistisch, aber Lieferungen von Maschinenpistolen und schweren Waffen wären möglich. Selbstverständlich nicht unentgeltlich", sagt der Experte.

    Pawel Solotarjow, Vizedirektor des USA-Kanada-Instituts an der Russischen Akademie der Wissenschaften, entgegnet: Die Erlaubnis des Waffentransits durch Russland, ganz zu schweigen von Lieferungen von Maschinenpistolen in das von Konflikten zerrüttete Land, würden wohl kaum den Sicherheitsinteressen Russlands entsprechen.

    "Wir sind an der Stabilisierung der Situation in Afghanistan interessiert", erklärte Solotarjow. "Aber andererseits unternimmt Russland bereits nicht wenig, indem es afghanische Kräfte für den Kampf gegen den Drogenhandel ausbildet. Außerdem sind wir auf den Abschluss des Abkommens über den militärischen Transit mit den USA eingegangen.

    Seiner Relevanz nach ist es mit der amerikanischen Lend-Lease-Hilfe während des Zweiten Weltkriegs vergleichbar. Jetzt führen die Amerikaner einen Krieg, und wir helfen ihnen. Jetzt wollen die Amerikaner anscheinend, dass wir in Afghanistan eine 'zweite Front' eröffnen. Aber wir hatten schon die erste Front in Afghanistan.

    Es kommt darauf an, nicht zu weit zu gehen, so dass die Amerikaner schließlich Afghanistan verlassen würden und wir uns erneut an der vordersten Front sähen, während der Westen mit den USA an der Spitze die Pläne für die weitere Nato-Osterweiterung realisieren würde."