22:31 23 Juni 2017
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    Georgien: Russische Abwehrraketen in Abchasien bedrohen Nato

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    Anerkennung der Unabhängigkeit von Abchasien und Südossetien (143)
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    Mit der Aufstellung von Luftabwehrraketen S-300 in Abchasien hat Moskau heftige Kritik aus Georgien auf sich gezogen. Tiflis sprach von einem „gegen die Nato gerichteten Schritt“ und legte offiziell Protest ein.

    Mit der Aufstellung von Luftabwehrraketen S-300 in Abchasien hat Moskau heftige Kritik aus Georgien auf sich gezogen. Tiflis sprach von einem „gegen die Nato gerichteten Schritt“ und legte offiziell Protest ein.

    Am heutigen Mittwoch wurde bekannt, dass Russland in Abchasien ein Flugabwehrsystem vom S-300 aufgestellt hat. Laut dem russischen Luftwaffenchef Alexander Selin werden damit die Abwehrmittel der Landstreitkräfte verstärkt, die sowohl den abchasischen Luftraum als auch den Himmel über Südossetien schützen.

    „Vor allem verstößt dieser Schritt gegen das Waffenstillstandsabkommen vom 12. August (2008)“, kommentierte der georgische Vizepremier und Reintegrationsminister Temur Jakobaschwili.

    Die Aufstellung dieses Systems störe das Kräftegleichgewicht in der Region. „Das ist auch ein Versuch, die Handlungen der USA nachzuahmen, die Abwehrmittel in Osteuropa stationieren“, sagte Jakobaschwili. Dieser Schritt „ist offenbar gegen die Nato gerichtet.“ Georgien werde diesbezüglich an internationale Organisationen appellieren.

    Unterdessen hat auch der andere Kaukasus-Staat, Südossetien, Interesse an den S-300 bekundet. Die Luftverteidigung Südossetiens sei effizient und reiche mittlerweile aus. Ein russisches S-300-System würde aber nicht schaden, sagte der südossetische Verteidigungsminister Valeri Jachnowez in einem Telefoninterview für RIA Novosti.

    Abchasien und Südossetien hatten sich nach dem Zerfall der Sowjetunion vor rund 18 Jahren von Georgien gelöst und existierten bis zuletzt als nicht anerkannte De-facto-Staaten. Am 26. August 2008 wurden sie von Russland und dann auch von Nicaragua anerkannt. Der Anerkennung war ein Überfall der georgischen Armee auf Südossetien vorausgegangen, der mehrere hundert Zivilisten das Leben kostete.

    Der Angriff, bei dem die südossetische Hauptstadt Zchinwali weitgehend zerstört wurde, konnte nur nach Einmischung der russischen Armee abgewehrt werden. Georgien brach daraufhin die diplomatischen Beziehungen zu Russland ab und erklärte Südossetien und Abchasien zu besetzten Gebieten.

    S-300-Raketen sind für die Verteidigung großer Industrie- und sonstiger Zivil- und Militäranlagen bestimmt und können unter anderem auch ballistische Langstreckenraketen abfangen. Die neusten Modifikationen sind in der Lage, Ziele in einer Entfernung von 150 km und in bis zu 27 km Höhe zu bekämpfen.

    Theoretisch können die S-300, die gegenwärtig den Kern der Luftabwehr Russlands bilden, auch gegen Bodenziele eingesetzt werden. Raketensysteme dieses Typs stehen in der Ukraine, Weißrussland, Kasachstan, der Slowakei, Bulgarien, Griechenland und China im Dienst. Auch der Iran bewirbt sich seit langem um diese Systeme.

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