04:36 22 September 2017
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    Russlands Generalstabschef warnt vor Atomkrieg – "Kommersant"

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    Russlands Generalstab sieht Atomkrieg als reale Gefahr, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Freitag.

    Russlands Generalstab sieht Atomkrieg als reale Gefahr, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Freitag.

    Das sagte Vizeverteidigungsminister und Generalstabschef Nikolai Makarow am Donnerstag in einer Sitzung der Gesellschaftskammer.

    Er verwies auf zahlreiche Konfliktherde im postsowjetischen Raum: „Unter gewissen Umständen schließe ich nicht aus, dass lokale bzw. regionale bewaffnete Konflikte in einen umfassenden Krieg „mutieren“, in dessen Verlauf auch Atomwaffen zum Einsatz kommen könnten.“ Nach seinen Worten sind in der russischen Militärdoktrin Bedingungen beschrieben, „unter denen wir Atomwaffen einsetzen können. Wir werden uns danach richten“, ergänzte der General.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    Russlands Armeeführung scheint ihre Gründe für solche Gedankenspiele zu haben. Makarow erwähnte in seinem Bericht mehrere destabilisierende Faktoren, die Russland in bewaffnete Konflikte verwickeln könnten. Im Westen könnte die offene anti-russische Politik der baltischen Länder und Georgiens eine Krise in den Russland-Nato-Beziehungen provozieren. Konflikte in Zentralasien seien durch die instabile Situation in Afghanistan und Pakistan bedingt, wo Russland als Mitglied der Organisation des Vertrags über Kollektive Sicherheit (OVKS) unter bestimmten Bedingungen eingreifen müsste.

    Außerdem schließt man in Moskau nicht aus, dass die Atomprogramme Irans und Nordkoreas die USA zur Intervention veranlassen könnten, worauf auch Russland reagieren müsste. Außerdem seien Konflikte in der Arktis wegen der dortigen Öl- und Gasvorkommen vorstellbar, ergänzte der General.

    Im September hatte Makarow erklärt, dass die russische Armee nach den Revolutionen in Tunesien, Ägypten und Libyen „zum Worst-Case-Szenario in dem Land bereit sein sollte.“ Ihm zufolge befasst sich der Generalstab mit Ausbildung von Scharfschützen, weil sie eine äußerst wichtige Rolle bei Straßenkämpfen spielen können.

    In seiner Rede in der Gesellschaftskammer übte Makarow zudem Kritik an der russischen Rüstungsindustrie, die auf einen möglichen Krieg nicht gefasst sei. So stellte er fest, dass viele russische Waffen schlechter als ausländische seien. So liege die Schussweite des russischen Panzers T-90 bei 2,5 Kilometern, während sie beim israelischen Merkava sechs Kilometer erreiche. Außerdem habe das T-90-Modell im Unterschied zur ausländischen Konkurrenz keinen Minenschutz, so der General. „Das US-amerikanische mobile Raketenwerfersystem HIMARS kann 150 Kilometer entfernte Ziele treffen, während das russische Smertsch-System nur 70 Kilometer weit schießt.“

    In diesem Kontext rechtfertigte Makarow die im staatlichen Rüstungsprogramm bis 2020 vorgesehene Truppenversorgung mit neuen Waffen. „Alle Rüstungen, die von den Militärs angefragt wurden, werden jetzt gekauft, alles andere nach einer Modernisierung der Rüstungsbetriebe“, kündigte er an. Nach Einschätzung des Generalstabs sollte der Anteil neuer Waffen 2016 bei 30 Prozent, 2020 aber schon bei 70 Prozent liegen.