15:12 17 Februar 2019
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    Kriegsgefahr? Russland rasselt mit den Säbeln – „Nascha Wersija“

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    Russland lässt in letzter Zeit wieder seine Muskeln spielen, schreibt die Zeitung „Nascha Wersija“ am Dienstag.

    Russland lässt in letzter Zeit wieder seine Muskeln spielen, schreibt die Zeitung „Nascha Wersija“ am Dienstag.

    Präsident Wladimir Putin hatte in den vergangenen Monaten mehreren Militärmanövern beigewohnt. Zuletzt schaute er sich die Übung „Kaukasus 2012“ an. Dabei forderte er die Militärführung auf, „das Pulver trocken zu halten“.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    Auch hochrangige Militärs geben sich zunehmend kämpferisch: Immer häufiger wird von gewissen „äußeren Feinden“ geredet. Generalstabschef Nikolai Makarow sagte Ende des vergangenen Jahres, dass Russland in einen Atomkrieg verwickelt werden könnte. Der am Dienstag entlassene Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow sprach von „neuen Kraftzentren, die die regionale Führungsrolle beanspruchen“, sowie von „Quellen militärpolitischer Spannungen“ an Russlands Grenzen.

    Militärexperten stimmen diesen Warnungen zum Teil zu, doch die äußeren Gefahren sollten nicht überbewertet werden.

    Man kann allerdings nicht völlig ausschließen, dass sich Russland in absehbarer Zeit in einen Konflikt einmischen muss. Der Präsident der Akademie für geopolitische Probleme, Generaloberst Leonid Iwaschow, findet, dass die größte Gefahr zurzeit von den Nato-Ländern ausgeht, die ihre Wirtschaftsprobleme immer häufiger mit militärischen Mitteln lösen.

    Laut den von der Zeitung befragten Experten könnte Russland in folgende Konflikte hineingezogen werden:

    Russisch-chinesischer Krieg

    Die Gründe für einen solchen Konflikt sind offensichtlich: Die Volksrepublik muss ihren Einflussraum erweitern, um neue Territorien sowie Bodenschätze erschließen zu können. Das könnte sie auf Kosten des wirtschaftlich und politisch angeschlagenen Russlands tun.

    Es ist kein Geheimnis, dass Peking in den letzten Jahren ständig seine Militärausgaben erhöht, die sich derzeit auf 80 Milliarden Dollar jährlich belaufen. Außerdem verfügt die chinesische Armee über mehr als 200 Millionen Soldaten. Die russische Armee im Osten des Landes wäre nicht in der Lage, der chinesischen Militärmaschinerie standzuhalten.

    Der Vizechef des Instituts für politische und militärische Analyse, Alexander Chramtschichin, vermutet, dass eine Konfrontation zwischen Moskau und Peking bereits in zehn bzw. 15 Jahren möglich wäre und zu einem umfassenden Krieg unter Einsatz von Atomwaffen führen könnte.

    Postsowjetischer Raum

    Experten zufolge könnte es in absehbarer Zeit zu einer Wiederholung der blutigen Ereignisse vom Sommer 2008 in Abchasien und Südossetien kommen, selbst wenn sie nach dem jüngsten Machtwechsel in Georgien nicht mehr so wahrscheinlich sind.

    Im Sinne des Freundschafts- und Kooperationsvertrages mit Abchasien hat sich Russland zur Verteidigung der einstigen Teilrepublik Georgiens verpflichtet. Dort sind insgesamt 4000 russische Soldaten stationiert.

    Ein weiterer Konfliktherd befindet sich in Bergkarabach, dem umstrittenen Gebiet zwischen Aserbaidschan und Armenien. Im Falle einer Eskalation könnte der gesamte Kaukasus davon erfasst werden.

    In Armenien befindet sich ein russischer Militärstützpunkt. Dessen Pachtvertrag wurde im August 2010 um 49 Jahre verlängert. Laut einer Vereinbarung zwischen Moskau und Jerewan sind die russischen Truppen verpflichtet, Armenien bei einem Angriff zu verteidigen. Für Bergkarabach gilt das jedoch nicht.

    Der Experte Chramtschichin ist der Ansicht, dass die Verwicklung in einen Karabach-Konflikt für Moskau äußerst ungünstig wäre, stellte aber zugleich fest, dass die russische Regierung eine flexible Kaukasus-Politik verfolge und sowohl mit Jerewan als auch mit Baku positive Beziehungen pflegt. Sollte es zu einem Konflikt zwischen den Seiten kommen, würde sich Moskau heraushalten, es sei denn andere Länder wie die Türkei würden sich einmischen.

    Naher Osten

    In der seit nahezu zwei Jahren andauernden Syrien-Krise stellt sich Moskau auf die Seite des Präsidenten Baschar Assad und besteht auf einer Nichteinmischung anderer Länder in den innenpolitischen Konflikt in diesem Land. Dabei verfolgt es auch eigene Interessen. In Syrien befindet sich der letzte russische Militärstützpunkt im so genannten „fernen Ausland“. Laut Quellen im Verteidigungsministerium würde Russland dieses strategisch wichtige Militärobjekt „mit der Waffe in der Hand“ verteidigen.

    Der Experte Leonid Iwaschow warnt jedoch, dass eine Intervention Russlands in den Syrien-Konflikt sowohl für Moskau als auch für Damaskus gefährlich wäre, weil das im Grunde eine Konfrontation zwischen Russland und der Nato bedeuten würde. Dabei habe Moskau weder Kraft noch Geld, um die Situation im Nahen Osten wirklich beeinflussen zu können.

    Zentralasien

    Moskau muss die Entwicklung in Zentralasien aufmerksam beobachten, vor allem wegen des nahenden Abzugs der Nato-Truppen aus Afghanistan. De facto wurde Russland in den Krieg am Hindukusch bereits hineingezogen, als in diesem Jahr im Gebiet Uljanowsk ein Transitlager der Nato eröffnet wurde.

    Afghanistan ist für den Kreml ein historisch wichtiger Raum, denn von der Situation dort hängen die Aktivitäten der Islamisten und damit die Lage an den südlichen Grenzen Russlands ab, vor allem in Bezug auf den zunehmenden Drogenschmuggel.

    Die Wahrscheinlichkeit, dass Russland nach dem Abzug der Nato aus Afghanistan an einem Krieg in Zentralasien teilnehmen muss, ist ziemlich hoch. Deshalb sind in den an Afghanistan grenzenden Ländern wie Kirgistan und Tadschikistan russische Truppen stationiert.

    Alexander Chramtschichin zufolge kommt eine Entsendung russischer Soldaten nach Afghanistan wohl eher nicht in Frage. In Notfällen könnten die russischen Soldaten die tadschikisch-afghanische Grenze überschreiten, vermutete er.

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