17:36 13 November 2018
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    RS-20 Wojewoda

    Geheimhaltung aufgehoben: Russlands neue Interkontinentalrakete

    © Foto : Ministry of Defence of the Russian Federation
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    Der Befehlshaber der strategischen Raketentruppen, Generaloberst Sergej Karakajew, hat erstmals bis zuletzt geheim gehaltene Informationen über die Entwicklung der schweren ballistischen Feststoffrakete RS-26 öffentlich gemacht.

    Diese Rakete, die von den Medien als Raketenabwehr-Killer bezeichnet wurde, wird 2016 in die Bewaffnung der russischen strategischen Raketentruppen aufgenommen, die derzeit über Feststoffraketen der Typen Topol-M und Jars verfügen.

    Zudem teilte der Befehlshaber mit, dass neueste, 100 Tonnen schwere Interkontinentalraketen Sarmat in der Region Krasnojarsk und im Gebiet Orenburg aufgestellt werden, wo sie die dort stationierten Raketen Wojewoda (Nato-Code: Satan) ablösen sollen.

    R-36M2 „Wojewoda“
    © Sputnik / Artem Rozanov

    Die strategischen Raketentruppen sind eine Truppengattung der russischen Streitkräfte und ein bodengestütztes Segment der ständig einsatzbereiten strategischen Atomstreitkräfte. Diese Truppen sind ein Element zur Prävention von Angriffen – als Bestandteil der strategischen Atomstreitkräfte oder als selbstständige Truppengattung. Sie können auch massive oder einzelne Raketenschläge gegen strategisch wichtige Objekte versetzen, die in einer oder in verschiedenen Richtungen liegen und den Kern des militärischen bzw. militär-wirtschaftlichen Potenzials des Gegners ausmachen.

    Russlands strategische Raketentruppen verfügen über alle mobilen und silo- bzw. bodengestützten ballistischen Interkontinentalraketen mit  Atomsprengköpfen.

    Geheime Rakete

    Offizielle Informationen über die neue Rakete des Typs RS-26 gab es bisher nahezu keine. Ihre technischen Daten sind derzeit streng vertraulich. Bekannt ist lediglich, dass es sich um die neueste russische Feststoffrakete handelt.

    Die Informationen über Teststarts dieser Raketen wurden seit 2013 nicht aktualisiert. Damals war über vier Starts berichtet worden, von denen drei erfolgreich waren.

    Wie General Karakajew am Donnerstag RIA Novosti mitteilte, werden strategische Raketenkomplexe RS-26 im Jahr 2016 in die Bewaffnung aufgenommen. Die Tests dieser Waffe werden fortgesetzt.

    Derzeit verfügen die strategischen Raketentruppen über die mobilen Feststoffraketen Topol-M und Jars. 

    Wo wird der Satan-Ersatz stationiert?

    Informationen über mögliche Stützpunkte der neuesten schweren ballistischen Flüssigkeitsraketen Sarmat (dieses Modell wird in Russland bis 2020 entwickelt und soll die Wojewoda- bzw. Satan-Raketen ablösen) wurden bislang ebenfalls nicht veröffentlicht.

    Über diese Raketen war nur bekannt, dass sie dem im Aufbau befindlichen Raketenabwehrsystem der USA widerstehen können.

    „Wenn wir von unseren Plänen ausgehen, ist alles bereits klar: Diese schweren Raketen werden in Uschur (Region Krasnojarsk) und im Dorf Dombarowski (Gebiet Orenburg) aufgestellt“, teilte Karakajew RIA Novosti mit. Derzeit werden einzelne Elemente der Sarmat-Rakete getestet. Am Bau dieser Raketen werden ausschließlich russische Unternehmen teilnehmen.

    Die technischen Daten der neuen Rakete werden geheim gehalten. Bekannt ist nur, dass sie eine enorme Schlagkraft hat. Diese Rakete kann auf mehreren Flugbahnen und in verschiedene Richtungen gestartet werden. Sie verfügt über modernste Spezialmittel und Möglichkeiten, um feindliche Raketenabwehrsysteme zu durchbrechen. 

    Was die Wojewoda- bzw. Satan-Raketen angeht, deren Wartung bis zuletzt in Kooperation mit dem ukrainischen Konstruktionsbüro Juschnoje erfolgte, so ist künftig Russland allein dafür zuständig. Eine Beteiligung der Ukraine an der Wartung ist nicht mehr zweckmäßig. 

    Neue Garanten der Atomsicherheit Russlands

    General Karakajew gab zudem bekannt, dass in Russland eisenbahngestützte Raketenkomplexe neuer Generation unter der Bezeichnung Bargusin entwickelt werden. Entwürfe des neuen Raketenzugs gebe es bereits. Derzeit werden die Konstruktionsunterlagen erstellt. Ein Testmodell des Zuges soll demnächst geprüft werden.

    Die strategischen Raketentruppen hatten bereits zur Sowjetzeit über Raketenzüge verfügt. Gemäß dem START-Vertrag von 1993 musste Russland 2005 die Raketenzüge jedoch einmotten. Der START-3-Vertrag von 2010 untersagt allerdings nicht die Entwicklung von neuen Raketenkomplexen, darunter von eisenbahngestützten.

    Russlands Vizeverteidigungsminister Anatoli Antonow sagte in diesem Zusammenhang, dass eine Änderung des START-3-Vertrags dafür nicht nötig sei.

    „Die Entwicklung von eisenbahngestützten Raketenkomplexen widerspricht nicht den Verpflichtungen Russlands im Rahmen des START-Vertrags. Für ihre Entwicklung muss dieser Vertrag meines Erachtens nicht geändert werden. Jede Vertragsseite ist berechtigt, den Bestand und die Struktur ihrer strategischen Kräfte selbstständig zu bestimmen.“ Das Wichtigste an diesem Vertrag bestehe darin, dass die zulässige Zahl von Atomwaffenträgern eingehalten werde, so Antonow.

    Der Raketenkomplex Bargusin ist in Bezug auf Präzision, Reichweite und andere Parameter deutlich besser als sein sowjetischer Vorgänger. Es wird erwartet, dass Raketenzüge den russischen Streitkräften spätestens 2040 zur Verfügung stehen werden.

    Die Entwicklung der neuesten eisenbahngestützten Raketenkomplexe wird nach entsprechenden Verfügungen des russischen Präsidenten in Angriff genommen. Dabei wird diese Truppengattung wieder aus drei Säulen (silo-, eisenbahngestützte und mobile Kräfte) bestehen.

    Im kommenden Jahr werden die strategischen Raketentruppen Russlands mehr als 20 mobile und bodengestützte Jars-Raketensysteme erhalten.

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    Tags:
    Topol-M, Sarmat (Interkontinentalrakete), Anatoli Antonow, Russland