23:08 22 Januar 2018
SNA Radio
    Cyberspace

    NSA-Pläne für Cyber-Kriege: „Amerika setzt auf die Stärke“

    © Fotolia/ Leo Lintang
    Militär
    Zum Kurzlink
    0 486

    Moskau plädiert für einheitliche internationale Spielregeln, um Konflikte im Cyberspace zu verhindern, doch die USA sind davon nicht begeistert. Die russische Presse kommentiert die neuen Daten von Edward Snowden, wonach die USA „Schlachten im Internet“ planen.

    Die russische Tageszeitung „Kommersant“ beschäftigt sich am Montag mit den neuen Dokumenten aus dem Archiv des US-Whistleblowers Edward Snowden, die soeben vom „Spiegel“ veröffentlicht wurden. Demnach planen die USA und ihre Verbündeten „Schlachten im Internet, um Computernetzwerke lahmlegen zu können“. In diesem Zusammenhang fordert Snowden einen „neuen internationalen Verhaltenskodex“. 

    Ein Kreml-Beamter sagte dem russischen Blatt, Moskau fordere seit Jahren solche internationalen Standards: „Die Länder sollten sich möglichst schnell auf Verhaltensregeln im Netz verständigen. Nur auf diese Weise kann man Konflikte im Cyberraum verhindern und die Souveränität der Länder sichern. Doch die USA wollen vorerst keine Vereinbarungen, indem sie auf die Stärke setzen. Dieser Ansatz könnte gefährliche Folgen haben.“   

    Wie der „Spiegel“ unter Berufung auf Snowdens Dokumente berichtet, beschränkt sich der US-Geheimdienst NSA nicht auf die totale Überwachung der Kommunikation im Internet und hat eine Truppe für maßgeschneiderte Computereinbrüche (Tailored Access Operations) aufgestellt. 

    Die Überwachung sei in Sachen Cyber-Krieg nur die „Phase 0“, um die Schwachstellen der gegnerischen Systeme auszuspionieren. Die dadurch gelegten Zugänge könne man nutzen, um kritische Systeme wie Energie, Kommunikation und Transport „nach Belieben zu kontrollieren/zerstören“. Das Ziel sei schließlich eine „kontrollierte Eskalation in Echtzeit“, so die Unterlagen, aus denen der „Spiegel“ zitiert.

    Die russischen Behörden tüfteln längst an Maßnahmen, um das nationale Segment des Internets zu schützen. Der Minister für Telekommunikation, Nikolai Nikiforow, hatte im Oktober vorgeschlagen, ein internationales Übereinkommen zu schließen, um die UNO für die Web-Infrastruktur zuständig zu machen. Dies soll verhindern, dass ein einziges Land wie Amerika den ganzen Cyberspace kontrolliert.

    Am 9. Januar machte Russland gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit einen weiteren Schritt. Den Vereinten Nationen wurde ein neuer Verhaltenskodex im Bereich der internationalen Informationssicherheit vorgeschlagen. Nach Informationen des „Kommersant“ könnte dieses Dokument im kommenden September der UN-Vollversammlung zur Abstimmung vorgelegt werden.

    Russland plant auch ein Pendant zum US-amerikanischen Cyber Command. Andrej Massalowitsch von der russischen Behörde für Regierungsfernmeldewesen und Information kommentierte im Gespräch mit dem Auslandssender „Stimme Russlands“: „Russland hat begonnen, die Finger zu einer Faust zusammenzupressen, indem ein nationales Cyber-Kommando entsteht. Eine Überlegenheit im Cyberspace ist derzeit wichtiger als eine Überlegenheit im Luftraum oder sogar in der Atombranche, wo es bereits eine Parität gibt.“

    Zum Thema:

    USA vermuten Nordkorea hinter Cyberangriff auf Sony Pictures
    Versierte Hacker powern Cyber-Misstrauen – McAffee-Prognose 2015
    USA und Großbritannien wollen sich gemeinsam gegen Hackerangriffe rüsten
    NSA-Spionage: US-Regierung erlaubt Internetfirmen mehr Transparenz
    Tags:
    Cyberspace, NSA, Edward Snowden, USA