12:00 19 November 2019
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    Atomrakete des Typs Wojewoda RS-20W (Satan)

    Schluss mit Satan: Russlands stärkste Atomrakete wegen Ukraine-Konflikt vor dem Aus

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    Die weltweit stärkste Atomrakete R-36M, die den russischen Streitkräften zur Verfügung steht, läuft das Risiko, bald ausgemustert zu werden: Wegen der Spannungen zwischen Kiew und Moskau geben die ukrainischen Entwickler die Wartung auf. Doch die russische Führung will eine Lösung gefunden haben.

    Die Regierung in Moskau hat nach Informationen der Onlinezeitung Gazeta.ru das russische Konstruktionsbüro Makejew beauftragt, die technische Wartung der Raketen R-36M-UTTH und R-36M2 zu übernehmen, die den russischen Streitkräften zur Verfügung stehen. Das sind Modifikationen der ballistischen Interkontinental-Flüssigstoffrakete R-36M (Nato-Codename: SS-18 Satan). Sie waren noch vor dem Zerfall der Sowjetunion in der Ukraine gebaut worden. Seitdem begutachteten die ukrainischen Entwickler den technischen Zustand der Raketen in Russland. Doch nun verzichteten sie darauf wegen der drastischen Verschlechterung der Beziehungen zwischen Kiew und Moskau.

    Russische Raketenkomplexe
    © Sputnik / Valery Melnikov
    Wladimir Degtjar, Geschäftsführer von Makejew, bestätigte den neuen Auftrag: „Das Unternehmen wurde vor die Aufgabe gestellt, die Raketen zu warten, und wird diese Aufgabe erfüllen. Es gibt alle erforderlichen Kompetenzen dafür“.

    Ein Sprecher des ukrainischen Herstellers Juschmasch äußerte jedoch Zweifel daran, ob die Russen die Aufgabe meistern: „Erstens haben sie keine entsprechenden Konstruktionsdokumente, die lediglich dem ukrainischen Konstruktionsbüro Juschnoje vorliegen. Zweitens kennen nur unsere Fachleute, die die Rakete gebaut haben, alle Feinheiten und Nuancen. Makejew beschäftigt sich mit anderen Raketen und kennt nicht unbedingt alle R-36M-Besonderheiten.“

    Viktor Murachowski, Mitglied des Expertenrates der russischen Rüstungskommission, sagte dagegen, alle erforderlichen Dokumente seien in Russland vorhanden, und zwar in spezialisierten Zentren, die für die Produktion in Krisenzeiten zuständig sind: „Dort gibt es Konstruktions-, Produktions- und technische Unterlagen sowie alle Vorschriften, die eingehalten werden müssen, um die Raketen einsatzbereit zu halten.“ Es werde keine Probleme geben, zumal die Gefechtsköpfe und die Silos für die Raketen aus russischer Produktion seien, hieß es.

    Wie ein Sprecher der russischen Raketentruppen erläuterte, war die ursprünglich geplante Betriebsdauer dieser Raketen bereits 2005 zu Ende gegangen. Seitdem finden jährlich Teststarts statt, um den technischen Zustand der Raketen zu bewerten. Anhand dieser Tests wird die Betriebsdauer jedes Mal um ein Jahr verlängert. Die jüngste Begutachtung fand Ende 2014 statt. Die nächste Prüfung (für die nun das Konstruktionsbüro Makejew zuständig ist) soll binnen einem Jahr stattfinden. Falls sie ausbleibt, muss die Rakete ausgemustert werden.

    Murachowski weist darauf hin, dass in Russland derzeit eine neue Flüssigstoffrakete entwickelt wird. Ausgerechnet Makejew befasst sich damit. Diese neue Rakete des Typs Sarmat soll 2018 ihren ersten Testflug absolvieren. „Selbst wenn man die R-36M-Rakete jetzt ausmustert, wird dies Russlands Kampf-Potenzial nicht besonders schwächen“, so Murachowski.

    Alexej Arbatow, Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften, sagte der Onlinezeitung, die R-36 sei eigentlich ein unnötiges Überbleibsel des Kalten Krieges. Sie sei in ihrem Silo leicht zu zerstören. Von diesem Standpunkt aus seien die neuen mobilen Startvorrichtungen des Typs Jars viel besser, die an die Streitkräfte bereits geliefert werden.

    Die erste R-36M-Version mit einem Mehrfachsprengkopf war 1979 in Dienst gestellt worden. Bis heute gilt die Rakete als stärkstes nukleares Waffensystem weltweit. Mit ihrem Kassettensprengkopf ist jede Rakete in der Lage, zehn Städte auszuradieren.

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    Tags:
    R-36M, NATO, Wladimir Degtjar, Alexej Arbatow, Kiew, Moskau, Russland, Ukraine