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    Russische Armee auf der Krim

    Russische Armee auf der Krim: stark und modern

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    Integration und Entwicklung der Krim-Region (294)
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    Ein Jahr nach ihrem Russland-Beitritt ist die Krim einer der Schlüsselbereiche der russischen Militärpolitik und zu einem Vorposten zwischen Ost und West geworden.

    Russland hat laut Verteidigungsminister Sergej Schoigu bereits eine „vollwertige, selbstständige Truppengruppierung“ auf der Krim formiert: Dort sind sieben neue Truppenverbände und acht Formationen verschiedener Zweckbestimmung entstanden. Die Verstärkung der Truppen auf der Krim sei eine adäquate Antwort auf die sich zuspitzende geopolitische Lage in der Region, darunter auf  verstärkte Nato-Aktivitäten und den Krieg in der Ukraine, so Schoigu.

    Krim auf der Landeskarte Russlands
    © Sputnik / Alexander Vilf
    Die Halbinsel wurde in den Staatsverband Russlands aufgenommen, nachdem sich 96 Prozent der Krimbürger bei einem Referendum am 16. März 2014 für eine Wiedervereinigung mit Russland ausgesprochen hatten. Am 18. März wurde ein entsprechender Vertrag unterzeichnet, der die Republik Krim und die Stadt Sewastopol als zwei neue Föderationssubjekte festgelegt hat.

    Ukrainisches Erbe

    Bald nach der Veröffentlichung der Ergebnisse des Krim-Referendums gab der Oberbefehlshaber der russischen Marine Viktor Tschirkow bekannt, dass auf der Krim insgesamt 79 Schiffe der ukrainischen Marine, darunter 25 Kampfschiffe, geblieben sind, und äußerte die Bereitschaft, diese an die ukrainische Seite zurückzugeben. Bald darauf forderte der damalige stellvertretende Leiter der ukrainischen Präsidentenverwaltung Sergej Pawschinski von Russland, 70 Schiffe an die Ukraine zurückzugeben.

    Die Übergabe der ukrainischen Schiffe begann plangemäß am 11. April, als das Raketenschnellboot „Priluki“ in die Ukraine geschickt wurde. Doch schon Mitte Juli meldete der Interimsgouverneur von Sewastopol Sergej Menjailo einen Unterbruch in der Übergabe der Militärtechnik auf Initiative der Behörden in Kiew hin, die sich auf einen Beschluss des ukrainischen Sicherheits- und Verteidigungsrates berief, die militärtechnische Kooperation mit Russland einzustellen. Bis dahin hatte Russland der ukrainischen Seite 43 Schiffe, alle Panzer- und sonstige Fahrzeuge sowie einen Teil der Flugzeuge und Hubschrauber übergeben.

    Der ukrainische Präsident Pjotr Poroschenko erklärte in den Tagen, Die Ukraine habe vor, alle auf der Krim verbleibenden Waffen zurückzuholen. Doch diesen seinen Plan wird Kiew wohl kaum erfüllen können: Der Befehlshaber der russischen Schwarzmeerflotte Admiral Alexander Witko hat bereits im Sommer bemerkt, dass die Übergabe der Kriegstechnik und der Schiffe nicht wiederaufgenommen wird, weil diese im Konflikt im Südosten der Ukraine eingesetzt werden könnten.     

    Neben Schiffen und Kriegstechnik verbleiben auch ukrainische Militärleute auf der Krim, viele von denen den Wunsch geäußert haben, in der russischen Armee zu dienen. Vor allem sei bemerkt, dass die Führung der ukrainischen Marine auf die russische Seite gewechselt ist. Der frühere Chef der ukrainischen Marine Konteradmiral Denis Beresowski hatte noch am 2. März einen Eid auf das Volk der Krim geleistet und wurde eineinhalb Monate später zum stellvertretenden Befehlshaber der russischen Schwarzmeerflotte ernannt. Auch sein früherer Stellvertreter Vizeadmiral Sergej Jelissejew wechselte zur russischen Marine und wurde als stellvertretender Befehlshaber der Baltischen Flotte eingesetzt.

    Für einen Wechsel in die russischen Streitkräfte entschieden sich mehr als 70 auf der Krim stationierte ukrainische Verbände, darunter 25 Schiffe der Dienstflotte und sechs Kampfschiffe der ukrainischen Marine. Die Zeremonie des Flaggenwechsels fand auch in der ukrainischen Nachimow-Marineakademie statt.

    Insgesamt wurden nach dem Russland-Beitritt der Krim mehr als 9.000 frühere ukrainische Militärs und zivile Mitarbeiter der Armee, darunter 2.700 Offiziere, 1.300 Fähnriche und Marinefähnriche, mehr als 5.000 Soldaten, Matrosen, Sergeanten und Maate sowie 191 Kadetten in russische Streitkräfte aufgenommen. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wollten weniger als 2.000 der insgesamt 18.000 auf der Krim stationierten ukrainischen Militärs zurück in die Ukraine gehen.

    Neue Streitkräfte für neue Regionen

    Wie Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu im September 2014 sagte, haben die Zuspitzung der Lage in der Ukraine, der Russland-Beitritt der Krim und die gestiegene ausländische Präsenz an den russischen Grenzen die Führung zu „bestimmten Korrektiven“ der Arbeit des Militärbezirks Süd veranlasst. Die vorrangige Aufgabe sei dabei „die Entfaltung einer vollwertigen und selbstständigen Truppengruppierung“ auf der Krim, unterstrich er.

    Mit dem Beitritt der Krim und der Stadt Sewastopol zu Russland wurden wichtige Schritte auf diesem Weg getan: Die Entwicklung und Neuausstattung der russischen Schwarzmeerflotte, die früher von den ukrainischen Behörden gehemmt wurde, erhielt nun einen neuen Impuls. Insbesondere bekam die Flotte die Division der Überwasserschiffe wieder, die seinerzeit vom russischen Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow aufgelöst worden war.

    Diese Einheit wurde auf der Basis des Anti-Boot-Schifftrupps gegründet, 2015 wird sie von einer Fregatten-Brigade aufgefüllt. Es sei auch daran zu erinnern, dass die Schwarzmeerflotte 2015 und 2016 von sechs Fregatten des Projekts 11356.3, sechs Stealth-U-Booten des Projekts 636 „Warschawjanka“ und Kleinraketenschiffen des Projekts 21631 „Bujan-M“ mit der Raketenanlage „Kalibr“ aufgestockt werden soll.

    Im November 2014 trafen auf dem Flugplatz Belbek 14 Mehrzweckjäger Su-27SM und Su-30 ein. Eine Quelle in den Verteidigungskreisen der Krim teilte später RIA Novosti mit, dass die Su-27SM-Jäger bald gegen neue Su-30SM-Maschinen ausgetauscht werden sollen. Nachdem die Luftabwehrgruppierung der Krim im November um Langstrecken-Fla-Raketensysteme S-300PMU und Panzir-Anlagen erweitert wurde, ist nun der Himmel über der Krim sicher und vollständig geschützt. 
    Außerdem hat die russische Armee auf der Krim im Februar 2015 auch Luft- und Raum-Verteidigungstruppen bekommen. Die Formation wurde auf der Grundlage des Zentrums für Raumfernmeldewesen in Jewpatorija gegründet, die unter die Rechtshoheit des russischen Verteidigungsministeriums geriet. Die Formation soll 2016 sechs neue Raumflugkörper-Steuersystemen zur Bewaffnung bekommen.

    Delfine und Militärtaucher

    Stärker wurde auch die Küstengruppierung der Schwarzmeerflotte: Neue Anti-Schiffs-Systeme mit langem Aktionsradius des Typs „Ball“ und „Bastion“ wechselten die überholte Raketenbewaffnung ab. Außerdem wurde in den Bestand der Schwarzmeerflotte ein Bergbataillon, eine Drohnenstaffel für die Überwachung der Nato-Schiffe, ein Regiment für Strahlungs-, Chemie- und Biologieschutz sowie ein neues Artillerieregiment mit 300 Waffen- und Militärtechnikeinheiten eingeschlossen. Angesichts der angespannten geopolitischen Lage um die Krim war man bestrebt, ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung der Antidiversionseinheiten zu richten und das wurde auch getan. 

    Zwei Monate nach dem Russland-Beitritt der Krim sagte der Hauptbefehlshaber der russischen Marine, dass die Flotte die Schaffung eines Ausbildungszentrums für Militärtaucher und Rettungsleute auf der Basis der Taucherschule in Sewastopol erwäge. Für die Sicherheit der Stützpunkte und Schiffe der Schwarzmeerflotte sollen auch Kampfdelfine sorgen. Das Ozeanarium von Sewastopol, wo die großen Tümmler für die ukrainischen Marinestreitkräfte ausgebildet wurden, zählt nun auch zu den Einrichtungen der russischen Marine. Noch im November führte die Schwarzmeerflotte das erste Training mit den Kampfdelfinen zur Suche nach Militärgerät in einer Tiefe von bis zu 60 Metern durch. 
    Besonders sollte auch die Kadettenschule von Sewastopol erwähnt werden, die am 20. März 2014 auf eine Anordnung von Russlands Präsident Wladimir Putin gegründet wurde. Am 1. September 2014 öffnete die Schule für 360 Kadetten ihre Pforten und am 1. September dieses Jahres soll mit einem neuen Jahrgang von 840 Kadetten die Vollleistung der Einrichtung erreicht werden.

    Schwarzmeer-Matrosen kehren heim

    Am 2. April unterzeichnete Wladimir Putin das Gesetz „Über die Aufhebung der Abkommen über den Aufenthalt der russischen Schwarzmeerflotte auf dem ukrainischen Territorium“, welches später auch von der Staatsduma angenommen und vom Föderationsrat verabschiedet wurde.

    Außer Kraft traten somit das russisch-ukrainische Abkommen über die Teilung der Schwarzmeerflotte vom 28. Mai 1997, das Abkommen über den Status und die Bedingungen des Aufenthaltes der Schwarzmeerflotte auf dem ukrainischen Boden, die Vereinbarung über die gegenseitigen Abrechnungen im Zusammenhang mit der Teilung der Flotte sowie das Abkommen über den Aufenthalt der Schwarzmeerflotte in der Ukraine vom 21. April 2010.  Mit der Kündigung des zuletzt genannten Abkommens büßte die Ukraine auch den Rabatt für das russische Gas ein.

    Nunmehr wird Russland die Schiffe seiner Schwarzmehrflotte nicht nur in Sewastopol, sondern auch in Feodossija und Donuslaw (180 Kilometer nordwestlich von Sewastopol) stationieren; seine Flugzeuge und Hubschrauber  werden in Mirnyi bei Jewpatorija und in Belbek heimisch sein. Trotzdem bleiben hinsichtlich Entwicklung und Wiederaufbau der Militärinfrastruktur der Krim noch viele Fragen offen, wie Sergej Schoigu in einer Sitzung der Militärbehörde betonte.

    Die Schwarzmeerflotte soll bis 2020 mehr als 86 Milliarden Rubel im Rahmen des föderalen Zielprogramms „Schaffung des Stationierungssystems für die Schwarzmeerflotte Russlands in den Jahren 2005 bis 2020“ bekommen, so der Minister. Nach der Aufnahme der Krim und der Stadt Sewastopol in den russischen Staatsverband erfordere das Programm wesentliche Änderungen, denn zuletzt wurde es im Jahr 2008 angepasst, als man von einer derart raketenhaften Entwicklung der russischen Armee auf der Krim kaum hätte träumen können.  

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    Petro Poroschenko, Sergej Schoigu, Russland, Ukraine, Sewastopol, Krim