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23:03 23 Oktober 2019
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    Nato-Übungen in Litauen

    Nato-Übungen in Europa: USA brauchen immer mehr Europäer für Allianz – Experte

    © AP Photo / Mindaugas Kulbis
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    Die Alarmierungsübung für die neue superschnelle Eingreiftruppe der Nato ist am Freitag in Tschechien zu Ende gegangen. Einheiten aus Tschechien und Holland sollten dabei zeigen, dass sie innerhalb kürzester Zeit für den Einsatz in einem Krisengebiet bereit sind. In Deutschland dauern bis Monatsende die Militärmanöver "Saber Junction 15" an.

    „Militärübungen haben ja immer einen Namen, und die heißt jetzt eben,Gekreuzte Säbel‘ und,15‘ steht für das Jahr 2015“, erklärt im Interview mit Nikolaj Jolkin der Schweizer Historiker Daniele Ganser, der heute das von ihm gegründete Swiss Institute for Peace and Energy Research (SIPER) leitet. Bekannt wurde er mit seiner 2005 publizierten Dissertation über „NATO-Geheimarmeen“.

    „Diese Übung gab es schon in den vorhergehenden Jahren. Dabei geht es darum, das verschiedene Länder zusammen üben. Fallschirmtruppen springen ab. Amerikanische Soldaten springen z.B. über Rumänien ab und dann sind rumänische Soldaten am Boden und begrüßen sie. Man versucht zu üben, dass man im Kriegsfall zusammenarbeiten könnte. Die USA verfolgen in den europäischen Ländern eigentlich das Ziel, ihre Macht auszudehnen. Aber man muss schon zur Kenntnis nehmen, dass die USA eigentlich zu wenige Truppen haben, um europäische Länder zu kontrollieren. Sie brauchen immer auch Europäer, die mitmachen. Die Amerikaner versuchen eigentlich seit den letzten 25 Jahren, immer mehr Länder in Europa in die Nato hereinzunehmen.“

    Der Experte erinnert an die Wiedervereinigung Deutschlands, als russische Truppen samt aller Panzer aus der ehemaligen DDR abgezogen wurden. Dabei sei kein Schuss gefallen, und Deutschland sei als Ganzes in die Nato reingekommen. Die Nato habe ihr Wort gebrochen, sich nicht auszudehnen. Polen, Rumänien, Bulgarien, Tschechien, die Slowakei, Estland, Lettland, Litauen, Albanien und Kroatien wurden Nato-Mitglieder.

    „Da muss man verstehen, dass das Moskau verärgert“, stellt der Historiker mit Bedauern fest. „Denn aus Russland gesehen, ist das ein Vorrücken der Nato an die russische Grenze. Wenn die Nato dann auch noch Übungen macht, jetzt im April 2015, führt das zu noch größerer Irritation. Ich finde es besser, wenn man nicht den Krieg übt, sondern versucht, den Dialog zu stärken.“

    Nato-Übungen vor dem Hintergrund der Ereignisse in der Ukraine

    „Es gibt einen historischen Kontext, der die ganze Sache noch viel brisanter macht“, meint Daniele Ganser. Nach Janukowitschs Sturz steuert der Präsident Poroschenko zur Nato-Mitgliedschaft. Das ist völlig im Interesse der USA. Der amerikanische General Ben Hodges ist sogar in die Ukraine gefahren und hat verwundeten ukrainischen Soldaten Auszeichnungen der amerikanischen Armee angeheftet. Das ist eigentlich ein Zeichen dafür, dass die Amerikaner sagen:,Wir stehen auf eurer Seite.‘ Wir haben jetzt amerikanische Nato-Einheiten, die die ukrainische Armee von Poroschenko trainieren.“

    Manöver des US-Konvois Dragoon Ride
    © AP Photo / Mindaugas Kulbis
    „Wenn wir bei dieser Übung,Saber Junction 15‘ genau hinschauen, dann sehen wir, dass hier nicht nur 15 verschiedene Nato-Länder involviert sind, sondern es sind auch Militäreinheiten aus Armenien dabei, das doch gar nicht, wie auch die Ukraine, Mitglied der Nato ist. Aber man versucht von Seiten der Nato, diese Länder einzubinden. Und das ist bedenklich, weil das die russischen Sicherheitsinteressen verletzt. Und das wissen die Amerikaner.“ Daniele Ganser meint, dass die Amerikaner tatsächlich provozieren, indem sie die Spannungen weiter anheizen.

    Was die Nato-Geheimarmeen in Europa (Titel seiner Dissertation) betrifft, so haben sie im ganzen Kalten Krieg in allen Nato-Ländern existiert. Und sie haben im Verdeckten operiert. Nach wie vor ist die Nato in der verdeckten Kriegsführung aktiv. „Aber das wollen viele Leute nicht wahr haben“, stellt der Historiker fest. Machen Sie sich schlau über die Operation ‚Gladio‘. Dann haben Sie auch einen besseren Blick auf die Nato.“

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    Tags:
    NATO, Russland, Kroatien, Albanien, Litauen, Lettland, Estland, Slowakei, Bulgarien, Rumänien, Polen, Deutschland, Holland, Tschechien, USA