07:25 06 Dezember 2019
SNA Radio
    US-Fallschirmjäger in Ukraine

    Streit um US-Fallschirmjäger in Ukraine: „Obamas Indulgenz für Kiew“

    © Sputnik / Michail Palintschak
    Militär
    Zum Kurzlink
    116228
    Abonnieren

    Die Ankunft von US-Fallschirmjägern in der Ukraine hat in Kiew und Moskau ganz unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Während die ukrainische Armee mit einer „methodischen Hilfe“ rechnet, um gegen die „Terroristen“ effizienter zu kämpfen, bescheinigt Russland den USA einen schweren Verstoß gegen die friedliche Krisenregelung.

    290 Fallschirmjäger der 173. US-Luftlandebrigade starten am Montag offiziell ihre Mission im westukrainischen Gebiet Lwiw, wie die ukrainische Agentur Unian meldete. Die Mission beinhaltet ein halbjähriges Training für insgesamt 900 Soldaten der ukrainischen Nationalgarde sowie gemeinsame Militärübungen „Fearless Guardian 2015“. Das teilte der ukrainische Innenminister Arsen Awakow mit.

    Der ukrainische Militärsprecher Andrej Lyssenko erläuterte: „Bei den US-Soldatzen handelt es sich um Ausbilder mit riesigen Kampferfahrungen. Sie sollen unseren Soldaten zusätzliche Fertigkeiten beibringen, die bei direkten Kampfhandlungen nötig wären.“ Bei diesen Fertigkeiten gehe es unter anderem darum, als Teil von Militärverbänden zu agieren und Stellungen von militanten Kämpfern aufzudecken. „Das ist eine methodische Hilfe. Sie zielt darauf ab, unseren Soldaten mehr Kampferfahrungen zu vermitteln. Das bedeutet nicht, dass die Amerikaner irgendwelche Waffen für die ukrainischen Soldaten gebracht haben“, so der Militärsprecher.

    Der ukrainische Politik-Experte Dmitri Ponomartschuk kommentierte, die Ankunft der US-Fallschirmjäger sei ein verspätetes, aber nützliches Ereignis für die Ukraine. Diese Ankunft sei mit der „Eröffnung der zweiten Front in Europa während des Zweiten Weltkrieges“ zu vergleichen, sagte er nach Angaben der russischen Zeitung „Wedomosti“. Diejenigen, die gegen die ukrainischen Regierungstruppen kämpfen, bezeichnete Ponomartschuk als „Terroristen“, mit denen man nichts zu besprechen habe.

    Russische Amtsträger und Experten reagierten meistens diametral entgegengesetzt. Alexander Lukaschewitsch, Sprecher des russischen Außenministeriums, sagte: „Soviel ich weiß, gehört auch der Umgang mit westlichen Waffensystemen zu dem Trainingsprogramm. Das könnte als erster Schritt zu einer Lieferung moderner US-Waffen an die Ukraine betrachtet werden. Diese Waffen sind von der Kiewer ‚Partei des Krieges‘ begehrt. Washingtons ermutigende Haltung zu deren revanchistischen Plänen könnte auf ein erneutes Blutvergießen in der Ukraine hinauslaufen.“

    Lukaschewitsch betonte weiter: „Diese US-Aktivitäten widersprechen direkt dem Minsker Abkommen vom 12. Februar, das von der Regierung in Kiew unterzeichnet und von Washington, soviel wir verstehen, begrüßt wurde (…) Kiew verstößt also offensichtlich gegen seine Verpflichtungen. Und die Regierung von Barack Obama, die sich verbal für eine Krisenregelung in der Ukraine einsetzt, trägt in Wirklichkeit zu einem Scheitern des Minsker Abkommens bei.“

    Die Moskauer „Rossijskaja Gaseta“ kommentierte am Montag noch schärfer: „Unter dem Vorwand eines Trainingsprogramms gründet das Pentagon in der Ukraine faktisch einen kleinen Militärstützpunkt. Begreift man in Washington überhaupt, wer da trainiert werden soll? Die am Programm beteiligten ukrainischen Verbände wie ‚Asow‘, ‚Jaguar‘, ‚Omega‘ und ‚Kultschizki-Bataillon‘ haben nach Angaben internationaler Menschenrechtsorganisationen im Donezbecken geplündert, Zivilisten getötet und zivile Einrichtungen unter Beschuss genommen.“

    Die Zeitung schrieb weiter: „Die Entstehung einer Pentagon-Militärbasis in der Westukraine wird in Kiew als Indulgenz von Obamas Regierung für eine Wiederaufnahme der Kampfhandlungen betrachtet, aber auch als Garantie dafür, dass das Weiße Haus seine treuen ukrainischen Vasallen vor einer gerechten Empörung der europäischen Mächte schützen wird, falls die Ukraine auf die Einhaltung des Minsker Abkommens endgültig verzichten sollte.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    US-Senatoren McCain und Graham fordern erneut Waffenlieferungen an Ukraine
    Psaki widerspricht Putin: USA liefern keine Waffen an Ukraine
    CSU-Politiker kritisiert mögliche USA-Waffenlieferung an die Ukraine
    USA: Noch kein Beschluss über Waffenlieferungen an Ukraine
    Tags:
    Minsker Abkommen, Andrej Lyssenko, Barack Obama, USA, Ukraine, Kiew