20:43 05 Dezember 2019
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    Nato-Übungen in Estland

    Russische Armee und Nato üben parallel: „Vom lauwarmen Frieden zum kalten Krieg“

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    Moskau und der Westen intensivieren zeitgleich ihre Militärübungen. Russland plant ein Großmanöver in der Arktis, die Nato schickt Panzer ins Baltikum. Experten sprechen von einem Teufelskreis und von einer Transformation der Weltordnung.

    Der russische Militärexperte Sergej Gorbatschow sagte im Radiosender Kommersant FM: „Zu Beginn des 21. Jahrhunderts werden vor allem potenzielle Schauplätze für Kriegshandlungen ins Visier genommen. Wenn wir Schwäche zeigen, bekommen unsere geopolitischen Konkurrenten Vorteile. Alle Maßnahmen mit dem Ziel, die Verteidigungsfähigkeit des Landes zu erhöhen, hängen mit der objektiven Realität zusammen. Die Nordflotte spielt dabei eine führende Rolle.“

    Nato-Übung in Lettland
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    Ende Mai war ein Großmanöver im russischen Militärbezirk Mitte zu Ende gegangen. Verteidigungsminister Sergej Schoigu erläuterte: „Das Manöver hat viele praktische Übungen der Luftwaffe und der Flugabwehr beinhaltet. Insbesondere wurde dafür trainiert, einen massiven Luftangriff abzuwenden. Gelenkte Flugabwehrraketen wurden abgefeuert, aber auch Raketen- und Bombenangriffe auf Stützpunkte eines angenommenen Gegners geübt.“ 

    In der sogenannten Sommerphase, die von Juni bis November dauert, soll die Kampfausbildung generell um 50 Prozent im Vergleich zur Winterphase intensiviert werden, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Geplant sind Übungen sowohl an Land als auch auf See. Wladimir Koroljow, Chef der Nordflotte, sagte in der laufenden Woche: „Auf dem Programm steht unter anderem ein Großmanöver mit dem Ziel, wichtige russische Wirtschaftsobjekte in der Arktis zu verteidigen. Unsere arktischen Panzergrenadier-Einheiten sollen dabei gemeinsam mit Fallschirmjägern und Spezialkräften üben. (…) Wir werden die Übungen zum Schutz der russischen Seeküste und Inselzone in der Arktis fortsetzen.“

    Unterdessen hat die Nato ihr Großmanöver Sabre Strike im Baltikum gestartet. Wie das litauische Heer mitteilte, nehmen mehr als 6.000 Soldaten aus 13 Ländern daran teil, darunter aus Deutschland und den USA. Panzer des Typs Abrams und andere gepanzerte Kampffahrzeuge wurden nach Litauen gebracht.

    Am Freitag beginnt außerdem das Marinemanöver Baltops in Polen. Mehr als 40 Schiffe kommen dabei voraussichtlich zum Einsatz. Beteiligt sind insgesamt 17 Länder, vor allem Nato-Mitglieder. In den vergangenen Jahren wurde auch Russland zur Teilnahme eingeladen, doch diesmal ist Schluss damit. Im Februar hatte Nato-Chef Jens Stoltenberg angekündigt, die Allianz beginne mit dem deutlichsten Ausbau seiner militärischen Kapazitäten seit dem Kalten Krieg. Geplant sind neue Kommandozentralen in Osteuropa sowie eine neue Eingreiftruppe.

    Alexej Arbatow vom russischen Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen kommentierte nun für Kommersant FM: „Es ist mittlerweile schwer zu klären, wer wem antwortet. Seit Anfang der Ukraine-Krise haben Truppenbewegungen begonnen – sowohl in Russland als auch dann im Westen. Dieser Teufelskreis lässt sich nur durch Vereinbarungen durchbrechen. Jede Seite – sowohl Russland als auch der Westen – behauptet, dass sie mit ihren Übungen erstens zur Truppenausbildung beiträgt und zweitens auf Übungen des Opponenten reagiert. Das sind keine Vorbereitungen auf einen realen Konflikt, sondern nur Muskelspiel und Demonstration der Stärke.“

    Wladimir Bruter, Experte des Institute for Humanities and Political Studies, sagte: „Man beginnt erst damit, diese Spiele zu spielen. Es vollzieht sich eine Transformation der Weltordnung – von einem lauwarmen Frieden zu einem kalten Krieg. Natürlich erfordert dies eine genügende Zahl von Instrumenten. Daraus resultiert eine Eskalation internationaler Spannungen. Das ist zwar kein Vorzeichen für einen eigentlichen Krieg, man demonstriert aber seine Stärke und seine Absichten. Die Phase der ziemlich ruhigen 2000er Jahre geht zu Ende.“

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    Manöver, NATO, Sabre Strike, Sergej Gorbatschow, Alexej Arbatow, Sergej Schoigu, Russland, Ukraine, Baltikum, Polen