18:53 15 Dezember 2018
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    Panzer des Typs T-72

    Russland soll neue Panzerarmee bekommen haben: „Mittel der Abschreckung“

    © Foto: Alexei Kitaev
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    Eine neue Panzerarmee ist Zeitungsberichten zufolge im westlichen Teil Russlands aufgestellt worden. Militärexperten klären darüber auf, wozu das Land diesen Großverband braucht, und verweisen auf Gefahren durch die Nato. Eine offizielle Bestätigung liegt allerdings noch nicht vor.

    Die „Nesawissimaja Gaseta“ zitierte am Mittwoch den russischen Militärexperten Generalleutnant a.D. Juri Netkatschew mit den Worten: „Ich schließe nicht aus, dass im Militärbezirk West eine neue Armee aufgestellt wurde.“ Damit kommentierte er die entsprechenden Medienberichte, die vom russischen Verteidigungsministerium vorerst weder bestätigt noch dementiert wurden. 

    Die Tageszeitung „Wedomosti“ hatte am Dienstag geschrieben, die Verwaltung der neuen 1. Garde-Panzerarmee funktioniere seit November und sei bei Moskau ansässig. Der neue Großverband solle die Traditionen der gleichnamigen sowjetischen Armee aus dem Zweiten Weltkrieg fortsetzen. Das sei die erste Armee im derzeitigen russischen Heer, die das Wort „Panzer“ in ihrem Namen habe. Sie bestehe aus mehreren Militäreinheiten wie beispielsweise die 2. Garde-Panzergrenadierdivision und die 4. Garde-Panzerdivision mit ihren Standorten in der Region Moskau, hieß es unter Berufung auf einen Offizier der neuen Armee.  

    Nun sagte Netkatschew weiter, in der aktuellen russischen Militärdoktrin stehe, dass viele militärische Bedrohungen vom Westen ausgehen. Bis vor kurzem habe es in dieser Richtung nicht genug russische Truppen gegeben. „Die Aufstellung einer Panzer-Armee in Richtung Brjansk soll diese Aufgabe lösen“, so Netkatschew. Brjansk ist ein westrussisches Gebiet an der Grenze zu Weißrussland und zur Ukraine. 

    Der Experte erläuterte: „Zwar zählen Panzer natürlich zu den Angriffswaffen, doch der Westen sollte sie nicht fürchten. Die Armee ist hier als Mittel zur Abschreckung nötig (…) Das Militär-Potenzial der Nato ist dreimal so hoch im Vergleich zu Russland. Wenn es in der Ukraine zu irreversiblen Vorgängen und möglicherweise zu ihrem Zerfall kommt, könnte ein Nato-Truppeneinmarsch in die Ukraine uns kalt erwischen. Damit es nicht dazu kommt und eine neue Nato-Osterweiterung ausbleibt, braucht Russland eine Panzerarmee.“

    Diese Einschätzung steht im krassen Widerspruch zur Haltung der ukrainischen Staatsführung, die mehrmals behauptet hatte, dass gerade Russland heimlich Soldaten und Waffen in die Ost-Ukraine schicke und die Lage dort destabilisiere. Moskau wies diese Vorwürfe immer zurück.

    Nach Ansicht von Netkatschew soll die neue Panzerarmee modernisierte Panzer des Typs T-72 und T-90, aber auch die Neuentwicklung Armata erhalten. Gemeinsam mit Luftlande- und Spezialeinheiten seien Panzertruppen bei Bedarf fähig, aktiv und effizient in westlicher Richtung zum Einsatz zu kommen, hieß es. 

    Ein anderer Experte, Oberst a.D. Viktor Murachowski, kommentierte für „Wedomosti“, die neue Panzerarmee sei kein Angriffstrupp. Trotz ihres Namens verfüge sie nicht nur über Panzer. Die Aufstellung eines solchen Großverbandes wäre laut Murachowski zweckmäßig, um die um Moskau liegenden Heereseinheiten zu kommandieren. Dies gehe darauf zurück, dass das Hauptquartier der 20. Garde-Armee südlicher verlegt wurde, und zwar nach Woronesch. Zuvor hatte sich dieses Hauptquartier im Gebiet Nischni Nowgorod, also näher zu Moskau, befunden.

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    Tags:
    Т-90, T-72-Panzer, NATO, Verteidigungsministerium Russlands, Viktor Murachowski, Juri Netkatschew, Ukraine, Russland