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    Polen besorgt um seine Truppen: „Krieg der Deklarationen um Osteuropa“

    © AFP 2019 / JANEK SKARZYNSKI
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    Polnische Militärexperten fordern, Truppen im Land anders zu stationieren, um einen eventuellen Angriff aus Russland bei Bedarf abzuwehren. Polens designierter Präsident befürwortet Nato-Basen in Osteuropa. Laut russischen Beobachtern könnte all dies die Spannungen zwischen Moskau und der Nato weiter schüren.

    Nach Ansicht des früheren Vize-Generalstabschefs Polens, Leon Komornicki, ist sein Land derzeit nicht in der Lage, sich vor einem eventuellen Angriff aus dem Osten zu verteidigen: Militärisch gesehen hat die polnische Ostgrenze „eine Art Loch“. Zu diesem Schluss gelangt Komornicki in einem Bericht für die Denkfabrik Euro-Atlantic Association (SEA), wie die russische Onlinezeitung gazeta.ru am Mittwoch schreibt.

    In diesem Zusammenhang mahnt Komornicki zu einem dringenden Umstationieren polnischer Militärstandorte. Die Garnisonen an der westlichen Grenze sollen östlicher verlegt werden. Die Militäreinheiten im polnischen Grenzgebiet zur russischen Ostsee-Exklave Kaliningrad sollen sich unterdessen südlicher zurückziehen, um weniger verwundbar zu werden. Komornicki fordert außerdem, die Hauptbasis der polnischen Kriegsmarine in der Danziger Bucht westlicher zu verlegen. Er hält es für einen Fehler, sich in Sachen Sicherheit lediglich auf die Nato zu verlassen.

    Das polnische Verteidigungsministerium musste bereits einer Parlamentskommission Rede und Antwort stehen, die wissen wollte, wie die Armee auf die Gefahr aus dem Osten reagiert. Die Militärführung teile mit, dass die Einheiten im Osten und im Norden des Landes mehr Soldaten und moderne Waffen bekommen sollen.

    Der designierte polnische Präsident Andrzej Duda hatte in seinem Wahlkampf versprochen, auf die Einrichtung eines ständigen Nato-Stützpunktes in Polen hinzuarbeiten. Krzysztof Szczerski, der im künftigen polnischen Präsidialamt für die Außenpolitik zuständig sein soll, sagte, Duda wolle nach seinem Amtsantritt die deutsche Führung durch Verhandlungen dazu bewegen, ihr inoffizielles Veto für neue Nato-Stützpunkte östlicher der deutschen Grenze aufzuheben.

    Die russische Onlinezeitung kommentierte nun: „Äußerungen polnischer Experten und Politiker bestätigen den Wunsch des Landes, seine Verteidigung in Richtung Osten umzuorientieren. In der gegenwärtigen Situation fühlt sich Polen offensichtlich unwohl. Es wird ihm allerdings schwer fallen, kardinale Entscheidungen auf diesem Gebiet zu treffen. Demonstrative Schritte, politische Erklärungen und eine langsame Verstärkung der Garnisonen im Osten des Landes sind dabei offenbar unvermeidlich, erst recht nach dem Amtsantritt des neuen Präsidenten. Andrzej Duda gilt als EU-Skeptiker und ist dementsprechend mehr an den USA orientiert. All dies wird den Krieg der Deklarationen um Osteuropa zusätzlich schüren.“

    Der verbale Schlagabtausch zwischen Russland und der Nato nimmt in den letzten Tagen tatsächlich zu. Die administrative Leiterin der US-Luftwaffe, Deborah Lee James, teilte mit, Washington ziehe in Erwägung, F-22-Kampfjets in Europa zu stationieren. Russlands stellvertretender Verteidigungsminister Anatoli Antonow kommentierte, die Nato treibe Russland in ein Wettrüsten, doch Moskau werde eine passende Antwort finden.

    General Anatoli Jakubow vom russischen Verteidigungsministerium kommentierte unterdessen die Pläne des Pentagons für die Stationierung schwerer Militärtechnik in Osteuropa. Jakubow bescheinigte den USA den „unfreundlichsten Schritt seit dem Kalte Krieg“ und warnte, Russland werde im Gegenzug gezwungen sein, seine Raketen- und Artillerieeinheiten an der Grenze aufzustocken. Nicht auszuschließen sei auch eine Aufstellung von Kurzstreckenraketen des Typs Iskander im Gebiet Kaliningrad.

    Für Aufregung sorgte auch die jüngste Erklärung Wladimir Putins, Russland bekomme im laufenden Jahr 40 neue Interkontinental-Raketen, die in der Lage seien, jeden Raketenschild zu überwinden. Zuvor hatte der britische Außenminister Philip Hammond nicht ausgeschlossen, dass US-Atomraketen in Großbritannien stationiert werden könnten.

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    Tags:
    Soldaten, Armee, Waffen, F-22 Raptor, NATO, Euro-Atlantic Association, Pentagon, Verteidigungsministerium Russlands, Anatoli Jakubow, Leon Komornicki, Krzysztof Szczerski, Andrzej Duda, Deborah Lee James, Anatoli Antonow, USA, Russland, Kaliningrad, Polen