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    Russische Marine-Infanterie bei der Militärübung (Archivfoto)

    Die Propaganda wirkt: Skandinavien wappnet sich gegen „russischen Angriff“

    © Sputnik / Vitaly Ankov
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    Die finnischen und schwedischen Medien sind einmal wieder in großer Aufregung. Die US-Denkfabrik Center for European Policy Analysis (CEPA) hat einen schockierenden Bericht veröffentlicht.

    Nach Angaben von CEPA-Vizechef Edward Lucas waren rund 30.000 russische Soldaten im März an Manövern beteiligt, bei denen die Eroberung der finnischen Aland-Inseln, der schwedischen Gotland-Insel, der dänischen Insel Bornholm sowie der Nordküste Norwegens geübt wurde.

    Dieses Thema ist nicht neu. Im vergangenen Jahr wurde in Skandinavien und im Baltikum intensiv nach russischen U-Booten, Flugzeugen und Militäreinheiten gesucht. Womit die schwedische Jagd nach einem U-Boot endete, ist allen bekannt. Anfang Juni legte die Onlineversion der schwedischen Boulevardzeitung „Expressen“ einen weiteren „Beweis“ vor – Russland reagierte auf das Seemanöver „Baltops” der Nato in der Ostsee eilig mit eigenen Militärübungen, „nur 40 Kilometer von der finnischen Grenze“ entfernt. Im Artikel gab es sogar einen Link zu einem Video des TV-Senders „Swesda“, in dem der angebliche Verlauf des Manövers zu sehen war. Am meisten überrascht war wohl der Autor des von den schwedischen Journalisten als Bedrohung bezeichneten Dokumentarfilms, Alexej Jegorow. Der Film wurde lange vor Beginn des Nato-Manövers in Skandinavien gedreht und berichtet von den Möglichkeiten des neuen Grenzschutzboots „Raptor“.

    Die Panik erfasste auch die finnischen Medien. Das finnische Internetportal „Italehti“ stellte einen großen Artikel online, in dem ebenfalls auf das Video hingewiesen wird, das die schwedische „Expressen“ einige Wochen zuvor schockiert hatte.

    Finnische Soldaten
    © Flickr / US Army Europe Images
    Auch andere Zeitungen schlossen sich dem Medienhype an. „Das ist nicht okay“, sagte der schwedische Regierungschef Stefan Löfven in Bezug auf das russische Manöver, bei dem die Eroberung von Gotland angeblich geübt worden sei. Das ist auch klar. Am Sonntag beginnen auf Gotland die jährlichen politischen Debatten (Almedalsveckan), bei denen auch ein Fazit zum ersten Amtsjahr der  rot-grün-rosa Regierung gezogen wird. Die schwedischen Behörden wollen von den eigenen Problemen im Land ablenken, indem Angst vor äußeren Feinden geschürt wird. Der so genannte Feind, sprich Russland, hat selbst keine Ahnung davon, dass er Skandinavien erobern will.

    Laut dem CEPA-Bericht geht es nicht nur um Skandinavien. Auch Polen und den  baltischen Ländern drohe Gefahr. Doch dafür müsse Russland „15.000 bis 20.000 Soldaten aus der Ukraine abziehen“.

    Die Annahme, dass 15.000 bis 20.000 Soldaten halb Europa erobern könnten, ist natürlich schmeichelhaft für Russland. Allerdings stellt sich folgende Frage – wozu?

    Laut einer Studie des schwedischen Instituts „Gesellschaft, Meinung, Medien“ haben vier von fünf Schweden Angst vor Russland. Gleichzeitig demonstrieren die nordischen Länder mit Unterstützung der Nato ihre Stärke. Allein im Mai und Juni hielt Skandinavien mehrere großangelegte Manöver ab. Dabei sind Schweden und Finnland keine Nato-Mitgliedsstaaten. Doch die Vorstellung von fiktiven Gefahren bewegt die beiden Länder in Richtung Nato-Beitritt. Ob dieser Schritt vorteilhaft für Schweden und Finnland ist, ist mehr als fraglich.

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    Tags:
    U-Boot, Aggression, F-22, Raptor, Seemanöver, Manöver, Baltops, Italehti, NATO, Center for European Policy Analysis (CEPA), Alexej Jegorow, Stefan Löfven, Edward Lucas, Baltikum, Bornholm, Skandinavien, Aland, Gotland, Russland, Dänemark, Schweden, Polen, Finnland