21:06 20 August 2018
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    Ein nuklearer Sprengkopf

    Chinesische Atomwaffen auf Kuba: Durchaus realistisch

    © Sputnik / Mihail Mokrushin
    Militär
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    Die kuriosen Berichte im chinesischen Internet, in denen über die Stationierung von Kernwaffen auf Kuba spekuliert wurde, sorgten in Taiwan und den USA für Aufsehen. Dass China einen solchen Schritt wagt, ist derzeit jedoch utopisch.

    Dem Experten vom Zentrum für Analyse von Strategien und Technologien Wassili Kaschin zufolge könnte sich die Situation in Zukunft jedoch ändern.

    In zehn bis 15 Jahren könnte es zu einer neuen Kuba-Krise kommen, sollten sich das politische Klima ändern und die Kontroversen zwischen China und den USA verschärfen, so dass die nukleare Abschreckung wie einst im Kalten Krieg ein zentrales Thema der Weltpolitik wird.

    Das ständig wachsende China expandiert aktiv in Handel und Wirtschaft. In Lateinamerika gibt es Regierungen, die engere Beziehungen zu China und Russland knüpfen und den USA die Stirn bieten wollen. Die USA wollen Waffen und Truppen in Chinas Nachbarländern stationieren.

    Laut US-Experten sollen diese Kräfte China auf hoher See eindämmen. Zudem wird die Stationierung von US-Bodenstreitkräften sowie von Luftabwehrraketen und Boden-Boden-Raketen auf den Inseln „der ersten Kette“ erwogen.

    Was geschieht, wenn sich China für eine symmetrische Antwort entscheiden sollte? Das wäre derzeit sinnlos, denn Chinas Atomarsenal ist viel zu klein und beläuft sich laut verschiedenen Einschätzungen auf 250 einsatzbereite Sprengköpfe. In Friedenszeiten wollte China seine wenigen Kernwaffen in unterirdischen Bunkern lagern — das bietet zumindest die Chance, einen Erstschlag zu überleben.

    Die Zahl der entfalteten Kernsprengköpfe des chinesischen Militärs wächst. China soll bereits über erste Interkontinentalraketen mit Mehrfachsprengköpfen verfügen und neue Atom-U-Boote in Dienst gestellt haben. Außerdem werden fortlaufend neue Typen von ballistischen Raketen entwickelt.

    Ein chinesischer Militärstützpunkt in der Nähe der USA könnte Realität werden, weil China bereits ballistische Mittelstreckenraketen DF-21 und DF-26 mit einer Reichweite von mehr als 1700 km bzw. über 3000 km verfügt. Außerdem werden die Rakete DF-16 mit einer Reichweite von mehr als 1000 km und bodengestützte Flügelraketen entwickelt.

    China hat keine Verpflichtungen zur Einschränkung der Produktion und Entfaltung dieser Waffensysteme. Die Produktion verläuft in geregelten Bahnen und problemlos. Sollten die USA aus dem INF-Vertrag austreten und beginnen, solche Raketen zu entwickeln, könnten Jahre vergehen, bis sie fertiggebaut und getestet werden. Sogar dann werden sie um vieles teurer als ihre chinesischen Analoga sein.

    Jetzt stellt sich die Frage, ob die USA zukünftig auf Aktivitäten antworten können, wie während der Kuba-Krise im Jahr 1962. Bei der Kuba-Krise handelte es sich jedoch nicht um einen strategischen Sieg der USA (obwohl der Sieg als persönlicher Erfolg von Präsident Kennedy gelten konnte).

    Die strategische Lage der Sowjetunion und des kommunistischen Lagers nach der Kuba-Krise war trotz anders lautender Gerüchte besser, als zum Beginn der sowjetischen Operation „Anadyr“ zur Entfaltung der Raketen auf Kuba. Bei einem geheim gehaltenen Deal zogen die USA mehr als 100 ballistische Raketen des Typs Jupiter aus der Türkei und aus Italien im Tausch gegen den Abzug der sowjetischen Raketen von Kuba ab.

    Diese Raketen stellten eine reale Bedrohung für Moskau dar. Nach der Krise blieb eine Brigade der sowjetischen Landstreitkräfte auf Kuba. Eine mögliche US-Invasion auf Kuba stand anschließend nie mehr zur Debatte. So zog sich Moskau aus Kuba im Tausch gegen Zugeständnisse der USA zurück. Einige US-Militärs wie General Curtis Le May bewerteten den Deal als „Niederlage“. Kann sich die Geschichte in der Zukunft wiederholen, jetzt aber mit der Beteiligung der USA und Chinas? Unter bestimmten Umständen könnte es dazu sehr wohl kommen.

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    Tags:
    Atomwaffen, DF-26, Rakete DF-21, INF-Vertrag, Curtis Le May, Wassili Kaschin, USA, China, Kuba, Italien
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