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22:47 17 August 2019
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    US-Raketenschild soll auch nach Atomdeal bestehen – Experten: Ziel ist Russland

    © Foto : US Army / Gertrud Zach
    Militär
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    Die Stationierung eines Raketenschilds in Europa ist laut dem US-Außenamt trotz des Atom-Deals mit dem Iran weiterhin aktuell. Nach Ansicht russischer Experten ist der Raketenschild bloß eine Komponente von vielen, mit denen systematisch Druck auf Russlnd ausgeübt werden soll.

    Dies äußerte der Moskauer Militärexperte Konstantin Siwkow vor Journalisten bei einem Treffen in der Rossiya Segodnya. „Einen Zusammenhang zwischen der Entwicklung einer Europäischen Raketenabwehr und dem Iran-Problem hat es nie gegeben“, äußerte er. „Schließlich können iranische Raketen Westeuropa gar nicht erreichen. Dieses Programm entstand ausschließlich gegen Russland. Laut dem soll das System Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von circa 2500 Kilometern abfangen. In dieser Entfernung befindet sich nur Russland. Hätten sie sich gegen den Iran schützen wollen, müssten sie die Raketenabwehr in der Türkei, in Israel, im östlichen Mittelmeerraum oder in den Golfstaaten stationieren lassen.“

    Der Direktor des Zentrums für Strategische Forschung und Prognosen, Sergej Grinjaew, fügte hinzu, die amerikanische Raketenabwehr müsse nicht nur von ihrem unmittelbaren Zweck her betrachtet werden: „Ein moderner Krieg wird nicht nur auf dem Schlachtfeld geführt. Er findet auch in den Bereichen Wirtschaft und Information statt. Die Grundlage der Raketenabwehr bildet heute eine leistungsstarke elektronische Aufklärung. Ohne ein solches Aufklärungssystem kann die Raketenabwehr nicht funktionieren. Nicht von ungefähr ist Europa in einen weitreichenden Abhörskandal verwickelt. Es ist nicht die NSA-Technik allein, die das Abhören ermöglicht. Eine ähnliche Funktion kann auch die Raketenabwehr erfüllen.“

    „Jede neueste amerikanische Militärdoktrin verkündet, traditionelle Waffengattungen – also auch regionale Raketenabwehrsysteme – müssten wieder gestärkt werden, um reale Konflikte mit einem starken Gegner austragen zu können“, meinte der Experte für internationale Sicherheit und Dozent an der Moskauer Staatlichen Universität, Alexej Fenenko. „Deshalb passt die Militarisierung Europas in einen langfristigen Plan der US-Amerikaner. Nach Überzeugung der USA wächst die Gefahr einer militärischen Konfrontation mit Russland und China – und zwar keine direkte, sondern auf dem Territorium eines Drittlandes. Dabei geht es um eine sorgfältig geplante Einmischung der USA in einen militärischen Konflikt auf eine eventuelle Bitte dieses Landes. In Georgien und der Ukraine wurden derartige Szenarien schon erprobt, und sie werden auch in Zukunft stattfinden. Ihre wichtigste Aufgabe sehen die USA momentan darin, Russland zu einem Rüstungswettlauf zu provozieren.“

    Um Washington entgegen zu wirken, muss Russland nach Expertenmeinung das nukleare Potential des Landes weiter aufbauen, sich aber nicht  in einen Rüstungswettlauf hineinziehen lassen. Schließlich hatten ähnliche Entwicklungen auch den Zerfall der Sowjetunion mitverursacht.

    „Im Augenblick ist Russland seiner Wirtschaftskraft nach unvergleichlich schwächer als die USA“, setzte der Militärexperte Konstantin Siwkow fort. „Russlands Reaktion kann daher nur asymmetrisch erfolgen. Es führt kein Weg daran vorbei, den Bestand an Raketen vom Typ,Iskander-M‘ weiter aufzustecken und diese Raketen mit atomaren Sprengköpfen auszurüsten. Auf diese Weise kann den konventionellen Bedrohungen von Seiten der USA und der NATO begegnet werden. Denn bei deren Stärke sind sie den russischen Truppen bei weitem überlegen. Mit einem solchen Bestand an taktischen Atomwaffen können aber eventuelle Bedrohungen abgeschreckt werden. Zusätzlich müssen weitere Raketensysteme stationiert werden, die es ermöglichen würden, massive geophysische Zerstörungsprozesse auf dem US-Territorium in Gang zu setzen. In dieser Hinsicht sind die USA sehr verwundbar.“

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    Tags:
    Bedrohung, Konfrontation, Atomwaffen, Waffen, NATO, NSA, Alexej Fenenko, Sergej Grinjaew, Konstantin Siwkow, Ukraine, China, Israel, Türkei, Iran, Russland, USA