SNA Radio
    Wladimir Putin

    Neue Marinedoktrin: Russland findet Antwort an die Nato

    © Sputnik / Mikhail Klimentiev
    Militär
    Zum Kurzlink
    11576

    Nachdem Russland seine Marinedoktrin korrigiert hat, beschäftigen sich Experten mit den Hintergründen. Sie weisen auf die zunehmende Nato-Präsenz vor der russischen Grenze hin. Nach Angaben des Kreml werden insbesondere die Arktis und der Atlantik mit der neuen Doktrin stärker ins Visier genommen – sowohl im Militär- als auch im Zivilbereich.

    Der russische Militär- und Politik-Experte Sergej Gorbatschow sagte am Montag im Radiosender Kommersant FM: „Die Seestrategie ist eine Grundlage für künftige Entscheidungen. Im 21. Jahrhundert haben sich ernstzunehmende Veränderungen im geopolitischen Raum vor der russischen Grenze vollzogen – insbesondere im Süden (…) Mehrere Küstenstaaten des Schwarzen Meeres sind inzwischen Nato-Mitglieder. Deshalb müssen wir in Bezug darauf klarkommen, was wir haben und was wir wollen. Das Schwarze Meer ist ja ein Korridor in den Atlantik. Der Präsident geht entsprechend jenen Bedrohungen und Herausforderungen vor, mit denen wir derzeit konfrontiert werden.“

    Präsident Wladimir Putin hatte am Sonntag mitgeteilt, die neue Fassung der Seedoktrin sei bereits besiegelt worden. Putin betonte: „Dieses äußerst komplexe Dokument zielt vor allem darauf ab, eine umfassende, konsequente und effiziente Seepolitik der Russischen Föderation zu gewährleisten, um die staatlichen Interessen zu verteidigen.“

    Vizepremier Dmitri Rogosin skizzierte bei der Beratung mit Putin die Schwerpunkte der erneuerten Doktrin. Wie es hieß, werden insbesondere die Arktis und der Atlantik stärker ins Visier genommen.

    „In Sachen Atlantik geht es darum, dass sich das Nordatlantische Bündnis in letzter Zeit ziemlich aktiv weiter entwickelt und sich unseren Grenzen nähert. Russland findet zweifelsohne seine Antwort darauf. Das zweite Moment hängt damit zusammen, dass sich die Krim und Sewastopol mit Russland wiedervereinigt haben. Um sie wirtschaftlich möglichst schnell zu integrieren, müssen Maßnahmen getroffen werden. Darüber hinaus geht es natürlich um eine Wiederherstellung der russischen Marinepräsenz im Mittelmeer“, argumentierte Rogosin.

    Er sagte weiter: „Was die Arktis betrifft, gibt es mehrere Gründe. Die Bedeutung des Nördlichen Seewegs nimmt zu. Wir haben mit dem Bau einer neuen atomgetriebenen Eisbrecher-Flotte begonnen. Drei neue Atomeisbrecher sollen jeweils 2017, 2019 und 2020 zum Einsatz kommen. Außerdem bedeutet die Arktis für uns einen freien und unbegrenzten Zugang zum Atlantik und zum Pazifik. Auch die Reichtümer des Kontinentalschelfs erfordern natürlich Aufmerksamkeit in Bezug auf ihre Erschließung.“

    Der russische Militärexperte Andrej Frolow erwartet allerdings keine drastischen Konsequenzen. Er kommentierte am Montag für Kommersant FM: „Solche Erneuerungen sind meistens deklarativ und richten sich eher ans Ausland. In technischer Hinsicht werden sie nicht viel beeinflussen. Denn seit einem Jahr haben wir keine drastischen Änderungen im aktuellen Schiffsbauprogramm gesehen: Die ohnehin bestehenden Schiffsbaupläne werden weiter umgesetzt. Hypothetisch wird die Nato ihre grundlegenden Dokumente kaum erneuern. Die Seedoktrin ist ja nicht vorrangig – im Gegensatz etwa zur Marinedoktrin.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Russland plant neue Landungsschiffe: „Reichweite praktisch unbegrenzt“
    Neue Marinedoktrin: Russland verstärkt Präsenz auf den Weltmeeren
    Erstmals in diesem Jahr kein einziges Nato-Schiff im Schwarzen Meer
    Nato-Schiffe kehren ins Schwarze Meer zurück
    Tags:
    Marine, Seedoktrin, NATO, Andrej Frolow, Dmitri Rogosin, Wladimir Putin, Sergej Gorbatschow, Arktis, Russland