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11:55 20 August 2019
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    Kampfjet MiG-35

    Russische MiG-35 soll neue Chance in Indien bekommen

    © AFP 2019 / Dmitry Kostyukov
    Militär
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    Indien plant einen wiederholten Wettbewerb, um Jagdflugzeuge massiv zu kaufen. Das bedeutet offenbar eine neue Chance für die russische MiG-35, die den ersten Wettbewerb verloren hatte. Der damalige Gewinner Rafale konnte nicht im geplanten Umfang verkauft werden – ein Stein des Anstoßes war die Know-how-Übergabe.

    Indien will 90 neue mittelschwere Jagdflugzeuge kaufen und plant demnächst nach Angaben der indischen Agentur IANS eine entsprechende Ausschreibung. Das ist bereits der zweite Versuch. Den ersten Wettbewerb hatte der französische Kampfjet Rafale gewonnen, der Deal war später jedoch geplatzt. Nun bekommt der damalige Verlierer MiG-35 eine neue Chance. 

    Der russische Luftfahrexperte Ruslan Gussarow sagte der Onlinezeitung gazeta.ru: „In ihrer Verteidigungspolitik sind die Inder nicht bereit, alle Eier in einen Korb zu legen. Sie ziehen vor, Lieferanten aus verschiedenen Ländern zu wählen. Mit Russland kooperieren sie bei der Produktion schwerer Su-30-Jäger. Bei der Suche nach einem leichteren Jagdflugzeug entschieden sie sich deshalb für die Rafale. Die MiG-35 könnte aber beim neuen Wettbewerb Vorteile bekommen. Indien will das entsprechende Know-how erhalten – und Russland ist bereit, es breiter zu teilen.“

    Neben der Rafale und der MiG-35 hatten auch der europäische Eurofighter Typhoon, die schwedische Gripen und die US-amerikanische F-16 am ersten Wettbewerb teilgenommen. Im Jahr 2012 wurde das französische Projekt zum Gewinner erklärt. Geplant war der Ankauf von 126 Maschinen. Dann geriet die Sache jedoch ins Stocken. 

    MiG-Kampfjets - schneller als der Schall
    © Sputnik / Egor Eremov
    Indien zeigte sich unzufrieden mit den steigenden französischen Wartungskoten sowie mit der Verteuerung des eigentlichen Flugzeugs. Außerdem wurde eben die Know-how-Übergabe zu einem Stein des Anstoßes. Schließlich wurde der ursprüngliche Vertrag im Jahr 2015 gekündigt. Indien zeigte sich nur bereit, 36 Rafale-Kampfjets bei den Franzosen direkt zu kaufen.

    Nach Informationen der Agentur IANS sollen alle damaligen Bewerber auch zur neuen Ausschreibung eingeladen werden, darunter auch der russische Hersteller MiG. Dabei bestehen die Organisatoren des Wettbewerbs darauf, dass die Flugzeuge in Indien gebaut werden sollen. Das ist also Teil des ehrgeizigen Programms Make in India, das vom Ministerpräsidenten Narendra Modi initiiert wurde. Demnach sollen neue Technologien nach Indien angezogen und moderne Produktionsstandorte im Land eingerichtet werden.

    Vorerst stößt das Programm allerdings auf  Schwierigkeiten. Wie der indische Botschafter in Russland, P.S. Raghavan, neulich mitteilte, könnte die geplante Produktion russischer Ka-226-Hubschrauber in Indien der einzige militärische Schwerpunkt des Programms bleiben. Nun soll also eine Kampfjet-Produktion dazu kommen.

    Die russische Flugzeugbau-Holding UAC wollte zu ihrer möglichen Teilnahme am geplanten indischen Wettbewerb vorerst keine Stellung nehmen. Maksim Schepowalenko, Experte der russischen Denkfabrik CAST, hat seine Zweifel am Erfolg der MiG. Er erläuterte für gazeta.ru: „Der neue Wettbewerb ist faktisch eine Fortsetzung des alten. Die Lieferung von 126 Rafale-Maschinen ist damals wegen der Differenzen in Sachen Know-how-Übergabe gescheitert. Die Franzosen zeigten sich grundsätzlich zu dieser Übergabe bereit, wollten aber nicht die Verantwortung für die in Indien zusammengeschraubten Maschinen übernehmen, weil sie zu deren Qualität zu Recht kein Vertrauen hatten. Nun ist es nicht auszuschließen, dass der neue Wettbewerb dem Rafale-Hersteller höflich ermöglichen soll, die Bedingungen der Inder endlich zu akzeptieren.“

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    Tags:
    Waffen, Ka-226, F-16, Su-30, Rafale Dassault, MiG-35, Denkfabrik CAST, UAC, Ruslan Gussarow, Indien, Russland