13:45 06 Dezember 2019
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    Nato-Länder bei den Militärübungen Noble Jump

    Nato und Russland: Experten warnen vor Kriegsspielen

    © AP Photo / Alik Keplicz
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    Laut einem Bericht der britischen Denkfabrik European Leadership Network (ELN) bereiten sich die Nato und Russland auf eine Konfrontation vor.

    Die ELN-Sicherheitsexperten Ian Kearns, Lukasz Kulesa, Thomas Frear analysierten die Übungen und Manöver Russlands mit insgesamt 80.000 und der Nato mit 15.000 Soldaten im März bzw. Juni. Sie erstellten interaktive Karten, die Kriegsszenarien und Manöver illustrieren. Der Titel des Berichts lautet: „Wir bereiten uns aufs Schlimmste vor: Erhöhen die Militärmanöver Russlands und der Nato die Wahrscheinlichkeit eines Krieges in Europa?“.

    Vom 16. bis 21. März wurden die russischen Streitkräfte außerplanmäßig auf ihre Einsatzbereitschaft geprüft — der Schwerpunkt lag auf die Aktivitäten in der Arktis. Bei den Übungen wurden die Kräfte der Nordflotte, des Militärbezirks West und der Luftlandetruppen eingesetzt — etwa 80.000 Soldaten, 1000 Einheiten Bodenmilitärtechnik, Dutzende Schiffe, U-Boote, Kampfjets und Hubschrauber.

    Vom 8. bis 19. Juni hielt die Nato in Polen, Litauen, Lettland und Estland das Manöver “Saber Strike-15” ab. Dabei ging es um die Gefechtsführung bei internationalen Einsätzen. Die “Saber Strike”-Manöver sind ein Teil einer Nato-Übung “Allied Shield” in Osteuropa: BALTOPS, Noble Jump und Trident Joust.

    „Beide Seiten trainieren mit Blick auf die Fähigkeiten des Gegners und vermutlich sogar mit Kriegsszenarien im Hinterkopf. Die offiziellen Vertreter (Russlands und der Nato) können gern behaupten, dass die Übungen bloß auf einen hypothetischen Gegner gerichtet sind, aber die Art und der Ausmaß der Manöver zeugen jedoch vom Gegenteil“, behaupten die Autoren des Berichts.

    Demnach legen sowohl Russland als auch die Nato bei den Manövern ihren Schwerpunkt auf die Schwachstellen in Osteuropa: Die Nato konzentriert sich auf das Baltikum und Polen, Russland auf die Arktis, den Norden, Kaliningrad, die Krim und seine Grenzen zu den Nato-Staaten Estland und Lettland.

    Die Versuche der beiden Seiten, bei ihren Übungen plötzlich als „Zaungast” aufzutauchen, äußern sich in den vielen „Abfangmanövern" und der Annäherung von Flugzeugen und Schiffen.

    „Die Übungen der beiden Seiten haben ähnliche Merkmale — schnelle Mobilisierung und Verlagerung der Kräfte in weit entfernte Gebiete bei Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft, während die Landstreitkräfte durch die Luft- und Seestreitkräfte bei gemeinsamen Übungen zur Luft- und Seeüberlegenheit unterstützt werden“, betonen die Sicherheitsexperten.

    Gleichzeitig gebe es zwischen den Übungen auch große Unterschiede, meinen die Verfasser des Berichts.

    „Es gibt einen bemerkenswerten Unterschied bei den Übungen Russlands und der Nato und insgesamt zwischen ihren Programmen. „Obwohl bei den russischen Übungen, die wir analysiert haben, es größtenteils um Elitetruppen wie Luftlandetruppen geht, könnten die russischen Streitkräfte Tausende Soldaten einberufen, womit die Übungen eine Größenordnung erreichen, bei der die professionellen Nato-Kräfte nicht mehr mithalten könnten“, betonen die Experten des European Leadership Network.

    In dem Bericht werden zudem Empfehlungen an die Nato und Russland gerichtet.

    „In erster Linie ist es sehr wichtig, die Kommunikation zwischen Russland und der Nato bei der Planung der Übungen zu intensivieren. Zweitens sollten beide Seiten möglichst häufig Kanäle über die OSZE und den Maßnahmenkatalog zur Festigung des Vertrauens und Sicherheit nutzen, darunter das Wiener Dokument, das auf die Gewährleistung der Voraussagbarkeit im militärischen Bereich gerichtet ist“, betonen die Sicherheitsexperten.

    Ihrer Meinung nach sollten die Politiker beider Seiten die Vor- und Nachteile der wachsenden Zahl der Übungen an den Grenzen abwägen.
    „Wenn Russland oder die Nato irgendwann die Spannungen abbauen und Zurückhaltung üben wollen, was das Ausmaß und das Szenario der Übungen betrifft, könnte das ein guter Anfang sein. Schließlich ist es notwendig, möglichst schnell konzeptuell an einem neuen Vertrag zu arbeiten, in dem die territorialen Beschränkungen auf die Stationierung von bestimmten Waffen festgelegt sind, die durch strikte Prüfungen bestätigt werden würde“, heißt es in dem Bericht.

    Die Experten sind der Ansicht, dass die Übungen Russlands und der Nato nicht darauf hindeuten, dass demnächst ein Krieg zu erwarten ist. Dennoch hätten sie negative Auswirkungen auf Europa.

    „Wir behaupten nicht, dass die Führung einer Seite entschieden hätte, in den Krieg zu ziehen, oder dass ein militärischer Konflikt unausweichlich wäre. Doch es ist eine Tatsache, dass sich der Charakter der Übungen verändert hat. Dieser Charakter spielt eine Rolle bei der Aufrechterhaltung der Atmosphäre der Angst und Anspannung in Europa“, betont ELN-Direktor Ian Kearns.

    Die Nato ist ein militärpolitisches Bündnis der europäischen Länder, der USA und Kanadas. 1997 wurden die Russland-NATO-Grundakte unterzeichnet, in der sich Russland und die Nato nicht zu Gegnern erklärt haben. Im Mai dieses Jahres gab die Nato jedoch bekannt, in Osteuropa aufrüsten zu wollen.

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    Tags:
    Trident Joust, Noble Jump, Baltops-2015, Zentrum European Leadership Network (ELN), NATO, Lukasz Kulesa, Thomas Frear, Ian Kearns, Kanada, USA, Lettland, Estland, Krim, Arktis, Russland