03:44 02 Juni 2020
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    Korea-Konflikt flammt wieder auf (142)
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    Nordkoreas Reaktion auf das amerikanisch-südkoreanische Großmanöver hat international für Aufsehen gesorgt. Pjöngjang droht mit neuen Waffen, die die Welt angeblich noch nie gesehen hat. Ein russischer Experte erklärt, was hinter diesen Drohungen stecken könnte und warum sich Pjöngjangs Motive seit einigen Jahren geändert haben.

    Die soeben gestarteten Militärübungen Ulchi Freedom Guardian sind bereits das dritte gemeinsame Manöver Südkoreas und der USA im laufenden Jahr. Insgesamt 80.000 Soldaten aus den beiden Ländern nehmen daran teil. Mit dabei sind auch Soldaten aus Frankreich, Dänemark, Großbritannien, Kanada, Australien, Neuseeland und Kolumbien.

    Nach Angaben der US-Militärführung geht es um ein Routinemanöver, das zur Stabilität auf der Koreanischen Halbinsel beitragen soll. Die Regierung in Pjöngjang will daran nicht glauben. Nordkoreas nationale Verteidigungskommission drohte mit militärischen Gegenmaßnahmen, falls die USA auf die Übungen nicht verzichten.

    Aufsehen erregte vor allem Nordkoreas Erklärung, wonach das Land über „moderne und fortschrittliche Offensiv- und Verteidigungswaffen“ verfüge, die der Rest der Welt noch nicht kenne.

    Der russische Korea-Experte Sergej Wolkow kommentierte im Radiosender Kommersant FM: „Bei aller Exotik des nordkoreanischen Regimes und seines Herrschers liegt der Gedanke, dass dort eine unbekannte Waffe erfunden werden könnte, außerhalb des gesunden Menschenverstandes.“

    „Was einen eventuellen Angriff gegen die USA betrifft, besteht diese Möglichkeit zwar theoretisch, denn Nordkorea besitzt mittlerweile ballistische Raketen, die eben theoretisch in der Lage wären, manche Orte an der US-Ostküste zu erreichen. Es ist jedoch fraglich, ob diese Raketen einsatzbereit sind. Falls sie doch startfähig sind, steht es nicht fest, ob sie die ganze Strecke zurücklegen können“, so Wolkow.

    Was will Pjöngjang mit seinen ominösen Erklärungen überhaupt erreichen? Laut Wolkow haben sich die Motive der nordkoreanischen Führung seit einigen Jahren geändert: „Zuvor hatten solche Erklärungen gewöhnlich darauf abgezielt, Lebensmittel- oder andere Wirtschaftshilfen auszuhandeln. Jahrelang hatte Pjöngjang davon gelebt und war auf diese Weise trotz der Wirtschaftsmisere über die Runden gekommen (…) Doch nun ist dieses Motiv weg, denn in Nordkorea haben wirtschaftliche Reformen begonnen. Durch diese Reformen gelang es, die Gefahr der einstigen Hungernot zu beseitigen.“

    Der Experte erläuterte weiter: „Mit ihren Erklärungen nimmt die nordkoreanische Führung nun vor allem die eigene Bevölkerung ins Visier (…) Jene noch nie gesehene Waffe ist ein üblicher Trick, um die Bevölkerung von der militärischen Stärke des Landes zu überzeugen. Das Ziel besteht darin, die Autorität der Staatsmacht in den Augen der Bevölkerung zu erhöhen.“

    „In Nordkorea wird alles vorsichtig getan und immer mit Rücksicht auf mögliche Auswirkungen für das politische Regime. Dieses braucht deshalb ab und zu solche Erklärungen, um den Zustand eines drohenden Krieges aufrechtzuerhalten“, sagte Wolkow.

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    Waffen, Übungen, Sergej Wolkow, Südkorea, USA, Nordkorea