17:55 23 August 2017
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    Neue Radare gegen Raketenangriff: „Das gab es nicht einmal in Sowjetunion“

    Neue Radare gegen Raketenangriff: „Das gab es nicht einmal in Sowjetunion“

    © Sputnik/ Alexei Filippov
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    Das russische Frühwarnsystem gegen Raketenangriffe wird schnell modernisiert. Sein Generalkonstrukteur Sergej Bojew berichtet über neue Radaranlagen, über Optionen gegen Flügelraketen und Hyperschall-Waffen, aber auch über die Auswirkungen der westlichen Sanktionen für die russische High-Tech-Branche.

    In einem Interview mit der Tageszeitung „Kommersant“ sagte Bojew zur Modernisierung des bodengestützten Segments der Frühwarnung: „Noch nie haben wir so viele komplizierte intelligente Informationssysteme so schnell und zeitgleich in Betrieb genommen (…) Im Jahr 2016 soll die Anlage in Barnaul getestet werden. Sie wird das Beste von den bisherigen Anlagen akkumulieren. Derzeit entstehen die Radaranlagen in Jenissejsk und Orsk, die Bauarbeiten laufen auf Hochtouren. Die Anlage in Armawir wurde modernisiert, um ihre Leistung zu erhöhen, und in Betrieb genommen. Ähnliche Arbeiten sind auch an weiteren Anlagen geplant.“

    Bojew betonte: „Wir stehen vor einer beispiellosen Aufgabe. In knapper Zeit müssen wir an den Grenzen des Landes ein lückenloses Radarfeld herstellen. Das hat es nicht einmal in der Sowjetunion gegeben.“

    Diese Arbeit soll laut Bojew noch vor 2020 zu Ende gebracht werden.

    Im Moment ist das russische Frühwarnsystem komplett bodengestützt und verfügt über keine entsprechenden Satelliten. Der erste davon soll nach Angaben von Bojew bald fertig sein: „Sein Start soll sofort eine Reihe der bestehenden Probleme beseitigen (…) Zwar decken die bodengestützten Anlagen alle raketengefährlichen Richtungen sicher ab und sind ihrer Aufgabe gewachsen. Doch ohne Satelliten werden sie zusätzlich strapaziert. Deswegen geht die Leistung der Frühwarnung zurück – wenn auch nicht wesentlich.“

    Es handelt sich dabei, wie es hieß, insbesondere um Fälle von blindem Alarm: „Diese sind keineswegs häufig: Praktisch werden sie dank der technischen Möglichkeiten der Frühwarnung auf Null reduziert. Das bodengestützte Segment des Systems ist allerdings technisch äußerst kompliziert, Störungen sind nicht auszuschließen. Da hängt vieles von der Interaktion verschiedener Anlagen ab. Falls ein Fehlsignal an einer Anlage entsteht, muss es in der Kommandozentrale schnell analysiert und überprüft werden.“

    Mit der Inbetriebnahme der satellitengestützten Komponente soll die Effizienz deutlich steigen, so Bojew: „Bei den Dingen, mit denen wir uns beschäftigen, können sogar Minuten sehr wert sein. Sie beeinflussen ja sehr wichtige Entscheidungen.“

    Bojew sagte weiter, es werde derzeit an Optionen gearbeitet, um auch anfliegende Flügelraketen bei Bedarf zu orten. Eine entsprechende Radarstation werde im Westen des Landes bereits justiert. Im Laufe des Testprogramms habe sie ihre Fähigkeit bestätigt, Flügelraketen zu entdecken. Es stehe aber noch viel Arbeit bevor. Darüber hinaus rücke das Thema Hyperschall-Waffen stärker ins Visier. Es gebe noch kein deutliches „Rezept“, um dagegen zu kämpfen, doch russische Stationen der Woronesch-Klasse seien fähig, Hyperschall-Ziele zu orten.  

    Bojew ist auch Geschäftsführer des russischen Instituts für Funktechnik, das Radarablagen entwickelt. Im Hinblick auf die westlichen Wirtschaftssanktionen wurde er gefragt, ob und inwieweit das Institut auf importierte elektronische Komponenten angewiesen ist. Bojew antwortete:

    „Es wird nicht gelingen, den Import durch russische Komponenten sofort zu ersetzen. Wir sind nicht in der Lage, alles völlig selbständig zu schaffen, da sollte man keine Illusionen haben. Wir sind dazu verurteilt, optimale Wege zu suchen, um elektronische Komponenten im Ausland zu kaufen (…) Zwar habe ich keine Zweifel daran, dass wir sie auch selbst entwickeln könnten – darunter in den Klassen space und military, doch dafür braucht man Zeit, Geld und zusätzliche Staatsaufträge.“ 

    Generell sagte Bojew zu den Sanktionen: „Jener Sanktions-Vorhang, den der Westen zwischen unseren Ländern schaffen will, wird aus meiner Sicht weder uns noch ihnen etwas Gutes bringen. Für uns wird das zumindest eine Herausforderung sein, um forschungsintensive Branchen anzukurbeln. Und ihre High-Tech-Unternehmen bekommen absolut keine Vorteile (…) In manchen Bereichen sind sie uns weit überlegen, in anderen sind wir vorne. Unsere Radaranlagen, die wir seit Jahrzehnten entwickeln, hängen ihre westlichen Pendants in Bezug auf manche Parameter ab.“

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    Tags:
    Radaranlagen, Sergej Bojew, Russland
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