22:49 28 Juni 2017
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    Russlands Kaspi-Flotte feuert auf Stellungen des Islamischen Staates in Syrien

    Neue russische Flügelraketen als Rückschlag für US-Navy

    Russian Defence Ministry
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    Russland vs. Islamischer Staat (889)
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    Nach dem jüngsten Einsatz seegestützter Flügelraketen gegen Ziele in Syrien streiten Experten nun, ob Russland die Marine-Balance mit den USA zu seinen Gunsten ändern könnte. Die einen sprechen von einem technologischen Rückschlag für die US-Navy, die anderen warnen Moskau vor Euphorie.

    Die neue Fregatte „Admiral Grigorowitsch“ absolviert eine Testfahrt in der Ostsee, wie das russische Verteidigungsministerium in der laufenden Woche mitteilte. Das Schiff ist mit Raketensystemen das Typs Kalibr NK ausgerüstet, mit denen Russland kürzlich Stellungen des „Islamischen Staates“ in Syrien angegriffen hatte. Wjatscheslaw Tuchkanen, zuständiger Offizier der Fregatte, sagte: „Dieses Raketensystem ist eine Präzisionswaffe mit einer Reichweite von rund 1.500 Kilometer. Die Raketen haben sich gut bewährt.“

    Jene Attacke gegen den IS vom Kaspischen Meer aus sorgt nach wie vor weltweit für Aufsehen. Pepe Escobar, Kommentator der „Asia Times“, schreibt: „Das Pentagon hat nicht einmal gewusst, dass Kalibr-Raketen von kleinen Schiffen abgefeuert werden könnten, während für Tomahawk-Raketen deutlich größere Schiffe erforderlich sind“. Im Kriegsfall seien offenbar nicht mehr „monströse Flugzeugträger im US-Stil“, sondern Raketen und U-Boote maßgeblich. Die jetzt gezeigte russische Technologie belege außerdem das Ende des US-Monopols in Sachen Langstrecken-Flügelraketen, so Escobar.

    Der russische Militärexperte Rostislaw Ischenko kommentierte für die Agentur Ria Nowosti, bisher habe Washington geglaubt, dass Russland militärisch nicht in der Lage sei, sich den USA mit konventionellen Waffen auf See entgegenzusetzen.

    Doch wie es sich nun herausstelle, seien russische Kriegsschiffe im Schwarzen und im Kaspischen Meer durchaus fähig, jeden Gegner im östlichen Mittelmeer und im Persischen Golf zu vernichten. Die russische Ostseeflotte könne unterdessen die Nordsee, den Ärmelkanal und einen Teil des Europäischen Nordmeeres ins Visier nehmen. Russlands Nord- und Pazifikflotte hätten schließlich Optionen, um jeweils den Nordatlantik und den Pazifik nördlicher von Hawaii mit Raketen zu erreichen. „Vor diesem Hintergrund erwies sich die US-Navy als unfähig, die Bedrohung auf die eurasische Küste zu projizieren“, so Ischenko.

    Der russische Militärexperte Anatoli Nesmijan warnte allerdings davor, die Ausmaße der bösen Überraschung für die US-Navy zu übertreiben. Die Onlinezeitung gazeta.ru zitierte ihn mit den Worten: „Es wäre naiv zu glauben, dass die Amerikaner die taktisch-technischen Daten der Kalibr-Raketen nicht kannten.“ Es sei auch falsch zu behaupten, dass der jüngste Kalibr-Einsatz die Flugzeugträger-Strategie zunichte mache und dem US-Raketenschild Versagen bescheinige, hieß es.

    Vor Euphorie warnt auch der russische Militärexperte Wassili Kaschin. „Mit der US-Navy sind wir in verschiedenen Gewichtsklassen. Von einem Vergleich kann nicht die Rede sein. Die USA haben Kreuzer der Ticonderoga-Klasse – und jeder davon hat 122 Zellen für Flügelraketen. Er kann sie mehr abfeuern, als unsere Kriegsmarine insgesamt“, kommentierte Kaschin für gazeta.ru.

    Eigentlich ist es für Russland laut Kaschin sinnlos, eine Kriegsflotte aufbauen zu wollen, die mit der US-Navy gleich stark wäre: „Unsere geographische Lage ist anders. Die wichtigsten Bedrohungen für uns, wie die Geschichte zeigt, kommen aus kontinentalen Richtungen. Über Russlands Zukunft wurde immer an Land entschieden.“

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    Terrormiliz Daesh, Schiff Admiral Grigorowitsch, Kalibr-Rakete, Anatoli Nesmijan, Wassili Kaschin, Kaspisches Meer, Syrien, USA, Russland
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