02:05 15 Dezember 2019
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    Befehlshaber besorgt: US-Truppen in Europa zu schwach gegen Russland

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    Ben Hodges, Oberbefehlshaber der US-Truppen in Europa, zeigt sich darüber besorgt, dass die russische Armee stärker und schneller wird. Er hält Moskaus Politik für gefährlich und will deshalb mehr Bewegungsfreiheit für die USA im europäischen Raum. Russische Experten analysieren seine Argumente und Motive.

    Die Onlinezeitung gazeta.ru zitiert am Dienstag den russischen Militärexperten Alexander Chramtschichin mit den Worten, eine militärische Bedrohung für Europa durch Russland sei derzeit zwar ausgeschlossen, ein ranghoher Militär wie Hodges müsse jedoch „nicht auf eine Absicht, sondern auf eine potenzielle Möglichkeit“ reagieren.

    „Die US-Truppen in Europa wären im Moment absolut unfähig, sich Russland entgegenzusetzen, denn sie haben nicht ausreichend gepanzerte Kampffahrzeuge und Fliegerkräfte. Im Rahmen ihrer Betrachtungsweise, bei der Russland als Bedrohung gilt, sind die Worte von Hodges völlig gerechtfertigt“, so Chramtschichin.

    Hodges hatte soeben in einem Interview mit der „Defense News“ gesagt: „Mit Hilfe seiner Militärbasis in Kaliningrad ist Russland in der Lage, den Zugang zur Ostsee schnell zu sperren. Nach der Aufstockung seiner Krim-Truppen auf 25.000 Mann kann Russland nun auch den Zugang zum Schwarzen Meer blockieren.“ Der neue Stützpunkt in Syrien ermögliche den russischen Streitkräften theoretisch außerdem, den Luftraum über dem Mittelmeer zu kontrollieren. „Von einem Land, das eine Partner der internationalen Gemeinschaft werden will, erwartet man kein solches Vorgehen“, mahnte der US-Kommandeur.

    Hodges beklagte außerdem: „Putin kann seine Truppen innerhalb Russlands problemlos verlegen. Wir brauchen dagegen nach wie vor diplomatische Abstimmungen, um Grenzen von Nato-Mitgliedern zu passieren. Dies kann bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Deshalb bittet Deutschland nun um eine Vereinfachung dieser Regelung.“ Den USA mangle es auch an Transporthubschraubern in Europa. 

    Der russische Militärexperte Dmitri Litowkin kommentierte, die Äußerung von Hodges berge zwei Aspekte. Erstens gehe es um eine bloße Feststellung, dass Russland es gelernt hat, seine Militärverbände schnell dorthin zu entsenden, wo sie nötig wären. Russland habe dafür im Laufe mehrerer Militärmanöver trainiert.

    „Der zweite Grund, warum Hodges das gesagt hat, ist ein elementarer Versuch, mehr Geld dem US-Kongress abzuringen. US-Politiker hatten zuvor mehrmals für eine Reduzierung des Militäretats plädiert. Nun wollen US-Generäle mit ihren öffentlichen Auftritten das verhindern“, so Litowkin.

    Panzer T-14 auf der Plattform Armata
    © Sputnik / Host Photo Agency / Maxim Blinov

    Er warnte allerdings davor, die Möglichkeiten der US-Streitkräfte zu unterschätzen: „Sie sind in der Lage, eine vollwertige Gruppierung in Europa in ziemlich knapper Frist aufzubauen, wenn das US-Militär vor diese Aufgabe gestellt wird.“

    US-Medienberichten zufolge war die US-Militärpräsenz in Europa seit den 1990er Jahren von 213.000 auf rund 26.000 Mann geschrumpft. Nun kündigen US-Generäle eine Aufstockung auf 30.000 Mann an. Außerdem sollen Panzer des Typs M1 Abrams zusätzlich kommen: Deren Zahl in Europa steigt voraussichtlich um 200 auf 290. Darüber hinaus sollen 120 Bradley-Schützenpanzer und 81 Stryker-Radschützenpanzer zusätzlich nach Europa entsandt werden.

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    Wladimir Putin, Syrien, Europa, Russland, USA