14:18 11 Dezember 2017
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    Kämpfer der Freien Syrischen Armee

    Militärische Ausbildung der USA im Nahen Osten scheitert kläglich

    © REUTERS/ Hosam Katan
    Militär
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    Die US-Regierung gibt jährlich Millionen für militärische Hilfsprogramme in mehr als 100 Ländern aus. Doch die von den USA ausgebildeten ausländischen Soldaten sind oft nicht in der Lage, ihre eigene Heimat zu verteidigen, obwohl sie meist besser ausgebildet und ausgestattet als ihre Feinde sind.

    „Eines der Dinge, die wir (die US-Armee, — Anm. d. Red.) tun werden, ist es, die Armeen anderer Nationen zu trainieren, zu beraten und zu unterstützen, sodass sie sich selbst schützen und die Stabilität in ihren Ländern aufrechterhalten können“,  sagte vor kurzem General Mark A. Milley, Personalchef in der US-Armee.
    In Afghanistan und Irak scheint dies jedoch nicht so glatt zu laufen.

    Die Zahl der von den USA ausgebildeten irakischen Streitkräfte beträgt mehr als 270.000 Soldaten. Anfang Juni 2014 starteten 1.000 IS-Terrormilizen eine Offensive zu der zweitgrößten irakischen Stadt Mosul und schlugen überraschend die ihnen rund um das Zehnfache überlegenen irakischen Sicherheitskräfte in die Flucht. Die Iraker ließen buchstäblich ihre Waffen fallen und liefen fort.

    Laut Experten hätte der IS damals sogar noch größere Gebiete unter seine Kontrolle bekommen, wenn der Iran nicht Irak Mitte 2014 zu Hilfe gekommen wäre. Im Gegenteil —  in einem Kampf um eine andere Schlüsselstadt im Mai 2015  hatte die von den USA geführte Koalition die irakischen Sicherheitskräfte gar im Stich gelassen — die Truppen verließen die Hauptstadt der Provinz Anbar, Ramadi fast kampflos, als IS-Kämpfer in die Region einfielen. Es spricht einiges dafür, dass es sich in Afghanistan nicht viel anders verhält.

    So ist es nach dem Rückzug der USA den 200.000 Mann starken und von US-Spezialisten geschulten afghanischen Streitkräften nicht gelungen, ihr Land vor den Taliban zu verteidigen. Als Ende September eine Gruppe von Aufständischen Kundus überrannte, waren die afghanischen Truppen sichtlich schockiert. Obwohl die Taliban-Kämpfer aus der Stadt geworfen wurden, bleibt die Frage, ob die afghanischen Streitkräfte überhaupt in der Lage sind, sich vor den wieder erstarkten Milizen zu schützen.

    Das militärische Hilfsprogramm in Syrien erlebte dagegen ein noch schlimmeres Fiasko. Im Oktober hatte US-Präsident Obama eine halbe Milliarde Dollar vom Kongress bekommen, mit denen 5.000 Mitglieder der „gemäßigten“ syrischen Opposition trainiert und ausgerüstet werden sollten. Etwas später hatte der Befehlshaber des US-Zentralkommandos jedoch mitgeteilt, dass nur rund 50 Personen übriggeblieben seien, von denen die meisten tot oder desertiert seien. Laut mehreren Berichten sind die meisten Kämpfer auf die Seite des IS und der al-Nusra Front, einem Al-Qaida-Ableger in Syrien, übergewechselt.

    In einem Interview für den US-Fernsehkanal CBS hatte Obama danach eingeräumt, dass er von Anfang an der Effektivität einer aus syrischen Rebellen bestehenden Proxy-Armee gezweifelt habe.

    Auf die Frage, wieso die USA diese Idee nicht gleich fallengelassen haben, antwortete der US-Staatschef, dass es wichtig gewesen sei, „verschiedene Dinge auszuprobieren“.

    In  Indonesien sind Anfang der 1990er Jahre oder in Mali in den 2010er Jahren wohl auch so ganz „verschiedene Dinge“ ausprobiert worden —  den von den USA ausgebildeten einheimischen Kräften werden wahllose Ermordungen unter der Zivilbevölkerung zur Last gelegt.

    „US-Militärhilfe sieht auf dem Papier viel besser aus, als in der Praxis. Zu einem großen Teil deswegen, weil einem das oft so vorgesetzt wird, als ob es auch ohne begründete Diskussion über  Vor- und Nachteile selbstverständlich sei. (…) Im Foreign Service fehlt derzeit Personal mit dem nötigen Know-how, um in einer strengen Debatte mit dem Pentagon zu entscheiden, wer und warum diese Hilfe überhaupt verdient“, betonte der Militär-Experte John Norris in seiner Stellungnahme mit dem Titel "Bilden die USA zu viele fremde Heere aus?"

    Derweilen hat sich jedoch der Stabschef des US-Heeres, General Mark Milley, nach seinem jüngsten Ukraine-Besuch für einen Ausbau der Kooperation mit Kiew im Bereich der Sicherheit ausgesprochen. Der US-General besuchte das Jaworiw-Trainingszentrum, in dem rund 300 Fallschirmjäger von der US-Armee die ukrainische Nationalgarde im Rahmen der „Fearless Guardian“-Mission trainieren. Zurzeit schmiedet das Pentagon den Plan, ganze sechs Bataillone der ukrainischen Streitkräfte auszubilden.

    Werden die ukrainischen Soldaten nun, wie viele ihrer Kollegen im Irak oder in Afghanistan, sich als sehr ausgebildet und ausgestattet erweisen, aber zur gleichen Zeit nicht in der Lage sein, zu kämpfen?

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    Tags:
    Militärinstrukteure, Mark Milley, Barack Obama, Indonesien, Afghanistan, Iran, Irak, Syrien, USA
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