05:22 21 November 2019
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    US-Soldaten in Irak (Archivbild)

    Wandel in Nahost: „US-Eingriff lief auf kolossales Unheil hinaus“

    © Flickr/ U.S. Air Force/Jason T. Bailey
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    Der Einsatz russischer Flügelraketen Kalibr gegen den „Islamischen Staat“ in Syrien war nach Ansicht eines Auslandsexperten ein Rückschlag gegen die Zuversicht der USA: Washington ist weder militärisch omnipotent noch politisch kaum in der Lage, positive Wirkungen seines Nahost-Kurses aufzuweisen.

    Weniamin Popow, Experte des Zentrums für internationale Studien an der Moskauer Diplomaten-Uni MGIMO, schreibt in einem Gastbeitrag für die „Nesawissimaja Gaseta“: „Vor jener Kalibr-Attacke am 7. Oktober war Washington davon überzeugt, dass Russland ohne Atomwaffen nicht fähig sei, sich einem US-Militäreinsatz effizient entgegenzusetzen. Es stellte sich aber heraus, dass russische Kriegsschiffe im Kaspischen und im Schwarzen Meer bei Bedarf in der Lage sind, von dort aus jeden Gegner im östlichen Mittelmeer und am Golf zu vernichten … Russland kann also sein Territorium und die Territorien seiner Verbündeten in Eurasien abschirmen. Barack Obamas Argument, die USA seien ‚die einzig Besten und die Stärksten‘, ist vor diesem Hintergrund haltlos.“

    Popow erinnert an die Vorgeschichte: „Der US-Eingriff in die Nahost-Angelegenheiten lief auf ein kolossales Unheil für die Region hinaus. Der Ausgangspunkt war die bewaffnete Irak-Invasion 2003 gewesen … Jener Irak-Eingriff sowie die Einmischung westlicher Mächte in die libyschen und syrischen Angelegenheiten verkomplizierte die Lage schwer und hatte zur Folge, dass islamische Extremisten stärker wurden. Die Ausbildung eines ‚Kalifats‘ in syrischen und irakischen Gebieten ist eine direkte Wirkung jener Politik, die die USA und Golf-Monarchien betreiben.“

    Popow weist darauf hin, dass der „Islamische Staat“ trotz der US-geführten Luftwaffeneinsätze sein militärisches Potenzial nicht eingebüßt und sogar erhöht hat: „Dies bewegte ihn zu einer weiteren Expansion über die Region hinaus. Daraus resultierten neue extremistische Krisengebiete in Afrika (Libyen, Mali, Nigeria, Somalia). Auch radikale Zentren in Afghanistan und Pakistan konnten den Bereich ihrer Aktivitäten erweitern.“

    Der Experte schreibt weiter: „Indem europäische Spitzenpolitiker dem US-Kurs im Nahen Osten gehorsam folgen, schaffen sie eigentlich selbst eine äußerst schwere Flüchtlingskrise … In Brüssel will der Streit um Quoten, Geld und Orte für Flüchtlingslager kein Ende nehmen. Unterdessen nehmen zentrifugale Tendenzen in der EU selbst zu: Ein Teil der englischen Elite will einen EU-Austritt, während Schottland zum Teil einen Ausstieg aus Großbritannien anstrebt. Die Katalanen wollen eine Unabhängigkeit von Spanien, es gibt separatistische Stimmungen in Norditalien.“

    „Wie ein Gespenst geht in Europa die Angst um, dass die eingeschleusten IS-Agenten ‚schlafende‘ Zellen schaffen würden, um in einiger Zeit mit der Umsetzung ihrer Terrorpläne zu beginnen. Besondere Befürchtungen werden dadurch ausgelöst, dass die IS-Anführer ihre Absicht nicht verheimlichen, eine Dirty Bomb und chemische Waffen zu bekommen“, so der Kommentar. 

    „Vor diesem Hintergrund werden die Regierungen der EU-Länder von der öffentlichen Meinung immer lauter aufgefordert, die wichtigsten Schwerpunkte des politischen Kurses zu korrigieren – vor allem jene gegenüber Moskau. Die Europäer verbergen nicht ihre Angst vor der Gefahr des internationalen Terrorismus und begreifen, dass sich dieses momentan zentrale weltweite Übel nur in Kooperation mit Russland kappen lässt“, schreibt Popow zum Schluss.

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