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    China und USA auf Konfrontationskurs (73)
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    Das Streben der USA, Chinas Einfluss im Asien-Pazifik-Raum zu begrenzen, nimmt deutlichere Formen an. So ist der Ton chinesischer Kommentare im Hinblick auf den jüngsten Zwischenfall, als sich der Zerstörer USS Lassen den von Peking beanspruchten Spratly-Inseln genähert hat. Ein russischer Experte erklärt, ob es nun zu einer Eskalation kommt.

    In ihrem neuen Kommentar bezeichnet die chinesische amtliche Agentur Xinhua jenen Einsatz der USS Lassen als „illegales Eindringen“: „Das provokative Vorgehen des US-Kriegsschiffes schadete ernsthaft dem gegenseitigen Vertrauen. Trotzdem unterhalten die Streitkräfte Chinas und der USA nach wie vor Austausch- und Kooperations-Aktivitäten.“ Wenige Tage nach dem Zwischenfall mit dem US-Zerstörer hatte Harry Harris, Befehlshaber des U.S. Pacific Command, China besucht. Ein chinesischer Marineverband traf unterdessen zu einem Besuch in Florida ein.

    „Zwischen China und den USA gibt es nach wie vor gewisse Probleme, die schwer zu vermeiden sind. Was die Beziehungen zwischen den Streitkräften betrifft, gehen diese Probleme auf die Versuche der USA zurück, ihre sogenannten Spitzenpositionen im Asien-Pazifik-Raum beizubehalten“, so Xinhua.

    Die Shenyang J-11, Luftstreitkräfte der Volksrepublik China
    © Wikipedia / Myles Cullen/U.S. Air Force

    Die chinesische Zeitung „Renmin Ribao“ kommentiere in ihrer Onlineausgabe: „Obwohl die USA keine Konfliktpartei im Südchinesischen Meer sind, haben sie mehrmals ‚die Situation verdorben‘. Sie schauten lange über die Aktivitäten der Philippinen und anderer Länder in der Region hinweg, zogen aber oft Chinas Souveränität und Interessen in Zweifel. Vor allem in letzter Zeit geißelten die USA die chinesischen Bauaktivitäten an den dortigen Riffen und bescheinigten China militärische Zwecke. Mit ihrem derzeitigen Marine-Vorgehen im Südchinesischen Meer treten die USA ‚hinter den Kulissen‘ hervor.“

    „Erstens fühlen sich die USA in Bezug auf ihre Rechte im Südchinesischen Meer unkomfortabel. Sie sind darüber besorgt, dass ihre Aktivitäten in der Region (darunter Aufklärungseinsätze) begrenzt werden können. In diesem Zusammenhang halten es die USA für nötig, absichtlich Spannungen zu erzeugen und sich in legale Bau- und weitere Aktivitäten Chinas im Südchinesischen Meer einzumischen“, so der Zeitungskommentar weiter.

    „Zweitens zielt dieses US-Vorgehen auf eine ‚Umbalancierung‘ des Asien-Pazifik-Raums ab. Eine stärkere Militärpräsenz in der Region ist ein wichtiger Bestandteil der regionalen US-Strategie … Die USA wollen den zunehmenden Einfluss Chinas im Südchinesischen Meer ausgleichen und ihre Herrschaft auf See festigen. China verteidigt resolut seine nationale Souveränität und seine Sicherheit. Falls die USA ihr ungehöriges Vorgehen im Südchinesischen Meer fortsetzen, wird China gezwungen sein, alle erforderlichen Maßnahmen zu treffen“, mahnte die „Renmin Ribao“.

    Der russische Ostasien-Experte Wladimir Kolotow, Professor an der Staatsuniversität St. Petersburg, weist auf die geopolitische Rivalität zwischen China und den USA hin. Er kommentierte für sputniknews: „Die beiden Seiten verteidigen nur ihre eigenen Interessen, indem sie versuchen, kleine und mittelgroße südostasiatische Länder zu instrumentalisieren. Der Schutz einer freien Schifffahrt ist ein Vorwand, den die Amerikaner sehr gekonnt nutzen, um ihren Einfluss in der Region zu erhöhen … Das ist ein Vorwand für Säbelrasseln und Muskelspiele.“ 

    Als wahrscheinliches Szenario betrachtet  Kolotow nun heimliche Gespräche zwischen Peking und Washington: „Im Hinblick auf den Handelsumsatz zwischen China und den USA und auf das Ineinandergreifen ihrer Interessen werden sie einen ernsthaften Konflikt nicht eingehen. Es kommt zu keinem Blutvergießen. Die beiden Länder werden die Situation nutzen, um ihren Einfluss auf jeweils verschiedene südostasiatische Länder zu erhöhen. Der geopolitische Druck nimmt zu und das ist für die Souveränität von Ländern der Region sehr gefährlich.“

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    Tags:
    US-Zerstörer Lassen, Harry Harris, China, USA