12:08 13 Dezember 2017
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    Fliegende Roboter für Russland: „Vorbilder künftiger Waffen“

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    Da Interkontinental-Raketen gegen mobile Ziele nicht so effizient sind, soll künftig nach Ansicht eines russischen Forschers mehr auf fliegende Robotersysteme für Verteidigungszwecke gesetzt werden.

    Grigori Wokin, Abteilungschef im russischen Maximow-Forschungsinstitut für Raumfahrtsysteme, schreibt in einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung „WPK“: „Die Entwicklungstrends der gegenwärtigen Waffensysteme zeigen, dass künftig nicht nur Kriege der Triebwerke, sondern auch Kriege der Roboter zu erwarten wären.“ Die künftigen Roboter-Waffen sollen auf einer „synergetischen Nutzung von wissenschaftlich-technischen Lösungen und von Elementen einer künstlichen Intelligenz sowie auf einer breiten Palette von Mess- und Informationstechnologien“ basieren.

    Der Experte weist auf die Nachteile ballistischer Interkontinental-Raketen hin, die meistens nur gegen stationäre Ziele effizient sind und während des Fluges von der gegnerischen Raketenabwehr abgefangen werden können: „Deswegen sind sie nicht in der Lage, das Atomwaffen-Potenzial eines angenommenen Gegners völlig zu zerstören. Denn beispielsweise in den USA sind die Atomwaffen zu mehr als 80 Prozent auf mobilen Trägersystemen (Atom-U-Boote, Flugzeuge und Kriegsschiffe) stationiert.“

    Ein Ausweg wäre laut Wokin die Entwicklung „geflügelter Gefechtsblöcke“, die von einer strategischen Rakete gestartet werden, dann aber autonom fliegen könnten. Nach der Abtrennung von der Rakete soll dieser „Block“ mit einem Horizontalflug beginnen. Erst dann werden seine Flügel entfaltet und sein eigenes Triebwerk springt an. Dieser geflügelte Sprengkopf wäre in der Lage, Hindernisse zu umfliegen und sich dem Ziel aus jeder passenden Richtung zu nähern. Seine optischen, Satellitennavigations- und Radarsysteme sollen eine zusätzliche Aufklärung im Anflug ermöglichen, um das Ziel möglichst präzise zu treffen.

    Wokin schreibt weiter: „Bei einer zusätzlichen Ausstattung könnten die geflügelten Gefechtsblöcke auch andere Funktionen erfüllen. Das wäre etwa das Abfangen angreifender Flügelraketen, Kampfjets und Kriegsschiffe. Werden die Blöcke beispielsweise mit infrarotgelenkten Sprengköpfen ausgerüstet, so wäre die Möglichkeit nicht auszuschließen, gegnerische Panzer und Artilleriesysteme auf dem Marsch hochpräzise zu treffen.“  

    Laut Wokin wären fliegende Waffen von dieser Art auch zu Aufklärungseinsätzen in großer Entfernung vom jeweiligen Startort fähig, falls sie entsprechende Sensoren und Datenübertragungs-Systeme bekommen. Künftig wäre auch ihre Fernsteuerung nicht auszuschließen.

    „Geflügelte Gefechtsblöcke sind offenbar Vorbilder künftiger Waffen. Sie werden strategische Kampfaufgaben in Interkontinental-Entfernungen lösen und sind eigentlich fliegende Roboter“, so der Experte. Er hält aber auch zivile Transport- und Rettungseinsätze für möglich.

    Aus seiner Sicht wären solche Roboter vor allem als nichtnukleare Abschreckungs-, Präventiv- oder Vergeltungsmittel effizient, die Russland „derzeit und erst recht in Zukunft braucht“. Zu einem Atomkonflikt kommt es laut Wokin hoffentlich niemals: „Denn ein solcher Konflikt wäre ein Weg zur Selbstvernichtung der Menschheit.“ 

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    Tags:
    Atomwaffen, Roboter, Grigori Wokin, Russland, USA
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