07:06 19 Juni 2018
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    Russischer Kampfjet Su-30 auf dem Stützpunkt im syrischen Hmeimim

    Mit Putins Konterfeis gegen IS: Bericht vor Ort

    © REUTERS / Russian Defence Ministry
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    Russische Kampfjets verbrauchen Munition tonnenweise, um dem „Islamischen Staat“ die „Klauen auszureißen“, wie die Syrer schwülstig formulieren. Auch syrische Flieger melden Erfolge. Ein Zeitungsreporter aus Russland berichtet vor Ort.

    Russischer Kampfjet Su-34 in Latakia
    © REUTERS / Ministry of Defence of the Russian Federation
    Ein Reporter der russischen „Nesawissimaja Gaseta“ berichtet am Montag vom militärischen Flugplatz Hmeimim in Syrien: „Rund um die Uhr wird hier gestartet und gelandet – das Grollen der Triebwerke übertönt den Zikaden-Gesang. Laut Militärsprecher Igor Konaschenkow greifen russische Kampfjets inzwischen auch jene Ziele an, die von der moderaten syrischen Opposition angegeben werden. ‚Geschäftskontakte‘ mit ihr sind dem russischen Verteidigungsministerium offenbar schneller gelungen als der Regierung in Damaskus.“

    Dem Bericht zufolge dauert es weniger als zehn Minuten, nach einer Zielzuweisung zu starten: „Die Gerüchte, wonach die Munition in Hmeimim schon fast verbraucht sei, haben sich übrigens nicht bestätigt. Zunächst hatten Transportflugzeuge An-124 Bomben und Raketen aus Russland gebracht. Nun wird Munition auf dem Seeweg in größeren Mengen transportiert … Sobald ein Kampfjet nach einem Luftangriff zurückkehrt, wird er sofort betankt, bekommt neue Bomben und Raketen aufgehängt (je nach der Aufgabe) und ist wieder einsatzbereit.“

    Wie es hieß, kommt gelenkte Munition seltener zum Einsatz – meistens werden Freifallbomben abgeworfen: „Dies gab unseren westlichen Partnern einen Anlass zur Behauptung, die russischen Luftangriffe seien ‚unpräzise‘ und ‚nicht human‘. Doch mittlerweile wurde nachgewiesen, dass die Meldungen über ein Spital und eine Moschee, die angeblich zerstört wurden, bloß ein Fake sind – mit anderen Worten Mittel des Propaganda-Krieges.“

    „Wie man am Flugplatz Hmeimim erläutert, sind die Zielvorrichtungen der russischen Kampfjets dermaßen effizient, dass es bei klarem Wetter überhaupt nicht nötig ist, Präzisionswaffen einzusetzen. Um ein Ziel zu treffen, reichen zwei Sprengbomben gewöhnlich aus – die zweite ist dabei eine Art Kontrollschuss“, so der Reporter.

    © Ruptly .
    VIDEO: Russische Bomber starten vom Stützpunkt Hmeimim im syrischen Latakia

    Er berichtet weiter: „Die russischen Kampfpiloten erwecken selbstverständlich ein ungesundes Interesse bei Islamisten. Es ist jedoch weder auf dem Boden noch aus der Luft möglich, direkt an den Luftwaffenstützpunkt zu gelangen. Wie es hieß, ist es vorerst nicht einmal den US-Amerikanern gelungen, in die dortigen Abläufe Einblick zu nehmen, denn die Basis ist mit Mitteln der elektronischen Kampfführung sicher geschützt.“

    „Trotz der effizienten Einsätze der russischen Luftwaffe und der tonnenweise verbrauchten Munition waren die Erfolge der syrischen Armee bis vor kurzem nicht allzu beeindruckend. Im Stab der Luftwaffenbasis wurde direkt gesagt: ‚Wir haben natürlich mehr erwartet!‘ Die syrischen Militärs verwiesen auf ihre Erschöpfung (die Kämpfe laufen ja ununterbrochen seit vier Jahren), aber auch darauf, dass die Regierung in Damaskus jahrelang ihren Streitkräften nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt hatte“, schreibt der russische Journalist. 

    „Doch nun ändert sich alles, darunter auch der Kampfgeist. Auch russische Militärberater räumen ein, dass syrische Piloten mit ihren nahezu ein halbes Jahrhundert alten Maschinen buchstäblich Wunder vollziehen. Alleine seit zwei Tagen hat die syrische Luftwaffe 151 Einsätze geflogen und 323 Ziele attackiert. Unter anderem wurden dabei sieben Führungsstellen östlich von Homs sowie zwei Munitionslager und mehrere Gruppen von Terroristen nahe Aleppo vernichtet, wie ein syrischer Militärsprecher mitteilte“, so die Reportage. 

    „Die Stimmung der Syrer ist nun gehoben. Und das wichtigste politische Kennzeichen der Zeit sind Konterfeis von Wladimir Putin, die inzwischen neben jenen von Hafiz und Baschar Assad überall auftauchen. Auch den russischen Soldaten im Stützpunkt Hmeimim dankt man dafür, dass sie Kämpfern des ‚Islamischen Staates‘ deren ‚Reißzähne und Klauen ausreißen‘. Na ja, im Orient hatte man immer eine Vorliebe für schwülstige Worte. Dasselbe ließe sich auch simpler ausdrücken: Seit anderthalb Monaten ist es der russischen Luftwaffe gelungen, das Kampf-Potenzial der Islamisten deutlich zu reduzieren“, heißt es in der „Nesawissimaja Gaseta“.

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    Tags:
    Terrormiliz Daesh, An-124, Igor Konaschenkow, Russland, Syrien