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11:24 20 Juli 2019
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    Flugbombe B61-12

    Quo vadis, Nuklearbombe? - USA testen modernisierte Kernwaffen

    © Foto: maxpark.com
    Militär
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    Die USA haben die dritte und letzte Testrunde der modernisierten Flugbombe B61-12 abgeschlossen. Die Bombe traf die geplanten Ziele auf einem Übungsgelände im Bundesstaat Nevada. Und obwohl der Kongress bisher keinerlei Mittel für das Programm gewährt habe, sehen die Experten diese Frage bereits als gelöst.

    Die dritte Testrunde war laut einem Artikel der Online-Zeitung gazeta.ru Teil des sogenannten "Life Extension Program" (LEP), das auf die Verlängerung der Lebensdauer US-amerikanischer Kernwaffen abzielt.

    Wie der Pressedienst der amerikanischen Nationalen Verwaltung für nukleare Sicherheit (NNSA) am Dienstag mitteilte, sei ein F-15E-Flugzeug der US-Luftwaffe von der Luftbasis Nellis gestartet und habe eine Bombe über dem Übungsplatz abgeworfen. Obwohl die Bombe keine Kernladung trug, wurde die Explosion einer  B61-12-Bombe simuliert.

    „Vorläufige Informationen zeugen davon, dass alle geplanten Ziele erfolgreich bekämpft worden sind. Nach den Tests haben die NNSA-Fachleute Daten von CCTV-Kameras sowie telemetrische Angaben und sonstige Informationen gesammelt, die für die Analyse notwendig sind“, so die Mitteilung der NNSA.

    Die Tests wurden laut der Mitteilung am 20. Oktober absolviert, allerdings sei beschlossen worden, die Öffentlichkeit erst am 17. November darüber zu informieren. Die modernisierte Bombe könne nun auch nach dem Abwurf noch gesteuert werden, obwohl sie ursprünglich als ein frei fallendes Projektil konzipiert wurde.

    „Der Start des В61-12-Projektils in gesteuertem Flugmodus zeugt ein weiteres Mal von unserer Bereitschaft, unsere nationale Sicherheit sowie die Sicherheit unserer Verbündeten und Partner mithilfe von Kernwaffen zu schützen“, sagt ein Sprecher der NNSA-Chefin Madelyn Creedon.

    Die B61-12-Bombe, die wichtigste thermonukleare Waffe strategischer Kerntruppen der USA, wurde mehrmals modernisiert. Aktuell ist ihre 11. Modifikation im US-Kernarsenal im Einsatz. Die Bombe enthält angereichertes Uran und kann, bevor sie detoniert, mehrere Meter in die Erde eindringen, was sie sehr effizient bei der Vernichtung von unterirdischen Zielstelungen macht. 

    Insgesamt verfügen die USA über 50 derartige Waffen, die mit sieben unterschiedlich starken Sprengladungen kombiniert sind. Derzeit wird die B61-11-Bombe vor allem vom strategischen B-2-Bomber getragen, aber auch andere Flugzeuge könnten sie perspektivisch an Bord nehmen. Nach der Modernisierung soll die B61-12 die ältere Version ersetzen.

    Der Direktor des russischen Zentrums für strategische Konjunktur, Iwan Konowalow, glaubt, die Tests der neuen Bomben zeugten vom Wunsch der Amerikaner, ihre Kernwaffen weiterzuentwickeln: „Die Amerikaner fertigen bereits die zwölfte Modifikation dieser Bombe an. Das zeugt davon, dass sie nicht vorhaben, diese Waffenart aufzugeben. Diese Munition kann bis zu sechs Meter dicke, unter Tage liegende militärische Befestigungen durchbrechen. Die B-61 Bomben sind sehr vielseitig und können von fast jedem Flugzeug der US-Luftwaffe getragen werden.“

    Auch der Militärexperte Oberst a.D. Viktor Litowkin ist überzeugt, dass amerikanische Militärs bei Bedarf ihre Kernwaffen auch einsetzen könnten: „Die Kernbomben werden nicht nur dafür entwickelt, um ins Museum gesteckt zu werden, sondern, um bei Notwendigkeit eingesetzt zu werden.“

    Das Pentagon hatte bereits erklärt, dass die USA bis 2020 mit der serienmäßigen Produktion derartiger Waffen beginnen und die В62-12- Bomben ihre in Italien, Belgien, den Niederlanden, der Türkei und Deutschland stationierten Vorgängerinnen ersetzen würden.

    Es wurde außerdem darauf hingewiesen, dass die Bomben nicht nur von US-Flugzeugen, sondern auch von NATO-Maschinen getragen werden können. Die Flugzeuge der Militärallianz sind derzeit unter anderem auf der Luftbasis vertreten. Das alles ist laut Litowkin ein „grober Verstoß gegen den Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen“. Russland jedoch könne sich vor derartigen Waffen schützen, denn es verfüge über einen Raketenschild. 

    Die europäischen Waffenlager, wo die amerikanischen Kernbomben aufbewahrt werden, müssten, so Litowkin, in die Liste strategischer Ziele für russische ballistische Raketen im Falle eines Kernkrieges aufgenommen werden. „Wenn die USA ihre Kernbomben in Europa stationieren, ziehen sie damit auch andere NATO-Verbündeten in den Konflikt hinein. Das deutsche Parlament versucht, einen Abzug dieser Arsenale vom Bundesterritorium zu initiieren, allerdings haben die USA eine Änderung der Statutendokumente erwirkt, laut der der Beschluss über den Abzug von Kernwaffen vom Territorium eines NATO-Staates von allen Allianz-Ländern gebilligt werden muss. Nun wird etwa Albanien darüber entscheiden, ob die amerikanischen Bombern aus Deutschland abgezogen werden oder nicht“, schließt der Experte.

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    В61-12, F-15E Strike Eagle, NNSA, Iwan Konowalow, Madelyn Creedon, USA