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    Kalaschnikow AK-47

    Sputnik: Kalaschnikows vom Balkan kamen bei Pariser Terror-Attacke zum Einsatz

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    Ein Teil jener Waffen, die die Islamisten bei ihren Terroranschlägen im November in Paris eingesetzt haben, kommt aus der serbischen Waffenfabrik Zastava oruzje, wo sie noch vor dem Zerfall Jugoslawiens hergestellt wurden.

    Wie Fabrikdirektor Milojko Brzaković in einem Interview für Sputnik Serbien mitteilte, hatte ihm das Innenministerium Serbiens zwei Tage nach den Terroranschlägen in Paris die Seriennummern der in der französischen Hauptstadt nach den Anschlägen gefundenen Waffen geschickt. Es handelte sich um sieben oder acht Kalaschnikows, d.h. um die jugoslawische Version des sowjetischen automatischen Gewehrs AK-47. Wie Brzaković äußerte, konnten alle Konfliktseiten nach dem Zerfall der Sozialistischen Bundesrepublik Jugoslawien die vorhandenen Waffen verkaufen können. Zugleich betonte er, dass kein einziges Erzeugnis seiner Fabrik „ohne Genehmigung des Staates“ verkauft werden dürfe.

    Den ehemaligen Führer der serbischen Security Information Agency, Andreja Savić, wundert es kaum, dass bei den jüngsten Terroranschlägen in Paris, ebenso wie beim Überfall auf die Redaktion des Satire-Magazins „Charlie Hebdo“ im Januar 2015 gerade Waffen vom Balkan zum Einsatz gekommen seien.

    Die Fabrik Zastava oruzje in der serbischen Stadt Kragujevac, die auf dem Balkan hohes Ansehen genoss, war der Hauptproduzent von automatischen Waffen für die jugoslawische Volksarmee, heute beliefert sie die Armee Serbiens.

    In den Militärdepots in Slowenien, Kroatien und Bosnien gab es hinreichend viele Waffen. Erinnert man sich an die 1990er Jahre, an die Jahre des blutigen Bürgerkrieges auf dem Territorium des ehemaligen Jugoslawiens, so ist zu vermuten, dass diese Waffen in die Hände von Leuten geraten konnten, die zur organisierten Kriminalität gehören oder Terroristen sind, sagte er im Interview mit Sputnik Serbien. 

    Er erinnerte daran, dass die Depots mit diesen Waffen in den ersten Etappen des Zerfalls des Landes von Vertretern der Territorialverteidigung einzelner Teilrepubliken des ehemaligen Jugoslawiens besetzt wurden. 

    Zonen eines aktiven Schmuggels auf dem Balkan sind Bosnien und Herzegowina, der Raška District (ein Gebiet in Serbien) sowie das Kosovo.

    Außerdem haben die Kämpfer der UÇK (der Befreiungsarmee des Kosovo) auch die chinesische Version der Kalaschnikow genutzt.

    Seinerzeit schrieb die Zeitung „International Business Time“, dass der Waffenschmuggel im Kosovo eine gewöhnliche Erscheinung sei. Dabei zitierte die Zeitung einen Schmuggler aus dem Kosovo, der im Jahr 2007 behauptete, die in China produzierte Kalaschnikow könne man in seiner Stadt für 250 Euro kaufen, in Albanien für nur 50 Euro.

    Massenmedien berichteten ebenfalls, dass man im April 2013 am Pariser Stadtrand fünf Bürger aus Bosnien und Herzegowina sowie einen Bürger Frankreichs festgenommen habe, die unter Verdacht standen, Waffenschmuggel betrieben zu haben. Außerdem hatten in den Jahren 2013 und 2014 Vertreter der bosnischen Staatlichen Agentur für Ermittlungen und Schutz (State Investigation and Protection Agency) in der Kooperation mit französischen Sicherheitsdiensten mehrere Haussuchungen in Verbindung mit dem Waffenschmuggel aus Bosnien und Herzegowina nach Frankreich vorgenommen. 

    Im Kosovo ist der Waffenkult stark entwickelt, dort kann man beliebige Modelle sehen. Allerdings gibt es keine genauen Angaben zu ihrer Menge und zu ihren Besitzern. Der Raška District als Territorium, das für die wahhabitische Bewegung von Interesse ist, eine überwiegend bosnische Bevölkerung hat und  Verbindungen  zu Bosnien und Herzegowina besitzt, ist ebenfalls eine Risikozone. Auch hier gebe es keine genauen Angaben dazu, über welche Waffenvorräte die Bevölkerung verfüge, warnt Andreja Savić.

    Auf dem Territorium von Bosnien und Herzegowina gebe es Dschihadisten, die in den 1990er Jahren in die bewaffneten Auseinandersetzungen auf diesem Territorium verwickelt waren. Sie seien dann dank ihren Verdiensten oder durch Eheschließungen in Bosnien geblieben, bemerkt der Experte.

    Eine ähnliche Meinung vertritt Milan Pašanski aus der Organisation Forum  zum Studium des internationalen Terrorismus (Belgrad).

    „In Bosnien gibt es Zentren zur Ausbildung von Wahhabisten, und sie verfügen ganz genau über eine große Menge an Waffen. Logischerweise ist zu vermuten, dass aus irgendeinem wahhabistischen Zentrum Waffen weitergegeben werden, man schenkt oder verkauft sie an Gleichgesinnte, wofür man Geld oder eine logistische Unterstützung bei der Verübung von Terroranschlägen erhält“, erläutert Milan Pašanski gegenüber Sputnik Serbien.

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    Themen:
    Terrorgefahr in Europa (2016) (232)
    Tags:
    AK-47, Terroranschläge in Paris, Charlie Hebdo, Milan Pašanski, Andreja Savić, Kroatien, Slowenien, Bosnien-Herzegowina