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03:07 21 September 2019
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    Hubschrauber in Montenegro

    Montenegro: NATO lädt ein, Eliten leisten Gefolgschaft, Volk gespalten

    © REUTERS / Stevo Vasiljevic
    Militär
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    Ungeachtet russischer Warnungen will die Nato Montenegro zum 29. Mitglied machen. Russland kritisiert die Beitrittseinladung der Allianz an den Balkanstaat als konfrontativen Schritt. Auch der Schweizer Historiker und Friedensforscher Dr. Daniele Ganser nennt das Angebot der NATO an Podgorica einen negativen Beitrag.

    „Das wäre ein negativer Beitrag, weil in der letzten Zeit diese Spannungen zwischen der NATO und Russland stets zugenommen haben. Und es kann ja immer wieder zu Zwischenfällen kommen. Das hat man gesehen, als das NATO-Mitglied Türkei ein russisches Flugzeug abgeschossen hat“, warnt der Leiter des Swiss Institute for Peace and Energy Research (SIPER).

    „Ich halte es aus der Sicht der Friedensforschung im Moment für wichtig, dass man auf Deeskalation setzt. Und da ist sicher der Beitritt von Montenegro zur NATO ein Schritt in die falsche Richtung, weil eben die NATO sich ausdehnt, und weil man weiß, dass das weitere Spannungen schüren wird.“

    Montenegro ist das kleinste Land Ex-Jugoslawiens. Es spaltete sich erst im Jahr 2006 von Serbien ab. Die montenegrinische Bevölkerung ist über den NATO-Beitritt gespalten. Laut Umfragen sind die Befürworter und Gegner praktisch gleich stark. 

    Als Schweizer findet Dr. Daniele Ganser, dass die Einheimischen viel zu wenig in die Entscheidung eingebunden würden. „Es ist ein Eliteprojekt“, stellt der Experte fest. Darüber hinaus sei es der Wunsch der USA. „Eigentlich wird immer nur Gefolgschaft verlangt. Man wird von Montenegro, sobald es in der NATO ist, verlangen, dass, wenn es einen großen Krieg gibt, und die NATO in diesen Krieg zieht, es auch Soldaten schickt. Das NATO-Bündnis ist ein Militärbündnis, angeführt von den USA. Und wenn die USA sozusagen neue Mitglieder in ihren Militärclub aufnehmen, dann möchten sie, dass diese Mitglieder die amerikanische Außenpolitik umsetzen und in den Kriegen der USA mitkämpfen.“

    Dr. Daniele Ganser hat sich in einem Buch „NATO-Geheimarmeen in Europa“ viele Jahre lang kritisch mit dem Militärbündnis auseinandergesetzt und ist zum Schluss gekommen, dass die Allianz das Element der verdeckten Kriegsführung immer wieder einsetzt, um ihre Ziele zu erreichen.

    „Natürlich sagt die NATO, dass ihre große Aufgabe jetzt darin besteht, den Terrorismus zu bekämpfen. Aber ich denke, es gibt im Moment immer mehr Menschen, die aufwachen und sich fragen, ob das eigentlich die Wahrheit ist, ob man wirklich gegen den Terrorismus kämpft, oder ob hier eigentlich ein Täuschungsmanöver vorliegt. Der Angriffskrieg gegen den Irak 2003 hat später zu der Herausbildung der Terrormiliz IS geführt. NATO-Kriege, auch in Afghanistan, führen zur Radikalisierung der Bevölkerung und zum Terrorismus. Meiner Meinung nach ist der Grund dieser Kriege nicht die Bekämpfung von Terror oder die Bekämpfung von Diktatoren, sondern der Grund ist, dass man versucht, Erdöl und Erdgas zu erbeuten. Im Kern sehen wir einen globalen Kampf um Rohstoffe, wir sehen einen Kampf um Militärstützpunkte und um Einflusssphären“,  äußert der Experte.

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    Tags:
    Terrormiliz Daesh, SIPER, NATO, USA, Türkei