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21:51 21 Oktober 2019
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    Russischer eisenbahngestützter Raketenkomplex BZRK

    Neue russische Superwaffe soll im „Ozean an Land“ auftauchen

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    Neue Waffen für russische Armee (670)
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    Die Eisenbahn-Raketenkomplexe, an denen Russland jetzt baut, sollen einem Zeitungsbericht zufolge von ihrer Effizienz her mit Atom-U-Booten vergleichbar sein – oder sogar besser. Es geht um Züge mit Startvorrichtungen für Atomraketen. Einst hatten solche Waffensysteme der Sowjetunion zur Verfügung gestanden und den USA viel Kummer bereitet.

    Wie die russische Wochenzeitung „WPK“ in ihrer neuen Ausgabe schreibt, hatte die Sowjetunion in den 1980er Jahren insgesamt zwölf Eisenbahn-Raketenkomplexe in Dienst gestellt und in drei Divisionen aufgeteilt: „Trotz der verbreiteten Meinung ‚preschten‘ sie nicht durch das ganze Land, obwohl sie dazu fähig waren. Jede Division war für ein Gebiet zuständig, wo ihre Züge in festen Bauten standen. Diese waren mehrere Kilometer voneinander entfernt. Bei einer erhöhten Alarmbereitschaft konnten die Züge auf ihre jeweiligen Routen geschickt werden. Jeder davon konnte bei Bedarf bis hin zu 1.000 Kilometer pro Tag auf dem Schienenweg zurücklegen, um eine zugewiesene Position für einen Raketenstart zu erreichen.“

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    Das Blatt berichtet über die Besonderheiten jener Ära: „Bevor ein neugebauter Zug zu seinem Standort fuhr, stand er sieben Tage lang an einer Eisenbahnstation nahe Pawlodar, wo sich das Produktionswerk befand. Dadurch konnten die Amerikaner den Zug mit Hilfe ihrer Aufklärungssatelliten beobachten. Formell entsprach dies dem sowjetisch-amerikanischen Abrüstungsvertrag, es gab aber auch einen anderen Grund: Dem potenziellen Aggressor wurden real existierende Waffensysteme demonstriert, die zu einem Gegenschlag fähig waren.“

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      Russischer eisenbahngestützter Raketenkomplex BZRK
      © Foto : Strategische Raketentruppen Russlands
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      Russischer eisenbahngestützter Raketenkomplex BZRK
      © Foto : Pressedienst der Strategischen Raketentruppen Russlands
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      © Foto : Pressedienst der Strategischen Raketentruppen Russlands
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    © Foto : Strategische Raketentruppen Russlands
    Russischer eisenbahngestützter Raketenkomplex BZRK

    Nach dieser Demonstration begann der unmittelbare Einsatz, wie das Blatt schreibt. Zwar war es nicht möglich, den Raketenzug während seiner Fahrt völlig zu tarnen: Ein erfahrener Fachmann konnte von oben bemerken, dass es sich um keinen gewöhnlichen Eisenbahntransport handelte. Doch der Vorteil bestand darin, dass die Amerikaner nicht im Voraus wissen konnten, wohin der Zug weiter fahren wird. Dank des sowjetischen Frühwarnsystems würde er im Kriegsfall genügend Zeit bekommen, um sich von seinem Standort zu entfernen und eine Zerstörung durch gegnerische Raketen zu vermeiden.

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    Die US-Führung, so der Bericht weiter, war besorgt über die Effizienz dieses sowjetischen Waffensystems und setzte Moskau unter Druck – mit Erfolg. Im Jahr 1991 wurde in Russland beschlossen, dass die Raketenzüge von nun an ihre Standorte nicht mehr verlassen sollen. Dies machte die Eisenbahn-Raketenkomplexe eigentlich sinnlos. Später verzichtete Russland völlig auf deren Einsatz. Erst im 21. Jahrhundert wurde die Entscheidung getroffen, einen neuen und moderneren Raketenzug zu entwickeln. Für diese Aufgabe ist das in Moskau ansässige Forschungsinstitut MITT zuständig. 

    U-Boot
    © Foto : Press-service of JSC "PO "Sevmas"

    Die Zeitung kommentiert: „Der Eisenbahn-Raketenkomplex ist in gewisser Hinsicht ein Äquivalent zu den Atom-U-Booten, die ebenfalls schwer zu orten und zu zerstören sind. Doch Atom-U-Boote operieren im Weltmeer außerhalb des nationalen Territoriums. Dort sind sie schwieriger zu lenken und können verschiedenen Aufklärungsmitteln und Waffen ausgesetzt sein … Dabei verfügt Russland über eine einmalige Ressource, das riesige souveräne Territorium. In diesem ‚Ozean an Land‘ ließe sich ein Eisenbahn-Raketenkomplex schwer entdecken – erst recht, wenn naturgegebene und künstliche Deckungen genutzt werden. Außerdem wären eisenbahngestützte Mittel und Standorte innerhalb des eigenen Hoheitsgebietes im Vergleich zu Atom-U-Booten viel billiger und leichter zu warten.“     

    „Von besonderem Interesse wären diese mobilen Eisenbahnkomplexe als effizientes Instrument gegen die neuen Pläne der USA für ihre seegestützte Raketenabwehr, deren Komponenten schnell in jedes Gebiet des Weltmeeres verlegt werden könnten. Eine Verlegung von Raketenzügen innerhalb Russlands ließe sich ja noch schneller abwickeln. Vor diesem Hintergrund ist die Entwicklung des neuen Eisenbahn-Raketenkomplexes Bargusin eine äußerst wichtige strategische Aufgabe“, schreibt die Zeitung abschließend.

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    Tags:
    BZRK, Start-3-Vertrag, Atom-U-Boot, USA, Russland