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    Die USA sind militärisch längst nicht so mächtig, wie Präsident Obama es in seiner Rede zur Lage der Nation im Repräsentantenhaus verkündet hat, schreibt Daniel Davis, ehemaliger Befehlshaber der US-Truppen in Afghanistan, im US-Fachmagazin „The National Interest“.

    Jagdflugzeuge F-22 Raptor
    © Foto : US Ministry of Defence / George Kale
    In der Operation „Desert Storm“ hätten die US-Amerikaner – nach einer in den Vereinigten Staaten vielfach vertretenen Meinung – einen Sieg über ihre restlichen Neurosen errungen. Damit hätten die USA das „Vietnam-Syndrom“ auskuriert und ihren Status als einzige militärische Supermacht behauptet. Der Sieg über den Irak Saddam Husseins habe den Nationalstolz der Amerikaner großgezogen. Jedoch habe sich dieser – als die Euphorie vorbei gewesen sei – in eine abstoßende Überheblichkeit verwandelt, die inzwischen das Wohlergehen der ganzen Nation bedrohe.

    Die Rüstungsprogramme des Pentagons verdeutlichten sehr genau, worin die Gefahr bestehe: „Es ist ein offenes Geheimnis, dass dieses System vernachlässigt, ineffizient und verschwenderisch ist. Die offiziellen Daten belegen dies. Das alleine ist bereits ein Grund zur Sorge. Schaut man jedoch über dieses Problem hinaus, ist die Lage weitaus bedrohlicher. Die nationale Sicherheit der USA ist in Gefahr“, so der Militärexperte.

    Infografik: Die US-Streitkräfte

    Ein zum Himmel schreiender Fehler des Pentagons sei sein im Jahr 2003 angelaufenes Future Combat Systems-Programm. Eine Umstrukturierung und Neuausrüstung der US-Armee sei darin vorgesehen gewesen. Sechs Jahre später habe der US-Verteidigungsminister das Vorhaben aufgrund zahlreicher Umsetzungsmängel gestoppt: „Auf diese Weise wurden alles in allem zehn Jahre verschwendet, die man für die Modernisierung der Streitkräfte gebraucht hätte, um so die Armeen der restlichen Welt noch weiter abzuhängen. Zudem erlitten die US-Streitkräfte dadurch einen immensen Imageschaden“, schreibt der Offizier und fügt hinzu: „Die beeindruckenden Unterschiede zwischen der Schlagkraft der USA und anderer Länder sind inzwischen zu einer statistisch vernachlässigbaren Größe zusammengeschrumpft.“

    Der Abstand im Rennen habe sich verringert, was Russland mit der Entwicklung und Einführung seines Mehrzweckkampfsystems „Armata“ verdeutliche.

    „Die Future Combat Systems sollten das System aller Systeme werden. Im Rahmen dieses Programms war die Einführung eines universellen Kettenfahrgestells geplant, das als Plattform für acht unterschiedliche Typen gepanzerter Kampffahrzeuge, einen Kampfpanzer und eine Panzerhaubitze dienen sollte. Nichts davon wurde umgesetzt, wohl aber wurden in zehn Jahren 20 Milliarden US-Dollar für das Vorhaben ausgegeben“, schreibt Davis.

    Hingegen habe Russland nur sechs Jahre gebraucht, um die modernsten Kampfsysteme wie den Kampfpanzer T-14 und den Schützenpanzer T-15 nach dem neuesten Stand der Technik zu entwerfen, zu erproben und bis zur Serienreife zu bringen, betont der Analyst.

    „Der T-14 erweist sich als mindestens ebenso widerstandsfähig und schlagkräftig wie der amerikanische ‚Abrams‘. 1991 hätte ‚Abrams‘ es mit jedem Panzer eines potentiellen Gegners aufgenommen und gesiegt. Diese Überlegenheit ist inzwischen verloren“, schreibt der Experte.

    Womit aber ist das Scheitern des Pentagon-Programms vor dem Hintergrund des Erfolgs von Moskau zu erklären? Nun: „Die USA werden gegenüber Russland militärisch in vieler Hinsicht schwächer, weil sie nach dem Irak-Feldzug selbstzerstörerisch überheblich geworden sind. Jetzt bekommen sie die Quittung dafür.“

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    Tags:
    T-14-Panzer, Panzer Abrams, Desert Storm, Pentagon, Russland, Irak, USA