19:42 24 Juni 2019
SNA Radio
    US-Flugabwehrraketensystem vom Typ Patriot in Türkei

    Waffenimporte und Nato-Mitgliedschaft: „Abhängigkeit der Türkei wird zunehmen“

    © AFP 2019 / Bulent Kilic
    Militär
    Zum Kurzlink
    459434

    Das Nordatlantische Bündnis braucht die Türkei zwar als zahlungskräftigen Waffenimporteur, doch falls Ankara einen Einmarsch in Syrien wagt, könnte sich die Nato von ihrem Mitglied distanzieren. Diese Prognose liefern russische Militärexperten.

    Der russische TV-Sender Swesda kommentiert am Freitag in seiner Online-Ausgabe, das türkische Vorgehen sei in letzter Zeit „äußerst inadäquat“. Ein Beleg dafür sei der Abschuss einer russischen Su-24 im syrischen Luftraum am 24. November 2015. Die aktuelle türkische Außenpolitik löse selbst in Brüssel Befremden aus. Trotzdem beeile sich die Nato nicht damit, sich von einem nützlichen und völlig abhängigen Verbündeten zu trennen, so der Kommentar. 

    Der russische Militärexperte Michail Chodarenok sagte dem Sender: „Vor allem sollte man darauf hinweisen, dass die Türkei nahezu komplett mit Militärtechnik aus den USA und aus Europa versorgt wird. Daher ist sie militärtechnisch äußerst abhängig.“

    Der Sender kommentiert weiter: „Auf solch einen einträglichen Käufer, der ständig bereit ist, kolossale Summen für den Waffenankauf auszugeben und damit die Rüstungsindustrie der Exporteure zu unterstützen, wird die Nato mit Sicherheit nicht verzichten. Laut allen Prognosen werden die türkischen Waffenimporte aus Amerika und Europa nur zunehmen, und zwar angesichts der unruhigen Lage in den Anrainerländern der Türkei. Folglich wird auch die Abhängigkeit der Türkei von den ‚freundlichen‘ Staaten weiter steigen.“

    Chodarenok erläuterte: „Zwar gewähren die USA der Türkei sozusagen eine weite Autonomie und schauen über vieles hinweg, was die Türken in der Region anrichten. Doch die US-Regierung hält die Türkei trotzdem an der kurzen Leine und hindert sie daran, große Dummheiten zu machen.“

    Vor zwei Wochen hatte die türkische Artillerie kurdische Stellungen im Norden Syriens unter Beschuss genommen. Nun beschäftigt sich der Sender mit der Frage, was geschehen würde, falls die Türkei einen Einmarsch in Syrien wagt. Der Militärexperte Viktor Litowkin wies auf die russische Militärpräsenz in Syrien hin und prognostizierte, das Nordatlantische Bündnis werde die Türkei im Fall ihrer Syrien-Intervention alleine lassen: „Dann wird sich die Türkei bereits als Aggressor, der gegen die Souveränität eines Anrainers verstößt, für ihr Vorgehen verantworten müssen.“ Einen Nato-Ausschluss der Türkei hält Litowkin trotzdem für kaum wahrscheinlich.

    Der Politik- und Militärexperte Alexander Perendschijew sagte: „Die Staats- und Regierungschefs europäischer Länder wie Deutschland oder Frankreich begreifen ausgezeichnet, welche Konsequenzen die türkische Politik für sie haben könnte. Bei einer günstigen Gelegenheit wären sie durchaus fähig, sich von der Türkei als Nato-Mitglied zu distanzieren.“

    In der Struktur der Nato reift laut Perendschijew längst eine Spaltung heran, die die Wahrscheinlichkeit einer Unterstützung für Ankara bei einem türkischen Syrien-Einmarsch wiederum verringert.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Türkisch-syrische Grenze: NATO verstärkt Aufklärung
    Türkei verletzt Souveränität Syriens - Nato verschließt die Augen
    Verstoß gegen Open Skies: Türkei rechnet mit Unterstützung von NATO und USA
    Nato-Radar-Flugzeuge sollen in die Türkei – gegen wen?
    Tags:
    Alexander Perendschijew, Michail Chodarenok, Russland, Europa, USA, Türkei