03:59 06 Dezember 2019
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    Atom-U-Boot Juri Dolgoruki

    Im Doppelpack: Russlands Marine plant besonderen Raketentest

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    Die russische Kriegsmarine plant einem Zeitungsbericht zufolge einen sehr komplizierten Testeinsatz. Es geht um einen nahezu synchronen Unterwasserstart ballistischer Langstreckenraketen. Im postsowjetischen Russland wurden bisher nur zwei solche Einsätze absolviert.

    Wie die Tageszeitung „Iswestija“ am Mittwoch berichtet, bereitet sich die russische Nordmeerflotte auf eine wichtige Übung vor. Die modernsten strategischen Atom-U-Boote „Juri Dolgoruki“ und „Wladimir Monomach“, die zur Borej-Klasse zählen, sollen demnächst in See stechen. Einem davon steht es dann bevor, mindestens zwei ballistische Interkontinental-Raketen des Typs Bulawa im Abstand von wenigen Sekunden abzufeuern.Welches konkrete Atom-U-Boot den Unterwasserstart übernimmt, will die Marineführung im Voraus nicht bekanntgeben, um die Aufgabe nicht zu erleichtern.

    Im postsowjetischen Russland hatte es nur zwei seegestützte Teststarts dieser Art gegeben. Im Jahr 2011 unternahm zunächst die „Juri Dolgoruki“ eine Testfahrt mit 16 Bulawa-Raketen an Bord. Abgefeuert wurden allerdings nur zwei davon.

    Wie ein Militärsprecher dem Blatt erläuterte, kam es damals nicht darauf an, alle vorhandenen Raketen abzufeuern, sondern auf die „Ungewissheit“: Weder die Besatzung noch die Rüstungsindustrie wusste im Voraus, welche Raketen zum Einsatz kommen sollen.

    Ende 2015 feuerte die „Wladimir Monomach“ zwei Bulawa-Raketen fast zeitgleich ab. Jener Test verlief nach Informationen der Zeitung allerdings nicht gerade reibungslos. Eine der Raketen explodierte in der Luft, die andere erreichte zwar planmäßig das Versuchsgelände Kura im Fernen Osten, traf ihr Ziel aber nicht präzise genug.

    Vor diesem Hintergrund wurden die restlichen mitgeführten Raketen, so der Bericht weiter, in den Produktionsort Wotkinsk zurückgeschickt und dort überprüft. Wie die zuständige Untersuchungskommission später herausfand, ging der Fehlschlag beim Teststart auf einen Produktionsdefekt zurück. Die Startvorrichtungen des Atom-U-Bootes erwiesen sich dagegen als völlig intakt. 

    Infografik: Russische Seestreitkräfte

    Anatoli Sitnow, einst Waffenchef im russischen Verteidigungsministerium, sagte dem Blatt, die Bulawa ist eine sehr komplizierte multifunktionale Rakete der 5. Generation: „Dass ihre Tests nun mit gewissen Schwierigkeiten verlaufen, ist nichts Außergewöhnliches.“

    Eine große Gefahr für die Besatzung bei solchen Tests besteht darin, dass das Wasser nach einem mehrfachen Unterwasserstart sofort in die leer gewordenen Raketencontainer strömt. Dies hatte etwa das sowjetische Atom-U-Boot „Nowomoskowsk“ im August 1991 erlebt. Es feuerte damals innerhalb von anderthalb Minuten sein ganzes Raketenarsenal ab – 16 ballistische Raketen. Dabei musste die „Nowomoskowsk“ 640 Tonnen Wasser „schlucken“. Die Besatzung schaffte es trotzdem, die waagerechte Ausrichtung des Atom-U-Bootes nicht zu verlieren – sonst wären weitere Raketenstarts unmöglich gewesen. Jener mehrfache Start bleibt bis heute ein ungebrochener militärtechnischer Weltrekord.

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    U-Boot Wladimir Monomach, Bulawa-Rakete, U-Boot Juri Dolgoruki, Russland