05:15 01 Dezember 2020
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    Neue Waffen für russische Armee (670)
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    Nachdem das russische Militär den Kauf von fünf Delfinen angekündigt hat, klären Experten über mögliche Einsätze auf. Laut Prognosen werden die Tiere eher für Suchaktionen eingesetzt. Delfine können aber auch tödlich sein – ein Beleg dafür sind frühere US-Militärprogramme.

    Dmitri Glasow, Experte der russischen Nichtregierungsorganisation Marine Mammal Council, vermutet, dass das russische  Militär die gekauften Delfine eher für Suchaktionen einsetzen wird. „Es wäre sehr teuer, eine Bombe oder eine Waffe aus einem Delfin zu machen“, erläuterte Glasow im Radiosender Kommersant FM.

    „Ein Tier wird im Alter von drei bis sieben Jahren gefangen. Das ist also ein Halbwüchsiger, denn die Lebensdauer bei Delfinen beträgt mehr als 30 Jahre. Es vergeht ziemlich viel Zeit, bevor man einem Delfin beibringt, bestimmte Kommandos zu erfüllen, um es dann ins Meer zu lassen, ohne zu befürchten, dass es verschwindet. Das Tier wird aufgezogen und trainiert. Das kostet viel Mühe“, sagte Glasow, um zu erklären, warum Sprengstoff-Einsätze eigentlich unrentabel wären.  

    Das russische Verteidigungsministerium will nach eigenen Angaben fünf Delfine kaufen. Der entsprechende Auftrag wurde in der laufenden Woche ausgeschrieben. Wie es hieß, sollen die Säugetiere im Ozeanarium Sewastopol auf der Krim leben und trainieren. Welche Einsätze konkret geplant sind, wurde nicht bekannt gegeben.

    Neben Sewastopol gibt es derzeit nur einen Standort weltweit, wo Delfine militärisch trainiert werden, und zwar im kalifornischen San Diego. Wie der russische Militärexperte Sergej Gorbatschow erläuterte, hatten die US-Amerikaner bereits während des Vietnamkrieges Delfine gegen Taucher eingesetzt.  

    „Dieses nett lächelnde Tier hat ein ernstzunehmendes Vernichtungs-Potenzial. Bei den Amerikanern erfolgten Attacken auf gegnerische Taucher mittels einer Nadel (…) Der Delfin näherte sich dem Schwimmer von hinten, griff an und der Mensch starb. Der Vorteil eines Delfins besteht darin, dass man sich vor ihm nicht retten kann. Es ist unmöglich, seinem Angriff auzuweichen. Denn der Delfin attackiert immer von hinten – und der Mensch unter Wasser kann ihn nicht sehen“, kommentierte Gorbatschow für Kommersant FM.

    Die Sowjetunion hatte in den 1960er Jahren mit militärischen Trainingsprogrammen für Delfine begonnen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde das Projekt eingestellt. Doch nach der Übernahme der Krim durch Russland wurde ein Neustart gemeldet. Ende 2014 absolvierten Spezialkräfte der russischen Schwarzmeerflotte ihre erste Übung mit Kampfdelfinen in Sewastopol. Die Übung zielte darauf ab, gegnerisches Militärgerät und Minen zu suchen.

    Der russische Militärexperte Igor Korotschenko kommentierte damals: „Sabotage-Angriffe auf Standorte der russischen Schwarzmeerflotte auf der Krim sind nicht auszuschließen. Es wäre deshalb eine völlig gerechtfertigte Lösung, Kampftiere einzusetzen, um dagegen vorzugehen (…) Im Hinblick auf die Pläne der Amerikaner, Übungen mit Kampftieren im Schwarzen Meer zu absolvieren, brauchen wir ein eigenes Potenzial. Der Einsatz von Delfinen und weiteren Meerestieren, um die Buchten von Sewastopol zu schützen, ist deshalb eine vernünftige Entscheidung“.

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    Delfine, Dmitri Glasow, Igor Korotschenko, Krim, USA, Russland