02:49 07 Dezember 2019
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    Saudi-Arabien Luftschläge gegen Rebellen

    Nach jüngstem Blutbad im Jemen: Riad reduziert Luftschläge gegen Rebellen

    © REUTERS / Abedullah al-Desori
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    Saudi-Arabien reduziert nach dem jüngsten Angriff auf einen Markt in der Provinz Hadscha die Zahl seiner Luftangriffe im Jemen, der mehr als hundert Opfer forderte, wie ein Sprecher der saudischen Luftwaffe gegenüber dem TV-Sender BBC mitteilte.

    Die von den USA unterstützte Koalition arabischer Staaten will die jemenitische Regierung im Kampf gegen die Huthi-Rebellen aus der Luft jedoch weiter unterstützen.

    Nach Angaben der Uno fanden am 15. März bei dem Luftangriff auf das von schiitischen Rebellen kontrollierte Stadtgebiet 119 Personen den Tod. Mindestens zwei Geschosse sollen laut Augenzeugen einen Markt in der Region Mastaba im Westjemen getroffen haben. In den folgenden Tagen hat sich die Zahl der Opfer bereits fast verdoppelt. Unter den Toten befinden sich nach Angaben internationaler Organisationen auch 22 Kinder. Videoaufnahmen vom Unglücksort zeigen mehrere Kinderopfer.

    Wie ein saudischer Militärsprecher mitteilte, wolle die Koalition den Angriff auf den Markt in Hadscha genau untersuchen. Es hieß, die Angriffe am 15. März hätten einem Sammelpunkt der Huthi-Rebellen etwa zehn Kilometer entfernt von dem Markt gegolten. „Unabhängige Quellen vor Ort behaupten, 80 Prozent der Opfer des Angriffes seien Huthi-Kräfte gewesen“, erklärte ein Sprecher Riads.

    Dieser Angriff war der blutigste seit dem Luftschlag gegen eine Hochzeitsgesellschaft im September 2015. Damals waren von den Dorfbewohnern und Hochzeitsgästen mehr als 130 Menschen ums Leben gekommen. Ein jemenitischer Regierungssprecher hatte diesbezüglich erklärt, der Angriff sei „ein Versehen“ gewesen.

    Ähnliche Fälle sind leider keine Seltenheit. Menschenrechtler haben das Vorgehen der Militärkoalition im Jemen schon mehrmals verurteilt. So hat Amnesty International der Koalition arabischer Länder mit Saudi-Arabien an der Spitze vorgeworfen, bewusst Schulen zu bombardieren. Zudem hatte eine UN-Kommission in diesem Januar aufgedeckt, dass weitere Luftschläge der Koalition gegen friedliche Bürger des Jemen gerichtet waren. Wie die Agentur AP mitteilte, seien Experten zu dem Schluss gelangt, dass einige dieser Angriffe ein klares Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellten.

    Der Bürgerkrieg tobt im Jemen seit mehreren Jahren. Eine an den Kampfhandlungen beteiligte Seite setzt sich aus dem militärischen Flügel der Huthi, der Bewegung „Ansar Allah“ und dem dem Ex-Präsidenten Ali Abdullah Salih treuen Teil der Armee zusammen. Ihnen gegenüber stehen die Truppen des von ihnen vertriebenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi.

    Im Januar 2015 eroberten die Huthi die jemenitische Hauptstadt Sanaa. Präsident Hadi sah sich gezwungen, nach Aden zu flüchten. Als die Rebellen dann im März in die Stadt vordrangen, verließ Hadi den Jemen und ersuchte die von den USA unterstützte internationale Koalition arabischer Staaten um Hilfe. Seitdem abloviert Saudi-Arabien mit Unterstützung von Bahrain, Katar, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten eine Luftoperationen gegen die Huthi-Rebellen.

    Der Konflikt hat bisher 6.200 friedliche Menschen getötet, Millionen weitere sind obdachlos geworden. Der zu den weltweit ärmsten Ländern zählende arabische Staat befindet sich am Rande einer Hungersnot. Im Jemen wurde schon mehrmals eine Waffenruhe verkündet, aber es war nie gelungen, eine faktische Einstellung der Kampfhandlungen durchzusetzen.

    Die Huthi sind eine Gruppierung der schiitischen Zaiditen (Dscharuditen), die auf dem Territorium des Jemen agieren.

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