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    Friedensforscher: Nato erfindet sich eigene Feindeswelt

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    Beziehungen Russlands mit den Nato-Staaten (247)
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    Am 4. April 1949 war in den USA das militärpolitische Bündnis Nato gegründet worden. Als Grund für diesen Schritt wurde „die Verteidigung Europas gegen den sowjetischen Einfluss“ genannt. In den vergangen 67 Jahren haben sich 28 Länder der Allianz angeschlossen.

    Operation der NATO gegen die damalige Bundesrepublik Jugoslawien
    © AFP 2019 / Jean-Philippe Ksiazek
    Den wichtigsten Gegner der Nato, nämlich die Warschauer-Pakt-Staaten, gibt es schon längst nicht mehr, aber die Allianz dehnt sich immer weiter aus. Der Direktor der Transnational Foundation for Peace and Future Research, Jan Oberg, ist der Meinung, dass die Nato aktuell im Grunde der größte Aggressor auf der Welt ist, obwohl sie ursprünglich für die Eindämmung von Aggressionen gegen souveräne Staaten gegründet worden sei.

    Um sich in Form zu halten, braucht das Bündnis aber viel Geld: Die Nato-Mitgliedsländer sind daher verpflichtet, jedes Jahr zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigungszwecke auszugeben. In Wahrheit erfüllen allerdings nur die USA, Großbritannien, Polen, Griechenland und Estland diese Bedingung. Diese enormen Ausgaben werden damit gerechtfertigt, dass die Allianz Russland widerstehen können muss.

    „Falls Russland einen Konflikt mit der Nato wagt, wird es mit der Militärstärke von 28 Ländern zu tun haben, wie auch mit der Wirtschaft von 28 Ländern“, erklärte der Vorsitzende der Joint Chiefs of Staff (US-Generalstab), Joseph Dunford.

    „Die Nato will eine Intervention seitens Russlands unterbinden“, betonte seinerseits der britische Verteidigungsminister Michael Fallon. 

    1949 hatten nur ein Dutzend Länder der Nato angehört. 1999 traten aber mehrere frühere Mitgliedsländer des Warschauer Pakts dem Bündnis bei. Derzeit gehören 28 Länder zur Nato.

    Zudem wollen Länder wie Montenegro, Georgien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina der Allianz beitreten. Jan Oberg hält die ständige Nato-Erweiterung für aggressiv.

    „Wenn sich die Nordatlantische Allianz mit ihren ursprünglichen Aufgaben befasst hätte, dann hätte sie zumindest bis 1989 nützlich gehandelt“, so der Experte. „Ich verstehe nicht, wozu die intensive Nato-Expansion nötig ist. Je mehr Mitglieder es werden, desto mehr innere Konflikte wird es geben. Glauben Sie mir: Die meisten Menschen auf der Welt halten die Nato für einen Aggressor. Aber der Westen kann nicht ohne die Gestalt eines Feindes leben“, so Oberg.

    Nach seiner Auffassung sollte die Allianz endlich mit der ständigen Suche nach Feinden auf der ganzen Welt aufhören. „Wann können wir uns im Westen endlich entspannen und sagen, dass wir mit der ganzen Welt Freund sein wollen? Wann hören wir endlich auf, nach Feinden im Nahen Osten, in Osteuropa, in China usw. zu suchen? Der Westen sieht überall Feinde, und ich fürchte, er kreiert sie selbst. Die Welt hat sich verändert, und wir müssten kooperieren und Freundschaften anknüpfen. Wir müssten eine Politik ausüben, die andere Länder zum Zusammenwirken mit uns auffordern würde, anstatt sie ständig zu provozieren und dann zu erwarten, dass man uns gegenüber gut gesinnt ist“, so Oberg weiter.

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    NATO, Joseph Dunford, Russland