14:55 20 Juli 2018
SNA Radio
    Nato-Übung

    Russland-Politik der Nato: „Vasall und Instrument der USA, um Europa zu knechten“

    © Flickr/ U.S. Marine Corps/Cpl. Matthew Callahan
    Militär
    Zum Kurzlink
    81224

    Da das Nordatlantische Bündnis von den USA völlig abhängig ist, sollte Moskau lieber einen Dialog unmittelbar mit Washington führen. Diese Meinung äußert der russische Militärexperte Viktor Litowkin im Hinblick auf die jüngste Tagung des Nato-Russland-Rates.

    In einem Kommentar für die Tageszeitung „Iswestija“ schreibt Litowkin: „Warum beschloss das Nordatlantische Bündnis, die Arbeit des Nato-Russland-Rates wiederaufzunehmen? Dafür gibt es mehrere Gründe. Den ersten und wichtigsten davon machen die Erfolge der russischen Streitkräfte beim Anti-Terror-Einsatz in Syrien aus. In Brüssel und Washington begriff man, dass Russland ernst zu nehmen ist – man muss mit ihm zumindest einen Dialog führen. Für die öffentliche Meinung weltweit will die Nato-Führung außerdem ihren friedliebenden Charakter demonstrieren.“

    „Warum willigte Russland ein, mit der Nato zu tagen? Für mich persönlich ist das eine große Frage. Zwar bin ich mir darüber im Klaren, dass die Nato eine objektive Realität darstellt, mit der man irgendwie zusammenwirken muss – Reden ist besser als Krieg (…) Doch es ist für mich – und für andere Beobachter wohl auch – offensichtlich, dass die Nato keine selbständige Organisation ist, kein militärpolitisches und Verteidigungsbündnis von 28 souveränen und unabhängigen Staaten“, so Litowkin.  

    Er betont: „Die Allianz ist ein Vasall der Vereinigten Staaten, ein gut bewährtes militärpolitisches Instrument Washingtons, um Europa zu knechten und zu lenken. Es gibt ein simples Beispiel: Der Nato-Etat besteht zu 75 Prozent aus US-Geld.“  

    Zu einer „Meuterei“ gegen die USA komme es innerhalb der Nato nur selten: „Charles de Gaulle zog Frankreich einst aus der Militärorganisation der Nato zurück und ließ das Hauptquartier der Allianz aus Paris entfernen. Und während des zweiten Golfkrieges weigerten sich der französische Präsident Jacques Chirac und der deutsche Kanzler Gerhard Schröder, ihre Truppen in den Irak zu entsenden. Seitdem tut Washington alles Mögliche und Unmögliche, damit die Persönlichkeiten wie de Gaulle, Chirac und Schröder keine Spitzenpositionen mehr in den europäischen Ländern einnehmen.“

    „Ich bin überzeugt: Russland sollte zwar natürlich einen Dialog mit der Nato führen, es wäre jedoch völlig naiv, darauf zu hoffen, sich in Brüssel auf etwas zu verständigen, über etwas zu entscheiden oder irgendwelche Garantien zu bekommen. Reden muss man mit Washington, dem Lehnsherrn der europäischen Vasallen“, mahnt Litowkin. 

    Mehr zum Thema: Russland-Nato-Rat: Vorerst keine Rückkehr zur praktischen Kooperation

    Er beschäftigt sich mit dem Gedanken, ob man auf „leeres Gerede“ im Nato-Russland-Rat überhaupt verzichten sollte, um stattdessen ein russisch-amerikanisches Gremium zu gründen. „Einst hatten wir mit Washington ja das 2+2-Format, an dem die Außen- und Verteidigungsminister der beiden Länder teilnahmen. Ich denke, jene Arbeit sollte auf regelmäßiger Basis wiederaufgenommen werden (…) Moskau und Washington sollten einen Dialog ohne Vermittler führen. Jens Stoltenberg und Ko mögen sich unterdessen eine Rauchpause gönnen. Man wird sie rufen, wenn man sie braucht“, so Litowkin zum Schluss.

    Zum Thema:

    Friedensforscher: Nato erfindet sich eigene Feindeswelt
    Skandal nahe Staatsgrenze: Sowjetische Su-27 bekleckert Nato-Spion
    Botschafter: Nato „zwingt Russland konfrontativen Kurs auf“
    „Die Russen stehen vor der Tür“: Moskau stellt Nato-Absurdität bloß
    Tags:
    EU, NATO, Viktor Litowkin, Russland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren