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06:44 19 September 2019
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    Österreichs Vize-Kanzler Heinz-Christian Strache (l.) und Regierungschef Sebastian Kurz (Archivbild)

    Was, wenn dein Vize von Holocaustleugnern repostet? „Schweigekanzler ist froh ...“

    © AFP 2019 / APA / Georg Hochmuth
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    Kanzler Kurz muss endlich handeln und seinen Vizekanzler Heinz-Christian Strache entlassen, fordert der SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda. Zuvor hatte Strache ein Posting geteilt, weswegen er nun unter massivem Druck steht. Denn: die Seite leugnet Holocaust und hat auch mal für Hitler geworben. Sputnik gewährt Einblicke in die Diskussion.

    Eigentlich hat entweder Strache (FPÖ) selbst oder sein Social-Media-Team am Samstag sowohl auf seiner beruflichen als auch auf der privaten Facebook-Seite einen Beitrag des Onlineportals „Zaro News“ gepostet, wonach der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Ümit Vural, gegen Strache wegen Verhetzung Anzeige erstattet hatte. „Nein, ich lasse mich sicher nicht mundtot machen“, kommentierte Strache den Repost — und löste damit einen massiven Schitstorm aus. Das umstrittene Portal hatte zuvor in mehreren Texten antisemitische Verschwörungstheorien verbreitet sowie Bücher empfohlen, die angeblich Adolf Hitler als Retter vor der „jüdischen Gefahr“ feiern.          

    Strache selbst wies die Vorwürfe zurück und sprach von „Silberstein-Methoden“ (die politische Affäre beim Wahlkampf zur Nationalratswahl in Österreich 2017 richtete sich gegen Sebastian Kurz (ÖVP) und wurde vorwiegend unter falscher Urheberschaft über anonyme Facebook-Seiten geführt — Anm. d. Red.). Der FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker kommentierte bereits, dass zum Zeitpunkt der Veröffentlichung auf dem besagten Portal keine antisemitischen oder gar den Holocaust leugnenden Artikel sichtbar gewesen seien.

    „Rote Linie überschritten“

    Doch wurde Straches Beitrag in der Nacht auf Sonntag von beiden Seiten gelöscht, darauf folgte eine Stellungnahme. „Strache verwehrt sich gegen diffamierende Unterstellungen, er habe eine Facebookseite mit rechtsradikalen Inhalten geteilt“, so die Botschaft. Doch die Debatte rund um seine ideologischen Hintergründe war schon längst ausgelöst. So forderte der Bundesgeschäftsführer der oppositionellen Sozialdemokratischen Partei Österreichs den Bundeskanzler Kurz auf, dass er „umgehend für die Entlassung seines Vizekanzlers sorgt“. Es sei eine rote Linie, die eindeutig überschritten würde.

    Die Aufforderung findet bereits viele Anhänger im Netz. So glaubt unter anderem auch der Twitter-Nutzer Stefan A. Sengl nicht, dass „einer der professionellsten Facebook-Seiten des Landes“ ein Missgeschick passiere.

    Der Ingenieurkonsulent und —pädagoge Leopold Stammler hat den Bundespräsidenten zum Handeln aufgerufen, nachdem er noch einen offenen Brief an Kanzler Kurz geschrieben hatte. Er verweist unter anderem auf die „wiederkehrend eindeutigen Beweise engster Verbindungen der FPÖ zu rechtsradikalen Kreisen “.  

    Die Filmemacherin Barbara Kaufmann kann sich nicht vorstellen, „dass es der ÖVP egal ist, wenn der Koalitionspartner Artikel von Seiten teilt, die den Holocaust leugnen “.

    Es fanden sich sogar jene, die den Bundeskanzler nach dem Vizekanzler beurteilen wollen. Einem gewissen Nutzer „Speis“ zufolge ist Bundeskanzler Kurz selbst ein Rechtsextremer geworden.

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    Es fanden sich aber auch diejenigen, die das Thema vom anderen Standpunkt hinterfragt haben. So vermutet die Oe24-Journalistin Isabelle Daniel, dass das eigentliche Problem die angeblich schlechte Medienkompetenz seiner Partei sei.  

    Der Nutzer Michael Raunig habe unter anderem „den leisen Verdacht“, dass Straches Umfeld ihn politisch abmontieren wolle. In den Kommentaren zu seinem Posting bemängelt er erneut die Schweigsamkeit des Bundeskanzlers. „Der Schweigekanzler 2.0 ist froh, dass er Economy fliegen darf und Strache ihn das lässt“, so sein Argument.

    Strache längst wegen widersprüchlicher Taten unter Druck

    Im Rückblick auf einige umstrittene Fakten aus Straches Vergangenheit wie die Nähe zum NDP-Chef und dem rechtskräftig verurteilten Terroristen Norbert Burger oder die Jahre in der Neonazi-Szene steht der Vizekanzler bei manchen ohnehin längst im Verdacht. Mit seinen Facebook-Postings hat Strache übrigens auch für Schlagzeilen gesorgt. Im Jahr 2012 hatte er die Karikatur eines Bankers gepostet, die viele Menschen als antisemitisch bezeichneten. In den vergangenen Jahren hat der FPÖ-Chef immer wieder betont, dass Antisemitismus in seiner Partei keinen Platz habe.

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    Tags:
    Bundeskanzler, Extremismus, Holocaust, ÖVP, Freiheitspartei Österreichs (FPÖ)