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07:41 13 November 2019
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    Das Atomkraftwerk Mochovce  in der Slowakei mit den Reaktoren Mochovce  1 und 2

    Österreich in Alarmstimmung: Neues osteuropäisches AKW geht bald an Landesgrenze in Betrieb

    © AP Photo / PETR DAVID JOSEK
    Österreich
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    Es ist der erste AKW-Neubau in der EU seit langem – in der slowakischen Stadt Mochovce sollen bald zwei neue Reaktorblöcke starten. In Österreich sorgt das Ganze alles andere als für Feierstimmung, denn die Reaktoren liegen nur 160 Kilometer von Wien entfernt.

    Nur 160 Kilometer von Wien entfernt sollen zwei neue Reaktorblöcke in Betrieb genommen werden – und zwar in der slowakischen Stadt Mochovce.

    Mochovce 3 und 4 sind die ersten neuen Reaktoren in der EU seit Jahrzehnten. Wie die „Neue Züricher Zeitung“ in diesem Zusammenhang schreibt, liegen in Österreich deswegen die Nerven blank.

    Eine breite Allianz von Politikern, Umweltaktivisten und Boulevardmedien will mit einer Kampagne den angeblichen „Schrottreaktor“ verhindern. Sogar der ehemalige Bundeskanzler Sebastian Kurz posierte vor Kurzem mit einem „Stopp Mochovce“-Schild und erklärte, man müsse den Ausbau des AKW mit allen Mitteln verhindern.

    Die Menschen in Mochovce sehen das aber ganz anders. Die Betreiberfirma, der slowakische Ex-Strom-Monopolist Slovenske Elektrarne, betont regelmäßig, dass die Slowakei weltweit das Land mit dem zweitgrößten Anteil an Atomstrom ist – rund 55 Prozent der Stromproduktion sollen aus AKWs stammen.

    Nur Frankreich liege mit seinen 72 Prozent vorne.

    Die Slowaken sehen das Ganze auch als Teil einer umweltfreundlichen Strategie.

    „In der Slowakei produzieren wir 70 Prozent des Stroms aus CO2-freien Quellen – Atomenergie und Wasserkraft. Das ist viel mehr als etwa in Deutschland oder Polen“, betont stolz der AKW-Kommunikationschef Robert Holy.

    Viele Probleme beim neuen AKW?

    Doch auch die Österreicher haben ihre Argumente für den Unmut. Eigentlich hätten die Anlagen Mochovce 3 und 4 schon im Jahr 2012 beziehungsweise 2013 in Betrieb gehen sollen.

    Doch es gab Probleme. Mehrere Baufirmen wechselten sich ab, andere gingen in Konkurs. Auch die Projektführung wechselte mehrfach. Durch die vielen kleinen und großen Probleme stiegen die Kosten von ursprünglich geplanten 2,8 Mrd. € auf nunmehr 5,7 Mrd. €

    Möglicherweise deshalb hat sich in Österreich fest die Sicht eingestellt, dass  beim Bau der neuen Reaktorblöcke heftig geschlampt wurde.

    Es seien „Schrottreaktoren“ alter sowjetischer Bauart, so die rabiate Einschätzung der Projekt-Gegner.

    Bald kamen Gerüchte und Meldungen über angebliche löchrige Schutzhüllen auf.

    „In Mochovce droht ein Super-GAU!“, titelte gar Österreichs größte Boulevardzeitung – die „Kronen-Zeitung“.

    Slowakei verärgert über ungerechtfertigte Kritik

    Die Slowaken zeigten sich unterdessen verärgert über diese Angriffe aus der Alpenrepublik.

    „Wir haben der AKW-Betreiberfirma bereits 2008 klare Vorgaben zur Erdbebensicherheit gemacht. Die Bohrarbeiten an der Hülle dienten gerade dazu, Metallplatten anzubringen, die die Erdbebensicherheit wichtiger Komponenten erhöhen“, sagte Marta Ziakova, die Chefin der slowakischen Atomaufsichtsbehörde UJD, bei einem Gespräch in Bratislava.

    Man habe alle Bedenken „sehr ernst genommen und dann nachgeprüft. Die Tests zeigten, dass die Hülle allen Sicherheitsanforderungen entspricht.“

    Wie die NZZ in diesem Zusammenhang betont, seien die Vorwürfe über „Schrottreaktoren“ tatsächlich ungerechtfertigt.

    „In Österreich blendet man gerne die Tatsache aus, dass mit Mochovce 1 und 2 zwei Reaktoren so gut wie gleicher Bauart bereits seit rund zwanzig Jahren in Betrieb sind. Es handelt sich um sowjetische Druckwasserreaktoren (WWER), aufgerüstet mit westlichen Komponenten.“

    Es habe in diesen Reaktoren nie ernsthafte Störungen gegeben, ebenso wenig wie im anderen slowakischen AKW in Bohunice.

    „Es sind sichere Reaktoren. (…) Für uns ist es ein Déjà-vu. Schon beim Bau der Reaktoren Mochovce 1 und 2 hieß es aus Österreich, das seien ‚Schrottreaktoren‘. So lässt sich schwer eine vernünftige Diskussion führen“, zog dazu Ziakova ihr Fazit und zeigte ihre Verärgerung über die nachbarschaftliche Kritik.

    ng/

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    Tags:
    Kritik, AKW, Wien, Österreich