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02:41 21 Juli 2019
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    Österreichs Ex-Kanzler Sebastian Kurz am 21. Mai 2019 in Wien

    Gewinnt Sebastian Kurz die Wahl wieder? Wiener Sozialforscher antwortet

    © AP Photo / Michael Gruber
    Österreich
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    Nikolaj Jolkin
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    Drei Monate vor den vorgezogen Wahlen zum Nationalrat am 29. September schaut es laut Daniel Witzeling, Leiter des Humaninstituts in Wien, der die Sonntagsfrage analysierte, so aus, dass Sebastian Kurz uneinholbar vorne liegt.

    Das sei aber eine lange Zeit, sagte er im Sputnik-Interview, und da könne sehr viel noch passieren. „Da kann Kurz auch Fehler machen. Eines steht aber fest, Österreich steht vor einem Wendepunkt. Es wird sich zeigen, ob es wieder eine eher linksorientierte Regierung geben wird, oder es kommt zu einer neuen Auflage der konservativen Regierung unter Altkanzler Kurz. Das ist jetzt noch komplett offen, und man kann seriös noch nicht sagen, welche Koalition regieren wird.“

    Der Sozialforscher fährt fort: „Den Ibiza-Skandal, ein aufgelegter Elfmeter wie im Fußball, konnte die SPÖ nicht nutzen, weil ihre neue Spitzenkandidatin, eine habilitierte Ärztin, es nicht schafft, die Menschen emotional anzusprechen. Zwar ist sie eine intelligente Frau, wird aber durch den Parteiapparat und Berater so blockiert, dass sie ihre Natürlichkeit nicht entwickeln kann.“

    Auf der Welle des Klimahipes, Greta Thunberg, könnten die Grünen, meint Witzeling, witzigerweise bis zu um die zehn Prozent wieder erreichen. „Damit ist der Wiedereinzug in das Nationalhaus mehr oder weniger fit. Auch Neoliberale von der Neos als Oppositions- und Kontrollpartei können sicher ein gutes Ergebnis erwarten und wieder den Einzug schaffen. Was aber feststeht, die Menschen werden jetzt sehr stark auf Inhalte schauen, soziale Sicherheit, welchen Hintergrund gibt es im Land und wer wird wirklich was einhalten. Nach dem Ibiza-Skandal hat das Image aller Parteien sehr stark gelitten. Da ist niemand unbeschädigt daraus gegangen.“

    Wird die FPÖ abgestraft oder besser abschneiden als erwartet?

    Die Partei sei die ganz große Unbekannte bei den kommenden Wahlen, so der Experte, „frei nach dem österreichischen Individualpsychologen Erwin Ringe wird sich zeigen, wie das Pendel der Wähler schwenkt. Es ist möglich, dass die FPÖ abgestraft wird und weit unter 20 Prozent fällt, so um 18 Prozent, oder sie könnte durchaus besser abschneiden als gedacht. Denn mit Norbert Hofer hat die Partei einen erfahrenen Wahlkämpfer und mit Herbert Kickl einen Strategen. Man könnte die FPÖ unterschätzen, sie kann aber sogar über 20 Prozent wieder zulegen kommen.“

    Spielt das Thema Russland eine Rolle bei der Wahl?

    „Man könnte witzig formulieren“, antwortet der Sozialforscher, „dass die Oligarchen aus Russland die Regierung gestürzt haben, die auf eine bis zwei Amtsperioden ausgelegt wurde, und das hat laut Umfragen erst so ausgeschaut, als könnte sie niemand schlagen. Dies hat aber mit Russland selber nichts zu tun. Was aber feststeht, ist, dass die Beziehungen zwischen Österreich und Russland nicht über Politiker laufen, sondern über die Menschen. Und da hat Russland und seine Menschen ein relativ gutes Denken in Österreich.“

    Das werde eine neue Regierung, welche Zusammensetzung sie auch haben möge, nicht stören können, ist sich Witzeling sicher. „Russland hat eine qualitative Tiefe erreicht, dass jede Regierungskonstellation gut beraten ist, mit Russland weiterhin den positiven Vertrauensweg weiterzugehen. Da wird Österreich einfach, ob das jetzt eine eher linkere oder doch eine rechte Regierung wird, immer einen guten Draht nach Russland haben.“

    Das komplette Interview mit Daniel Witzeling zum Nachhören:

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    Tags:
    Chancen, Skandal, Ibiza, Freiheitspartei Österreichs (FPÖ), Herbert Kickl, Sebastian Kurz, Wahl, Regierung, Österreich