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16:37 12 November 2019
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    Vizepräsident der Wirtschaftskammer Österreichs (WKÖ) Richard Schenz

    Verhältnis zu Russland darf man nicht den Hitzköpfen überlassen – WKÖ-Vize Schenz

    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
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    In Moskau weiß man, dass die Sanktionsbeschränkungen gegen Russland, die von Übersee aufgezwungen sind, von österreichischen Geschäftskreisen negativ bewertet werden, sagte der Vorsitzende der Russischen Handelskammer, Sergej Katyrin, bei der Eröffnung des Österreichisch-Russischen Geschäftsrates in der russischen Metropole.

    Das russische Business hoffe, so Katyrin, dass nach dem Wahlsieg von Sebastian Kurz seine neue Regierung der österreichisch-russischen Zusammenarbeit einen neuen Schwung verleihen wird. Dem stimmte auch der Vizepräsident der Wirtschaftskammer Österreichs (WKÖ), Richard Schenz, zu. Es gehe heute um die Wiederherstellung der bisherigen Dynamik, betonte er.

    „Über 600 österreichische Unternehmen halten weiterhin ihre Präsenz in Russland aufrecht, und niemand denkt daran, aufgrund der von externen wie auch internen Faktoren beeinflussten Wirtschaftslage in Russland das Land zu verlassen. Die schwierigen Jahre haben uns bewiesen, dass es sich lohnt, durchzuhalten und die Herausforderungen anzunehmen.“

    Der WKÖ-Vize beschönigte nicht, was die momentane Lage im Verhältnis der Europäischen Union zu Russland betrifft. Aber durch gemeinsame Anstrengungen von durch Vernunft geleiteten Politikern, so Schenz, werde sich ein Weg aus der schwierigen Situation finden lassen: „Das Feld darf nicht den Hitzköpfen überlassen bleiben. Wie wir es wissen, hat die Rezession in Russland auch strukturelle Gründe, wie auch im Übrigen in Österreich: die hohe Abhängigkeit von Rohstoffexporten und der damit verbundene Durchschlag auf die Stabilität der Währung, die dringend Reformen fordert.“

    Der Vorsitzende des Geschäftsrats von der österreichischen Seite Helmut List
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Der Vorsitzende des Geschäftsrats von der österreichischen Seite Helmut List

    Schenz konnte nicht verheimlichen, dass auch Österreich ein hohes Maß an Notwendigkeit für strukturelle Reformen angesammelt habe und dass auch die Wirtschaftsleistung in der Alpenrepublik erhöht werden müsse, um dauerhaft die Verpflichtungen dem Bürger gegenüber erfüllen zu können. Er unterstrich außerdem, dass der Markt der Eurasischen Wirtschaftsunion mit über 180 Millionen Einwohnern für Österreich sowie für die gesamte EU von enormer Bedeutung sei: „Das wissen auch die Amerikaner. Der in Gang kommende Dialog zwischen der EU und der Eurasischen Wirtschaftsunion muss daher belebt und angetrieben werden, um alle darin befindlichen Potentiale zu heben.“

    Darüber hinaus befürworte Österreich die langfristige Entwicklung eines einheitlichen Wirtschaftsraumes von Lissabon bis Wladiwostok, fuhr Schenz fort. „Wir stehen dafür ein, das Voranschreiten dieses entscheidenden Projektes zu unterstützen. Das wäre eine fantastische Entwicklung, wo wir auch anderen Ländern die Stirn bieten könnten.“

    Die zahlreich nach Moskau gereisten österreichischen Unternehmer zeigten sich durch die spürbaren Schwierigkeiten und Verwerfungen nicht entmutigt, sondern bereit, ihren Marktanteil in Russland zu verteidigen. Der WKÖ-Vizepräsident resümierte: „Der Dialog und das Zusammenrücken in schwierigen Zeiten ist unter Freunden und Partnern ein natürliches Vorgehen.“

    Freundlich empfangen wurde von den Mitgliedern des Österreichisch-Russischen Geschäftsrates der Gouverneur der Region Samara an der mittleren Wolga, Dmitri Asarow, laut dem die Einheimischen bereits 1881 von dem österreichischen Auswanderer Alfred Ritter von Vacano gelernt hätten, das in Russland berühmte Weißbier Schiguljowskoje zu brauen.

    Asarow lud die österreichischen Unternehmer ein, sich auch an der Ausrüstung des ersten intelligenten Autos zu beteiligen, das ab Jahresende eine ebenfalls intelligente Straße in dieser Region befahren soll. Diese Technologie, so der Gouverneur, soll auch am Elektromobil getestet werden, das inzwischen zum Serienanlauf bereit ist: „Beides sind Erzeugnisse der Autowerke in der Stadt Togliatti, wo die in Europa bekannten Ladas hergestellt werden. Vor Jahresende soll ferner der Bau der riesigen Wolga-Brücke beginnen, die eine große Infrastrukturanlage auf dem Weg von Europa nach Westchina darstellen wird.“

    Der Vorsitzende des Geschäftsrats von der österreichischen Seite Helmut List unterschreibt einen der Verträge
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Der Vorsitzende des Geschäftsrats von der österreichischen Seite Helmut List unterschreibt einen der Verträge

    Aktuell wird an der Umsetzung von 26 strategischen Projekten gearbeitet, die auf ein Gesamtvolumen von mehr als vier Milliarden Euro geschätzt werden, teilte der Vorsitzende des Geschäftsrates von österreichischer Seite, Helmut List, mit:

    „Die russische Regierung setzt auf private Investitionen, Digitalisierung der Wirtschaft und Steigerung der Arbeitsproduktivität. Die angestrebte Modernisierung und Diversifizierung der russischen Wirtschaft können wir, die österreichischen Partner, mit interessanten modernen Technologien und Verfahren positiv mitgestalten.“

    List unterstrich, dass ausländische Investoren dadurch Steuervorteile, staatliche Subventionen und vorteilhafte Lokalisierungsbedingungen im Gegenzug zu Schlüsseltechnologie und Know-how-Transfer erhalten: „Nach starken Rückgängen seit der Krise 2014 setzt sich der Aufwärtstrend des bilateralen Handels der letzten beiden Jahre auch 2019 fort. Für die österreichischen Teilnehmer ist die Tagung des Geschäftsrates die erste Station einer spannenden Zukunftsreise zur Digitalisierung von Industrieprozessen und zur künstlichen Intelligenz, die unter anderem zu interessanten russischen High-Tech-Firmen führen wird.“

    Seit 2007 tagt der Österreichisch-Russische Geschäftsrat regelmäßig ein Mal pro Jahr. Nach Vorträgen über die aktuelle Situation, Chancen und Problemen bei Geschäften zwischen Österreich und Russland wurden im Rahmen von Arbeitsgruppen konkrete Geschäftsmöglichkeiten zwischen den teilnehmenden Unternehmen in Maschinenbau, Energiewirtschaft, Verkehr und anderen Industriebranchen diskutiert. Dabei ging es u.a. um Innovationen und Entwicklung der Infrastruktur und Finanzierungsmöglichkeiten, aber auch um etwaige Hindernisse in den bilateralen Geschäften. Österreichische Unternehmen sind fast in der Hälfte der russischen Regionen erfolgreich tätig, und zwar nicht nur in Zentralrussland, sondern auch im Ural und an der Wolga.

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    Tags:
    Wirtschaftskammer Österreichs (WKÖ), Richard Schenz, Russland, Österreich