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    Die Gesellschaft für Österreichisches Deutsch hat in Zusammenarbeit mit der Austria Presse Agentur und einer elfköpfigen Jury Bilanz über die öffentliche Sprache und Kommunikation dieses Jahres in Österreich gezogen und die Ergebnisse auf ihrer offiziellen Seite veröffentlicht.

    Der Skandal um den ehemaligen Vize-Kanzler und FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache wegen des so genannten Ibiza-Videos führte im Mai 2019 zum Auseinanderbrechen der regierenden Koalition aus ÖVP und FPÖ. Die Affäre bewegte die Österreicher und prägte die öffentliche Sprache des Landes.

    „Strachmatt“, „bsoffene Gschicht“ und „zack, zack, zack“

    Ibiza“ wurde mit 2167 von 7602 abgegebenen Stimmen zum Wort des Jahres gewählt. In die Top-Drei schaffte es auch „Strachmatt“ – eine mit dem Skandal verbundene Wortneubildung aus „Strache“ und  „(Schach)matt“, die laut der Gesellschaft auf das möglicherweise vorläufige Ende der politischen Karriere von Heinz Christian Strache anspielt.

    Auch Österreichs Unwort und Unspruch des Jahres – „bsoffene Gschicht“ und „zack, zack, zack“ – haben Bezug auf das Ibiza-Gate. Bei der „bsoffenen Gschicht“ handelt es sich „um eine typisch österreichische Verharmlosung, mit der Aussagen – konkret im ‚Ibiza-Video‘ – zu Parteispenden und potentiell gesetzeswidrigen Deals heruntergespielt werden sollen“, so die Gesellschaft.

    Demzufolge charakterisierte Strache mit der Lautmalerei „zack, zack, zack“ die von ihm angestrebte Neuordnung in einigen Redaktionsstuben. Per Online-Voting erhielt die Wendung jedoch nur die zweitmeisten Stimmen. Weil sich dieser Ausdruck rasch zum geflügelten Wort entwickelt hat, wurde er von der Jury ausnahmsweise an die erste Stelle gereiht.

    Spruch und Jugendwort des Jahres

    Zum Spruch des Jahres wurden die Worte des österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen „Nur Mut und etwas Zuversicht, wir kriegen das schon hin“. Diese Aussage machte Van der Bellen im Mai anlässlich des Ibiza-Skandals und trug damit der Gesellschaft zufolge wesentlich zur Beruhigung des politischen Chaos‘ bei.

    Auf Platz eins unter den Jugendworten landete 2019 das Verb „brexiten“. Die Neuschöpfung hat die  Bedeutung „Sagen, dass man geht, während man dann aber eben doch nicht geht“ und spielt auf Brexit an, Großbritanniens Projekt des Austritts aus der EU, dessen Umsetzung schon seit drei Jahren vorbereitet wird und nicht zu einem Ende kommt.

    „Ibiza-Gate“ auch für Sprache in Deutschland relevant

    Deutsche Sprachwissenschaftler bestimmten Wörter, die in den zurückliegenden Monaten das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben besonders geprägt hatten, bereits im November. Die Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) setzte „Oligarchennichte“ auf die Liste der Wörter 2019. Gemeint wird eine Hauptfigur der „Ibiza-Affäre“: Eine Frau, die sich mit Strache und dem ehemaligen FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus auf Ibiza traf und sich dabei für die „Nichte“ eines russischen Oligarchen ausgab.

    2019 wurde das Wort des Jahres bereits zum 20. Mal bestimmt. Das Publikum und die Juri wählten aber neben dem Öwort 2019 auch Unwort, Jugendwort, Spruch und Unspruch des Jahres.

    Skandal um Strache

    Am 17. Mai hatten die „Süddeutsche Zeitung” und der „Spiegel” das Ibiza-Video veröffentlicht. Die Aufnahmen zeigen, wie der damalige FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache auf der Baleareninsel eine vermeintliche russische Oligarchen-Nichte um Wahlkampfspenden bittet und seinerseits Staatsaufträge anbietet.

    Die schwer belastende Veröffentlichung hatte eine Regierungskrise in Österreich zur Folge. Nach Straches Rücktritt mussten auch sämtliche FPÖ-Minister ihre Posten räumen. Anschließend wurde auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) per Misstrauensvotum abgewählt.

    Im Zusammenhang mit dem Skandal um das „Ibiza“-Video wurde gegen Strache und Gudenus eine Ermittlung eingeleitet.

    mo/mt

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    Ibiza, Heinz-Christian Strache, Österreich