19:39 30 März 2020
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    Der frühere FPÖ-Chef Hans-Christian Strache soll Parteifreunde unter anderem durch einen Privatdetektiv bespitzelt haben. Dieser sollte auf Parteikosten etwaige Verräter aufspüren, die für das sogenannte Ibiza-Video verantwortlich sein könnten, das zum Bruch der ÖVP-FPÖ-Koalition führte. Strache wies alle Vorwürfe zurück.

    Die Wiener Kronenzeitung berichtete am 19. Dezember erstmals über den Vorgang, der irgendwie niemanden in Österreich zu überraschen oder aufzuregen schien. Demnach fiel den Ermittlungsbehörden bei der Durchsuchung der angemieteten Villa von Hans-Christian Strache in Klosterneuburg, vor den Toren Wiens, auch Material einer bekannten Privatdetektei in die Hände. Aus den Unterlagen soll hervorgehen, dass Strache seine ehemaligen Parteifreunde Johann Gudenus und Dominik Nepp beschatten ließ. Offenbar witterte der frühere Chef der Freiheitlichen in den eigenen Reihen den oder die Urheber für jenes Video, dass nicht nur Strache zum Verhängnis wurde, sondern auch die Regierungskoalition aus ÖVP und FPÖ zu Fall brachte.

    Die führende österreichische Boulevardzeitung berichtet nach eigener Aussage aus den Verschlussakten der Staatsanwaltschaft. Demnach stammen die aufgefundenen Fotos aus dem Juni 2019, nur wenige Wochen nach dem Bekanntwerden des Skandals und dem Ende der türkis-blauen Liaison in der Wiener Hofburg. Die Überwachung von Gudenus und Nepp soll Wochen durchgeführt worden sein. Der Anwalt von Gudenus, Heinz-Dietmar Schimanko, kann eine mögliche Bespitzelung seines Mandanten, des früheren Klubobmanns der FPÖ im Nationalrat (vergleichbar mit dem Fraktionsvorsitzenden einer Partei im Deutschen Bundestag) der wie Strache in dem Ibiza-Video gefilmt worden war, nicht nachvollziehen, wie Schimanko dem öffentlich-rechtlichen ORF sagte. Dass Strache misstrauisch geworden ist, sei angesichts des, so der Anwalt wörtlich, niederträchtigen Angriffs mit dem heimlich aufgenommenen Video verständlich.

    Der Wiener FPÖ-Obmann Dominik Nepp zeigte sich weniger verständnisvoll, sondern äußerte auf seinem Facebook-Konto menschliche Enttäuschung. Nepp berichtet dort, dass seiner Frau im Sommer 2019 aufgefallen war, „dass regelmäßig eine Person bei unserer Wohnung herumschleicht und uns ausspioniert.“ Das alarmierte Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) stellte rasch fest, dass ein Mann und ein Pärchen Nepp ausspionierten.

    FPÖ-Chef Hofer verneint Kenntnis der Überwachung und deren Kostenübernahme

    Der heutige FPÖ-Chef Norbert Hofer erklärte auf einer Pressekonferenz seiner Partei, nur wenige Stunden nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen seinen Vorgänger auf eine Frage, ob er davon gewusst habe und ob das auch den Parteiausschluss von Strache begründet habe:

    „Es ist zumindest seltsam, würde ich einmal sagen, aber die Frage müsste man eigentlich dem Auftraggeber stellen. Niemand kann ausschließen, dass er von einem Privatdetektiv überwacht wird. Deswegen kann ich diese Frage nur mit nein beantworten, ich kann nichts ausschließen.“ (Im verlinkten Video der Pressekonferenz ab Position 22:42)

    Berichte, wonach Strache seiner ehemaligen Partei die Kosten für die Bespitzelung auferlegt habe, wies Hofer von sich:

    „Ich habe heute in der Früh den Artikel gelesen, hab nachgefragt, ob eine Rechnung eines Detektivs bei uns eingelangt ist, das ist der Fall. Diese Rechnung wurde aber von uns noch nicht bezahlt und wird von uns an den Auftraggeber weitergeleitet werden.“

    Hans-Christian Strache wies alle Vorhaltungen gegen ihn auf seinem Facebook-Konto entschieden von sich:

    „Es gab nach der Aktion des kriminellen Ibiza-Netzwerks engagierte Bürger, welche Hintermänner und Akteure der Ibiza Causa unter Zuhilfenahme von Privat-Detekteien ausfindig machen und zur Aufklärung beitragen wollten. Mit manchen war ich in Kontakt und diese teilten ihre Ermittlungsergebnisse mit mir. Von mir selber gab es jedoch keinen derartigen Auftrag für Ermittlungen und auch definitiv keine Rechnung an die Partei!... Ich habe keinen Auftrag erteilt und daher auch kein Geld bezahlt.“

    Der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp erklärte wörtlich „das Kapitel Strache ist für die FPÖ geschlossen.“

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    Tags:
    Freiheitspartei Österreichs (FPÖ), Heinz-Christian Strache