03:26 26 November 2020
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    Sebastian Kurz, Österreichs designierter Kanzler, hat sich einen neuen, wenig schmeichelhaften Spitznamen zugezogen. Wegen seiner Äußerungen über die private Seenotrettung im Mittelmeer verpasste ihm der Verein „Mission Lifeline“ den Beinamen „Baby-Hitler“ und bezeichnete ihn als rechtsextrem.

    Was war passiert? In einem Interview mit der „Bild am Sonntag“ hatte Kurz gesagt, private Seenotretter würden durch ihre Tätigkeit manchmal ungewollt Schlepper unterstützen und am Ende für noch mehr Tote im Mittelmeer sorgen. Die Rettung durch Vereine wie Mission Lifeline werde von vielen Menschen als „direktes Ticket nach Europa“ verstanden, wodurch sich nur noch mehr Menschen auf den Weg machten und im Endeffekt ertrinken würden. Das Modell der privaten Seenotrettung funktioniere nicht, so Kurz.

    ​Den „Baby-Hitler“-Tweet von Mission Lifeline bezeichnete der Bild-Journalist Paul Ronzheimer, der das Gespräch mit Kurz geführt hatte, als „widerlich“ und als „Beweis dafür, dass die Radikalisierung auch im linken Lager zunimmt“:

    ​Den Spitznamen “Baby-Hitler” hat Sebastian Kurz jedoch nicht von Mission Lifeline und nicht erst seit seinem Interview mit der „Bild am Sonntag“. Bereits nach seinem ersten Wahlsieg 2017 hatte das Satire-Magazin „Titanic“ getitelt: „Baby-Hitler töten!“

    Der neuerliche Hitler-Vergleich stieß bei Twitter auf gemischte Reaktionen. Dieser User ist beispielsweise der Ansicht, der Vergleich verharmlose den NS und verhöhne posthum die Opfer.

    ​CDU-Bundestagsabgeordneter Matthias Hauer findet, Kapitänin Carola Rakete verharmlose mit ihrem Tweet ebenfalls den Faschismus, indem sie sagt, man könnte solche Statements, wie das von Kurz, als „Öko-Faschismus“ bezeichnen.

     

    ​Andere wenden Kurz‘ These humoristisch auf andere Lebensbereiche an, wie in diesem Tweet von Die PARTEI Emsland und dessen Retweet.

    ​So unterschiedlich die Bewertung – “Baby-Hitler“ hat für Diskussionsstoff gesorgt und ist zu einem der ersten Twitter-Trends des neuen Jahrzehnts geworden.

    ​In Sachen Seenotrettung wird derweil am Dienstag ein Gerichtsurteil erwartet, nämlich das gegen Claus-Peter Reisch, Kapitän des Seenotrettungsschiffes „Lifeline“. Im Mai 2019 war Reisch in erster Instanz zu 10.000 Euro Strafe verurteilt worden und hatte Berufung eingelegt. Ihm wird eine falsche Registrierung des Schiffes vorgeworfen.

    Nachdem die „Lifeline“ mit 234 geretteten Flüchtlingen an Bord im Juni 2018 in Valetta angelegt hatte, war Reisch festgenommen, angeklagt und vor Gericht gestellt worden. Das Schiff wurde beschlagnahmt und liegt bis heute fest. Ein Freispruch für Reisch könnte die Rückgabe der „Lifeline“ an den Verein bedeuten.

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