10:15 26 Januar 2020
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    Die kleine Gemeinde Hallstatt am Hallstättersee im österreichischen Salzkammergut wird jeden Tag von Touristen überrannt. Offenbar ist der Film „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“ schuld daran.

    Die Gemeinde zählt lediglich 780 Einwohner und gehört seit dem Jahr 1997 zum UNESCO-Welterbe. Laut der britischen Zeitung „The Sun“ wurde das Dorf sogar zum „The most Instagrammable town in the world (zu dt.: „der instagrammste Ort der Welt“) gekürt.

    Die Siedlung hat jedoch oft mit großen Touristenströmen zu kämpfen. Nach Angaben der britischen Zeitung „The Guardian“ sind es vorwiegend Menschen aus China, Hongkong, Japan und Südkorea. Die Zahl der Touristen, die die Gemeinde täglich besuchen, ist extrem hoch – rund 10.000 Menschen. Somit ist Hallstatt touristisch stärker belastet als zum Beispiel Venedig. Pro Einwohner kommen hierher nämlich sechs Mal mehr Besucher als pro Einwohner der norditalienischen Kulturstadt.

    Zahlreiche Probleme für Einheimische

    Für die Einwohner wurde die unglaubliche Zahl von Touristen teilweise sogar zum Problem. Die Menschen steigen nach „The Sun“ aus Bussen aus, schießen Selfies, posieren für Hochzeitsfotos und lassen Drohnen fliegen. Nach Angaben des „Guardian“ musste die Gemeinde zudem mit der Vermüllung durch die Reisenden kämpfen und die Einheimischen haben das Gefühl, als ob sie in einem Freizeitpark leben.

    Der Bürgermeister Alexander Scheutz versucht den Zustrom der Touristenbusse zu beschränken. Laut der Zeitung „heute.at“ soll es sogar ab Mai 2020 von acht bis 17 Uhr ein Slot-System für Touristenbusse geben. „Wer sich nicht anmeldet, darf nicht rein“, erklärte Scheutz. „Wir haben nur diese eine Straße, über die alle müssen.“

    Fluch… Oder Segen?

    Trotzdem betrachten nicht alle in der Gemeinde die Situation als Fluch. Laut dem „Guardian“ haben die Leute durch den Touristenstrom die Möglichkeit, finanziell unabhängig zu sein. Außerdem können Unternehmen, die sonst nur in Saisonzeiten arbeiten, nun das ganze Jahr über offen bleiben.

    Einige Einheimische haben laut „The Sun“ die Gemeinde sogar als Goldmine bezeichnet. Und das nicht ohne Grund: „Ein Hotelzimmer kann 300-400 Euro kosten. Das Benutzen der öffentlichen Toilette kostet 1 Euro und 4000 Menschen benutzen sie jeden Tag“, erklärte einer der Einwohner.

    Der Kern des Problems

    Wie hat jedoch diese Touristeninvasion begonnen? Zuerst wurde die Gemeinde durch ein südkoreanisches Reiseprogramm im Jahr 2006 bekannt. Später, im Jahr 2011, gab ein chinesischer Magnat nahezu eine Milliarde Pfund für den Bau einer exakten Nachbildung des Dorfes in der chinesischen Provinz Guangdong aus. Als im Jahr 2013 der Animationsfilm „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“ in Kinos erschien, stieg das Interesse noch mehr. Viele sahen das kleine Dorf als Inspiration für das erfundene Königreich Arendelle im Disney-Streifen.

    dg/gs

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    Tags:
    Probleme, Touristen, Film, UNESCO, Österreich