17:44 26 November 2020
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    Eine Frauenministerin, die noch nie Sexismus erlebt hat, und ein Finanzminister, dessen Konto nie im Minus war – können solche Volksvertreter die Sorgen und Nöte der Bürger überhaupt verstehen und etwas gegen die Missstände tun? Diese Frage beschäftigt derzeit die österreichischen Twitter-User.

    Österreich hat seine erste türkis-grüne Regierung, die Posten sind verteilt. Doch wie ticken eigentlich die Menschen, die künftig die Geschicke des Landes lenken sollen?  Um ein paar Antworten darauf zu bekommen, hat „heute.at“ die frischgebackenen Minister zum „Öffi-Talk“ geladen. Die Gespräche finden hierbei in öffentlichen Verkehrsmittel statt und die Fragen sind bisweilen nicht ganz das, was man von einem Minister-Interview erwarten würde.

    Zwei solche „Öffi-Talks“ haben in dieser Woche für Diskussionen gesorgt und es in die Trends des deutschsprachigen Segments von Twitter gebracht. Bundesministerin Susanne Raab (ÖVP), die sich in der neuen Regierung Kurz um die Themen Integration und Frauen kümmern wird, machte mit ihrer Aussage zu Sexismus am Arbeitsplatz Wirbel. Im Interview sagte die 35-Jährige:

    „Ich hatte das große Glück, dass ich Sexismus noch nie persönlich am Arbeitsplatz erlebt habe. Ich war natürlich als Frau in den letzten Jahren in Führungspositionen tätig. Und da muss man sich schon behaupten können.“

    Zu diesem Glück kann man Raab sicherlich gratulieren, ist Sexismus in seinen verschiedenen Ausprägungen doch für einen erschreckend großen Teil der weiblichen Bevölkerung Realität, wie nicht zuletzt die MeToo-Bewegung deutlich gezeigt hatte. Von vielen österreichischen Twitter-Usern ist die Aussage Raabs jedoch als verharmlosend und realitätsfremd aufgenommen worden.

    ​Andere sehen dahinter einer Strategie, sich von der frauenpolitischen Linie abzugrenzen:

    ​Ähnlich in die Nesseln gesetzt hat sich der neue österreichische Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP). In seinem „Öffi-Talk“ sagte er, sein Konto sei noch nie im Minus gewesen und es sei auch nie vorgekommen, dass er eine Rechnung nicht bezahlt hätte. Dass das viele Menschen, deren finanzielle Situation nicht ganz so komfortabel ist und sie dazu zwingt, das Konto zu überziehen, dem Minister übelnehmen würden, hätte Blümel sich denken können.

    Beide Aussagen zusammen haben aber wohl erst dafür gesorgt, dass das Thema zum Twitter-Trend wurde.

    ​Zu Jahresbeginn sind in der Wiener Hofburg die 17 Kabinettsmitglieder der neuen österreichischen Bundesregierung unter Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) vereidigt worden. Die konservativ-grüne Regierung ist so jung und so weiblich wie noch nie. Zudem gibt es mit Justizministerin Alma Zadić (Grüne), einer gebürtigen Bosnierin, erstmalig eine Ministerin mit Migrationshintergrund.

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    Sexismus, Sebastian Kurz, Österreich