04:55 02 Dezember 2020
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    Ein Arbeitsblatt in einer Volksschule in Graz hat für mächtig Wirbel gesorgt. Heuschrecken und Pest sollen dem Land einst äußerst zugesetzt haben – ebenso wie die Türken. Die Eltern der betroffenen Drittklässler zeigten sich darüber entsetzt und stellten das Unterrichtsmaterial ins Netz.

    „Kaum waren die Heuschrecken abgezogen, kam ein neuer Feind, die Türken (1480)“, ist auf dem Arbeitsblatt zu lesen. „Sie waren ein wildes Reitervolk und kamen aus dem Orient zu uns. Die Türken zerstampften die Saaten, brannten die Geschäfte ab und erschlugen Männer, Frauen und Kinder“, heißt es in dem Unterrichtsmaterial.

    Nachdem das Blatt im Netz gelandet war, forderten Dutzende Kommentatoren eine Aufklärung des Vorfalls. Einigen Aussagen zufolge soll das Blatt bereits Ende Mai in einer anderen Schule im Umlauf gewesen sein. Einige Twitter-Nutzer behaupteten, dass die Stadt Graz dieses Arbeitsblatt selbst an die Schüler verschickt habe.

    Im Unterricht verteilt

    Das Blatt soll Mitte Mai in einer Grazer Volksschule im Unterricht verteilt worden sein. Laut der „Kronen Zeitung“ wurde das Papier von einer Lehrerin selbst „in einfacher Sprache“ gestaltet. Dabei habe die Lehrerin auf Informationen zurückgegriffen, die auf der Webseite des Austria-Forums zur Verfügung gestanden haben sollen.  

    ​„Das geht in der Form natürlich nicht, das ist keine Frage“, so Bernhard Just von der Bildungsdirektion Steiermark gegenüber der „Kleinen Zeitung“. Ebenso habe man das Arbeitsblatt sofort nach der Schulöffnung mit Experten der Antidiskriminierungsstelle aufgearbeitet.

    Die Bildungsdirektion versicherte Mitte Mai auf Anfrage, es sei nicht davon auszugehen, dass das von der Lehrerin gestaltete Arbeitsblatt noch in anderen Schulen verwendet worden sei. Das Arbeitsblatt sei mittlerweile online gelöscht worden und würde nicht mehr verteilt werden.

    Das Landplagenbild müsse in der Schule behandelt werden. Jedoch sei es wichtig, „nicht den Eindruck entstehen zu lassen, die heute in den Schulklassen sitzenden Kinder türkischer Herkunft hätten etwas damit zu tun oder seien ‚eine Plage‘“, hieß es damals.

    Die betroffene Lehrerin habe nicht in böser Absicht gehandelt und habe sich auch einsichtig gezeigt, hieß es unter anderem.

    „Entmenschlichung“

    Auch der SPÖ-Politiker Mustafa Durmus meldete sich Mitte Mai zu Wort und bezeichnete den Inhalt des Arbeitsblattes als Entmenschlichung.

    „Wie kommen Drittklässler dazu, derartiger Entmenschlichung ausgesetzt zu werden? Wenn eine Volksgruppe als Plage bezeichnet wird, verliert sie jeglichen Schutz. Wie fühlt sich ein türkischstämmiges Kind, wenn es hört, dass Türken wie Heuschrecken oder schlimmer als die Pest sind? Es ist unsere Pflicht diesen Fall dringend aufzuklären“, schrieb der Politiker auf Facebook. 

    mka/gs

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    Tags:
    Diskriminierung, Schule, Unterricht, Graz