04:12 29 Oktober 2020
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    Das unabhängige Experten-Team um den ehemaligen Vizepräsidenten des Obersten Gerichtshofes, Ronald Rohrer, hat am Montag die Ergebnisse der Evaluierung des Managements der Corona-Pandemie in Tirol vorgestellt.

    Die Kommission untersuchte laut der Mitteilung monatelang die Vorgänge in Ischgl und befragte dafür 53 Personen. Die Experten betonen, dass sie „kein Gericht und keine Behörde“ seien, und nennen keine Schuldige.

    Die Verantwortungsträger hätten ein „großes Arbeitspensum bewältigt“, oft unter großem Zeitdruck und in der „beispiellosen Krisensituation“. Dabei sei es in einem Bezirk zu „folgenschweren Fehleinschätzungen“ gekommen. Behörden-Entscheidungen wären „aus eigenem Entschluss und ohne Druckausübung von dritter Seite“ erfolgt.

    Das Warten auf die Verordnung zur Beendigung des Skibetriebs bis zum 12. März sei aus „epidemiologischer Sicht“ falsch gewesen, hieß es. Aber auch die Regierungsspitze in Wien steht in der Kritik. Die Ankündigung der Quarantäne im Paznauental und in St. Anton durch Kanzler Sebastian Kurz am 13. März sei „überraschend, ohne unmittelbare Zuständigkeit und ohne Vorbereitung“ erfolgt.

    „Es fehlte an Kommunikation und Einbeziehung der allein zuständigen Bezirkshauptmannschaft Landeck.“

    Die Verhängung der Quarantäne, die zu Chaos bei der Abreise von ausländischen Gästen geführt hatte, hätte besser vorbereitet werden müssen, hieß es. Es habe keinen Evakuierungsplan gegeben. Die Touristen hätten darüber informiert werden müssen, dass sie nicht alle auf einmal, sondern über das Wochenende gestaffelt und kontrolliert abreisen sollten.

    Corona-Hotspot

    In Ischgl, das als Partyhochburg unter den Skigebieten bekannt ist, hatten sich rund 11.000 Menschen infiziert und das Virus dann in ganz Europa und darüber hinaus verbreitet. Darunter waren auch viele deutsche Urlauber. Der erste bestätigte Fall in Ischgl war ein Angestellter einer Apres-Ski-Bar namens Kitzloch. Er wurde am 7. März positiv getestet.

    Die Corona-Verbreitung in Ischgl hat ein juristisches Nachspiel. Ein privater Verbraucherschutzverein hat im Namen von vier Personen Schadenersatzklagen gegen die Republik Österreich eingereicht. Den Verantwortlichen wird vorgeworfen, zu spät und fehlerhaft reagiert zu haben. Insgesamt hätten sich mehr als 6000 Tirol-Urlauber aus 45 Staaten bei dem Verein als Geschädigte gemeldet. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck ermittelt zudem im Zusammenhang mit Ischgl gegen vier Personen wegen vorsätzlicher oder fahrlässiger Gefährdung von Menschen.

    mo/sb/rtr

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